Autor Thema: "Profit statt Patientenwohl?" TV-Tipp...  (Gelesen 3923 mal)

Offline Thomas Beßen

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"Profit statt Patientenwohl?" TV-Tipp...
« am: 04. Januar 2014, 09:37:30 »
"Längst übernehmen große Konzerne wie Rhön, Helios, Sana und Asklepios flächendeckend ehemals kommunale oder kirchliche Kliniken und verändern damit die Krankenversorgung grundlegend. Zunehmend werden auch Arztpraxen aufgekauft und zu profitablen Gesundheitszentren ausgebaut. Private Zusatzversicherungen sollen zudem für eine bessere stationäre Versorgung sorgen - natürlich in den eigenen kommerziellen Kliniken. Das Ziel der großen Medizinkonzerne ist eindeutig: Die Gesundheitsversorgung soll Rendite einbringen. Patienten sind "Kunden", es geht um "Stückkosten"."

Quelle: http://programm.tagesschau24.de/tv/Profit-statt-Patientenwohl/2014-01-02/eid_2872111251908629

Hier läuft der Film im Netz: http://www.ardmediathek.de/das-erste/reportage-dokumentation/profit-statt-patientenwohl?documentId=17585724

Schönes Wochenende!
Thomas Beßen
Wer heute krank ist, muss kerngesund sein.

Offline IKARUS

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Re: "Profit statt Patientenwohl?" TV-Tipp...
« Antwort #1 am: 07. Januar 2014, 09:50:18 »
Diesen ARD - Beitrag fand ich gut und informativ. Er zeigte doch, dass auch das Personal nicht gegen die kommende Kommerzialisierung sich zusammenschließt und sich wehrt. Wenn es gelänge, dass sich das Klinikpersonal zusammenschließt, dann könnte sich etwas bewegen. Weil das wohl sehr unwahrscheinlich ist, werden sich die Manager der Privatklinikkonzerne durchsetzen.
Es ist ja immer wieder das gleiche Muster, dass die Mitarbeiter in den Gesundheitsberufen bei ihrem "guten Gewissen" gepackt werden. "Sie wollen doch wohl nicht die Patienten vernachlässigen?" hört man zu allen Zeiten. Somit geht man bis zu seiner Belastungsgrenze und darüber hinaus. In jungen Jahren kann man da viel kompensieren und bekommt dennoch nichts zurück!!
Wenn das Personal sich zusammenschließen würde, hätten die Manager in den Kliniken engere Grenzen in denen sie sich "austoben" könnten. Ich habe mir viel anhören dürfen: z.B. "verwechseln sie nicht Engagement mit Übereifer!"
Als Engagement wurde interpretiert, wenn wir mit wenigen Pflegekräften viele Patienten betreut und gepflegt hatten.
Als Übereifer wurde interpretiert, wenn wir nach Personal verlangt hatten, weil der Pflegeaufwand kurzfristig erheblich gestiegen war.
Die Spitze war: "wenn sie das nicht leisten können, da ist die Tür!" 
Eine Koalition ließe sich nicht organisieren. Es hätten nur 5 Fachkräfte gebraucht, damit die Versorgung nicht mehr sichergestellt war. Der soziale Druck auch der von uns selber war zu groß. Wir gehen ja in die sozialen Berufe, weil wir so ticken, wie wir ticken. Das machen sich die Gesundheitsmanager zu nutzen.

Auch ist hier noch einmal zu erwähnen, dass der gesunde Mensch sich nicht darum kümmert, wie die Kliniken und Pflegedienste funktionieren. Erst wenn sie krank sind, stellen sie Fragen nach einer optimalen Versorgung. Wo alles herkommt und was das kostet fragen sie nicht. Für das Anspruchsdenken der Menschen/Patienten sind auch wir verantwortlich. Wir wecken Erwartungen und verschweigen die kommenden Kosten, die eine Behandlung überhaupt erst ermöglichen.
Auch möchten wir unseren verdienten Lohn für unsere qualifizierten Arbeiten.
Wenn die Patienten und ihre Angehörigen nicht mehr für eine Spitzenleistung bezahlen möchten, dann sollten wir auch auf uns acht geben.

Für mich habe ich in den letzten Jahren gelernt, dass ich im Patienten-/Angehörigenkontakt zugewandt bleibe, aber wenn der Dienstschluss da ist, nutze ich ihn auch für mich und meine Lieben.
Es gab vor Jahrzehnten mal den Spruch "Stell dir vor, du wirst krank, und keiner pflegt dich!".
Es war in den 70er Jahren - einem der ersten "Pflegenotstände" Viele sind dem gefolgt und nichts hat sich geändert, weil auch wir (die Angehörige der Gesundheitsberufe) uns nicht geändert haben.
Beste Grüße, IKARUS

Eines sollte ich noch erwähnen: "Es gibt in Bochum eine privat geführte Klinik, in der sich die Mitarbeiter rundherum sehr wohlfühlen.
Es geht also auch anders, als in dem Filmbeitrag gezeigt.