« am: 17. Oktober 2008, 19:08:30 »
Einer für alles
Der 20-jährige Patrick Roth betreut demente Menschen im Haus Bornberg
VON ANTON J. SEIB
Bist du fit am PC?" Hilfesuchend schaut Tanja Swart vom Pflegeteam zu Patrick Roth hinauf. Sie sitzt am Schreibtisch, und der Computer weigert sich, eine Tabelle auszudrucken. Patrick ist fit am PC, hat aber momentan keine Zeit. Gerade ist er mit dem Aufräumen der Küche fertig geworden, jetzt muss er zur Poststelle. Es ist kurz vor 11 Uhr, der erste morgendliche Stress vorbei, und der 20-jährige Zivildienstleistende im Haus Bornberg nutzt den Gang durch den herbstlichen Park zu einer Pausenzigarette.
Eineinhalb Monate seiner neunmonatigen Dienstzeit hat Patrick Roth hinter sich. Er ist einer von zwei Zivis im Haus Bornberg in Friedrichsdorf. Die andere Stelle ist derzeit noch unbesetzt, demnächst soll der Neue kommen und dann vor allem im Fahrdienst eingesetzt werden. Anfangs, erinnert sich Patrick, sei es "recht stressig" gewesen, doch jetzt sei Routine eingekehrt. Im Haus Bornberg werden derzeit 18 zumeist an Demenz erkrankte alte Menschen tagsüber betreut. Für sie ist der 20-Jährige eine Art Mädchen für alles, steht zu Hilfe bereit bei der morgendlichen Ankunft, bereitet Frühstück und Essen vor, nimmt an den Gruppen- Nachmittagen teil, singt mit den Gästen. "Manchmal genügt es schon, zuzuhören oder mal ein nettes Wort zu sagen", hat er beobachtet.
Schwierigkeiten im Umgang mit den alten und zumeist verwirrten Gästen hat der 20-Jährige nicht. "Ich behandele die Menschen so, wie auch ich behandelt werden möchte", lautet sein Motto, und das klappt. "Der Patrick, der ist ganz nett, ich kann nichts Schlechtes sagen", lobt die alte Dame aus Neu-Anspach "ihren" Zivi.
Auch an der schwarzen Motorradkluft aus Leder und der schulterlangen Mähne des Heavy-Metal-Fans hat sich noch niemand gestört. "Man sagt immer, Jung und Alt, das geht nicht zusammen. Hier ist das anders", sagt Tanja Swart vom Pflegeteam. Und sie ist mit der Arbeit der "Jungs" sehr zufrieden.
Inzwischen ist Patrick von seinem Botengang zurück. Draußen ist der Lieferwagen mit dem Mittagessen angefahren. Patrick hilft beim Entladen, bereitet den Mittagstisch vor. Er deckt die Tische der beiden Speisesäle ein, trägt das Mahl auf, hilft den Gästen beim Essen, wo es nötig ist. Um 13.15 Uhr, nach rund fünf Stunden, wartet auch auf Patrick eine halbe Stunde Pause.
560 Euro erhält der 20-Jährige im Monat. "Damit komme ich aus, ich wohne noch zu Hause." Auch sonst ist Patrick mit seinem Dasein zufrieden. "Das Klima unter den Kollegen ist ganz locker."
Patrick kommt vom Fach. Der Rodheimer hat nach der mittleren Reife eine Ausbildung zum Sozialassistenten gemacht. Hat während dieser Zeit in mehreren Kindergärten der Stadt Rosbach gearbeitet. Zum Bund wollte er nicht . "Es gibt schon genug Kriege auf der Welt. Wozu soll man junge Menschen noch zu so etwas ausbilden?", sagt er. Und so hat er sich entschieden, den Wehrdienst zu verweigern und Zivildienst zu machen.
Bei der Suche nach einer Stelle hatte der 20-Jährige auch andere Angebote, unter anderem von der Blindenschule in Friedberg. "Aber ich wollte mal was anderes machen, mit alten Menschen, um mein Spektrum zu erweitern." Deshalb hat er dem Haus Bornberg zugesagt. Allerdings ist sich Patrick unsicher, was er später beruflich machen will. Vielleicht bleibt er "im Fach", vielleicht geht er nochmals zur Schule, um Abitur zu machen.
Es ist 16.30 Uhr. Patrick hat die Gäste auf die Heimfahrt vorbereitet. Jetzt muss er noch die Zimmer kontrollieren, in die sich die Gäste tagsüber zurückziehen können, macht Betten, räumt auf. Um 16.45 Uhr ist der Zivildienstleistende mit seinem Tagwerk fertig. Sein Job wird vom Betreuungsteam honoriert. "Die Zivis nehmen uns wahnsinnig viel Arbeit ab", sagt Tanja Swart. "Wenn sie wegfallen, wird es ganz schön eng."
Das Haus
Haus Bornberg in Friedrichsdorf ist eine gerontopsychiatrische Tagesstätte. Die Mitarbeiter pflegen und betreuen seit Anfang 2000 tagsüber bis zu 18 Menschen mit Demenzerkrankungen, die sonst zu Hause von ihren Angehörigen betreut werden. Die Einrichtung liegt in unmittelbarer Nachbarschaft zum Waldkrankenhaus Köppern, arbeitet jedoch als eigenständige Einrichtung unabhängig von der Fachklinik. Das Waldkrankenhaus wurde 1901 von dem Frankfurter Psychiater Emil Sioli gegründet. Heute gehört es zum Zentrum für Soziale Psychiatrie Hochtaunus."aus:
http://www.fr-online.de/frankfurt_und_hessen/nachrichten/bad_homburg/?em_cnt=1614027&Rundschauleser wissen mehr...

Schönen Abend!
Thomas Beßen
« Letzte Änderung: 17. Oktober 2008, 19:33:19 von Thomas Beßen »

Gespeichert
Wer heute krank ist, muss kerngesund sein.