Hans Georg Prager ist freier Journalist und Buchautor mehrerer Sachbücher, vorwiegend aus dem maritimen Bereich. Bevor er das Buch "Florian14, 8. Alarm" schrieb, durchlief er bei der BF Hamburg eine Ausbildung zum Feuerwehrmann. Das Buch ist ein Klassiker. Den folgenden Einsatz schilderte er im "Löschblatt", der Mitarbeiterzeitung der Feuerwehr Hamburg. Der Einsatz spielte sich um 1960 ab. Einiges hat sich seitdem verändert, einiges ist geblieben. So sind auch heute noch Nächte von Freitag/Samstag berüchtigt. Auch das Stichwort Hilo ist jedem im Rettungsdienst Tätigen ein Begriff.
Unsere Feuerwache Admiralitätsstraße
war für einen Großteil des Hamburger Ha -
fens zuständig, zu Lande für die Neustadt
einschließlich der Reeperbahn samt Nebenstraßen.
Von Zeit zu Zeit nahm man uns aus dem Zugdienst
heraus, um die damals noch „Unfallwagen“ ge -
nann ten Rettungs wagen zu bemannen. Zum Horror
wurde jedes Mal die Nacht ab Freitagabend. Es
war „Lohn tütenball“. Manch einer setzte seinen
Wochen lohn in Alkohol um. Suffdelikte jeder Art
und Gewalttätig kei ten machten derart viele Einsätze
unseres VW-Kombi transporters notwendig, dass wir
jedes Mal „fertig waren mit Jack und Büx“.
In der Silbersackstraße hatte man einem Hirn -
ver letzten trotz ärztlichem Verbot eine„Steinpilskur“
gegönnt – immer einen Steinhäger und dann ein
Pils. Daraufhin bekam dieser „Kurgast“ seinen
„Sim se rim“. Es brach bei ihm die Tollwut aus. Höchst
rabiat tobte er im „Silbersack“ los und ließ nicht
einen Zapfhahn heil. Drei „Udels“ von der David -
wache bugsierten ihn dann noch ins Freie. Ange feu -
ert von viel Publikum gab es ein „Catch-as-catchcan“.
Drei handfeste Polizisten wurden mit ihm
allein nicht fertig, man bat uns Feuerwehrmänner
um Amtshilfe. Zu fünft beknieten wir den Ausge -
flippten und schafften es, ihn zu überwältigen. Da
die gepolsterte Zwangs jacke ja leider abgeschafft
war, mussten wir ihn mit unseren Fangleinen
fesseln und einschnüren, wie Nick Knatterton.
Wir führten den Wüterich dann in die „Klapse“,
die geschlossene Anstalt Langenhorn. Er ruckelte schlimm
auf seiner Trage und röhrte unentwegt: „Ich bring’ euch
um!“ Kaum war er in Langenhorn entfesselt, fuhr er dem
erstbesten Pfleger an die Gurgel, aber der landete einen
Uppercut. So fiel der Patient in eine Ecke.
Beim Dienstantritt für die nächsten 24 Stunden knurrte
unser Wachhabender: „Feuerwehrmänner Nissen und
Prager, 16 Uhr zum Rapport beim Oberbranddirektor am
Berliner Tor.“
Der OBD hieß Schwarzenberger, er stammte aus
Wien. Der Anklang an den heimatlichen Dialekt machte
seine Aussprache fast gemütlich. Aber diesmal gab es
einen Anpfiff, der wirklich in die Glieder fuhr: „Sind Sie
denn wahnsinnig, einen Tobsüchtigen zu transportieren,
ohne einen bewaffneten Polizeibeamten in dem Wagen
mitzunehmen? Das ist mit Recht streng vorgeschrieben!“
Wir haben das wirklich nicht gewusst. Der Anpfiff
traf bis ins Mark. Er war verdient!