Autor Thema: Tod und Depression  (Gelesen 6470 mal)

Offline Thomas Beßen

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Tod und Depression
« am: 06. Juni 2014, 06:32:21 »
"Der unerwartete Tod eines nahen Menschen belastet viele Menschen so stark, dass sie seelische Krankheiten entwickeln. Ältere Menschen sind besonders gefährdet, mit Depressionen, Angststörungen oder Alkoholmissbrauch auf den Verlust zu reagieren. ..."

Von Christian Weber unter http://www.sueddeutsche.de/gesundheit/psychiatrie-tod-und-depression-1.1979726

Sonnige Frühgrüße! :-)
Thomas Beßen
Wer heute krank ist, muss kerngesund sein.

Offline IKARUS

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Re: Tod und Depression
« Antwort #1 am: 07. Juni 2014, 06:22:41 »
Wenn ein Mensch nach dem Tode eines geliebten Menschen in eine depressive Phase gerät, ist auch zu klären, ob er/sie ein stabiles Umfeld hat. Wenn heute herausgefunden wird, dass es mehr Menschen gibt die eine länger andauernde depressive Verstimmung erleiden, dann muss auch die Frage geklärt werden, ob der Betroffene vor dem Verlust Bewältigungsstrategien erlernen konnte. In den früheren Großfamilien konnten Kinder von den Erwachsenen viel lernen. Das ist heute anders. Viele Eltern müssen arbeiten und können somit soziale Kompetenzen an die Kinder nicht ausreichend weitergeben. Im gleichen Zusammenhang fehlen heute die Großeltern bei der Erziehung des Nachwuchses. Dann erleben die Menschen den Verlust und die Bewältigungsstrategien nicht mehr, die früher in Großfamilien erlernt werden konnten. Die Separation der Generationen hat dazu geführt, dass viele mit ihren Sorgen und Ängsten alleine gelassen sind und einen ihnen möglichen Weg wählen, der nicht immer der richtig sein muss.
Ist das nun eine Aufgabe der Gesellschaft, oder sollen die Betroffenen rechtzeitig Vorsorge betreiben, damit sie nicht seelisch erkranken?

Die Überschrift: "TOD UND DEPRESSION" löste auch bei mir den Gedanken aus, dass oft angenommen wird, dass depressiv erkrankte Menschen sich umbringen wollen. Das Gegenteil ist der Fall! Sie wollen dem Leiden und nicht dem Leben ein Ende bereiten. Weil sie ihr Gefühlschaos nicht erklären können, damit ihnen geholfen werden kann, wählen sie diesen Weg. Es ist die Ausweglosigkeit, die Betroffene in den Tod treiben.
Wenn es uns gelänge den Betroffenen eine machbare und mögliche Zukunftsperspektive aufzuzeigen, könnte die Selbstmordrate sicherlich gesenkt werden.

Für die kommenden Pfingsttage wünsche ich uns viel Sonne und eine tolle freie Zeit im Kreise unserer Lieben!

Beste Grüße, IKARUS

Offline dino

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Re: Tod und Depression
« Antwort #2 am: 07. Juni 2014, 07:01:46 »
Das würde ich so nicht unterschreiben. Viele Depressive unternehmen keinen SV weil sie sich aufgrund der Depression dazu einfach nicht aufraffen können. Würde man nun Antidepressiva oder Anxiolytika (z. B. Lorazepam) zu schnell aufdosieren würden wir diese Schwelle beseitigen, mit den bekannten Folgen. Ein SV wird meistens in der Stabilisierungsphase unternommen, oft Raptusartig. Diese sind dann in der Regel "harte" SV.
Viele Grüße
dino

Offline IKARUS

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Re: Tod und Depression
« Antwort #3 am: 09. Juni 2014, 08:26:11 »
Das depressiv erkranken Menschen keine SV unternehmen, mag daran liegen. Ich habe hier keine umfassendere Erfahrung. Geschweige dein klinische Erfahrung Dino! Aber ist mein Blickwinkel richtig/bekommt deine Zustimmung, dass es die Hoffnungslosigkeit/die mangelnde Zukunftsperspektive ist, die depressive Menschen in den SV treiben? Da bleibe ich vorerst bei meinem Standpunkt, dass es die fehlende Zukunftsperspektive ist, die zum SV führt.
Habe noch einen sonnigen 2. Pfingsttag.
Beste Grüße, Michael 


Offline dino

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Re: Tod und Depression
« Antwort #4 am: 09. Juni 2014, 08:37:26 »
Das stimmt in vielen Fällen. Aber was ist eine tragfähige Perspektive? Vor Allem, mit welcher Art von Depression haben wir es zu tun? Antdepressiva sind ein wichtiger Eckpfeiler, aber das soziale Umfeld muss stimmen/vorhanden sein. Der Mensch lebt nicht alleine von Pillen.
Viele Grüße
dino

Offline IKARUS

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Re: Tod und Depression
« Antwort #5 am: 09. Juni 2014, 08:44:13 »
Gerne stimme ich DIR wieder zu Dino, aber für das privat Umfeld ist der Betroffenen nur partiell mitverantwortlich. Aber das sollte ja auch eine familieninterne Angelegenheit bleiben. Als Angehörige in einem therapeutischen Team müssen wir auch unsere Grenzen erkennen und anerkennen. 

So! Jetzt geht es an den Baldeneysee!!

Offline dino

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Re: Tod und Depression
« Antwort #6 am: 09. Juni 2014, 09:32:28 »
Ich glaube, Du hast mich missverstanden. Ein funktionierendes soziales Umfeld ist wichtig für den Pat. Wir beziehen, wenn möglich auch die Familie mit ein. Wenn schon ganzheitlich, dann richtig. Ist kein Umfeld vorhanden muss man nach Alternativen suchen. Gegen das Alleine sein können Gruppen etc. helfen. Aber da ist Brady kompetenter als ich, Depressionen bei uns nur sekundär.
Viel Spass am See
dino

Offline Brady

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Re: Tod und Depression
« Antwort #7 am: 24. Juni 2014, 00:53:35 »
Schwere Depressionen, die durch den Tod eines nahestehenden Menschen ausgelöst wurden habe ich schon einige erlebt.

Die Fälle, wo Kinder starben durch Fremdeinwirkung oder auch durch SV.
Oft verbunden mit Gefühlen, wie Hass, Schuld, Aggression. Die Trauerarbeit kann in manchen Fällen deshalb nicht geleistet werden, weil die Gedanken an Rache, Vergeltung und Wut zu stark sind.

Bei einer Mutter z.B., wo das Kind durch Fremdeinwirkung stirbt, kann sie ihre Gefühle daran koppeln, wie weit der Täter bestraft wird, ob er genügend und ausreichend dafür verurteilt wird. Kann Sie dies  nicht trennen, wird sie allein um den reinen  Verlust ihres Kindes nicht trauern können. Die Trauerarbeit wird nicht geleistet und dies kann zu psychischen Erkrankungen führen.

Nicht umsonst kennen wir das Trauerjahr, das zelebrieren von "Abschied nehmen/verarbeiten" hat seinen Sinn.

Darf eine Mutter jemals wieder glücklich sein, wenn ihr Kind sich suizidiert hat? Hier bedarf es auf jeden Fall einer Therapie.

Ein plötzlicher Tod ist ein Trauma für jeden Menschen und da ist  auf jeden Fall ein funktionierendes soziales Umfeld wichtig.


Liebe Grüße Brad
Ich bin keine Schwester, ich bin eine Fachpflegekraft!