Autor Thema: über das Tanzen mit Dementen  (Gelesen 5487 mal)

Online IKARUS

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über das Tanzen mit Dementen
« am: 04. Dezember 2013, 17:09:07 »
Nach nun mehr als 18 Monaten tanzen mit dementiell erkrankten Menschen kann ich heute etwas aus der letzten Tanzstunde berichten. Ich forderte eine ältere Dame auf mit mir zu tanzen. Sie lehnte ab. In der nächsten Runde forderte ich sie erneut auf und sie willigte ein. Sie bat mich darum einen Langsamen Walzer zu spielen. Diesen Wunsch konnte ich ihr erfüllen. Nachdem die Musik begann, begann sie damit sich körperlich aufzurichten und eine Körperspannung aufzubauen. Das kenne ich ja vom Turniertanzen. Ohne Körperspannung "verstehen" sich die Tanzpartner nicht. Da kommt beim Gegenüber nichts an von der Führungsarbeit.

Oft wird behauptet, dass der HERR führt. Es ist aber so, dass es auch Passagen gibt, da führt sie. Es ist ein ständiger Wechsel der Führungsarbeit, weshalb auch beide sich auf den Tanzpartner einlassen müssen.

Während des Tanzens bat mich dann die ältere Dame darum bestimmte Figuren zu führen. Ich war von der Fachkenntnis sehr beeindruckt, was ja der Wunsch nach dem Impetus und den unterschiedlichen Flechten bezeugte. Mit zunehmender Minutenzahl wurde ihre Körperspannung immer fester, ohne dass sie verkrampft wirkte. Den Wunsch nach einem Tango erfüllte ich dann in der folgenden Runde.
 
Musikalische Anhänge kann ich heute nicht beisteuern, weil mein Browser "spinnt".

Beste Grüße aus Essen, IKARUS 

« Letzte Änderung: 04. Dezember 2013, 17:11:40 von IKARUS »

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Re: über das Tanzen mit Dementen
« Antwort #1 am: 11. Oktober 2022, 08:21:32 »
Neues vom Parkettrand
Nun kann ich wieder in den hiesigen Altenheimen mit den Seniorinnen tanzen.
Als ich gestern mit einer Dame tanzte, sagte sie: "Danke für die tolle Musik und wissen sie, früher durfte ich zu so toller Musik nicht überall hin und heute kann ich es nicht mehr. Kommen sie bald wieder?" 
Musik löst bei Menschen Erinnerungen aus, die mit guten Gefühlen verbunden sind.
Bei einer anderen Seniorin konnte ich bemerken, dass sie, obwohl gehbehindert, mit den Füßen in ihrem Rollstuhl im Rhythmus der Musik mitwippte.
Beschwingte Grüße, Michael Günnewig