Es war ein strahlend schöner Sonntag im Sommer. Etwas zu heiß, aber in unserer Wache ließ es sich aushalten. Unser KTW hatte einige Einsätze, aber RTW und NEF hatten sich noch nicht bewegt. Da es auf den Mittag zuging fingen wir an das Mittagessen zu besprechen. Auf einer Wache gibt es da mehrere Alternativen. Zum Beispiel selber machen oder Grillen, ach ne, heute kein Bock. Also Essen gehen, nur wohin? Krankenhaus oder Kneipe? Kurzer Anruf im Krankenhaus, eher nicht. Also Kneipe suchen, nur welche? Fragen über Fragen, Im Rettungsdienst gibt es immer etwas zu Entscheiden. Ich hab eigentlich Lust auf Alles, aber es sollten Pommes dabei sein. Mein Doc hat eher Lust auf Pizza. Man könnte sich nun auf die Pizzeria am Marktplatz einigen, die machen auch gute Steaks und Schnitzel. Obwohl Pizza, ach ne, eher heute Abend, als Abendessen. Oder doch einen Grillteller? Unsere Überlegungen werden durch das Piepen unserer Funkalarmempfänger unterbrochen: Notfalleinsatz RTW, NEF, es geht nach B-Dorf, Festplatz, akute Atemnot. Anforderung von ....../92. Das wars fürs erste mit dem Mittagessen. Die letzten Stufen der Treppe springe ich, Tür auf, rein ins NEF. Anschnallen, Motor an, im Anfahren Licht und Blaulicht an. Mein Doc meldet unterdessen unserer Leitstelle das Ausrücken (auch das gibts, Ärzte die Funken können). Kurz hinter dem Krankenhaus wirds laut, ich mache die Pressis an. Die Anfahrt ist mir bekannt, der Doc muß nicht im Plan nachsehen. Also philosophieren wir weiter über das Essen. Der Funk unterbricht uns. In B-Dorf ist ein Sängerfest. Dort hat ein KTW einer anderen Organisation die Betreuung übernommen. Er fragt nun an, wann wir eintreffen werden. Seiner Rückmeldung zur Folge habe die Patientin eine schwere Atemnot und sei Hyperton. "Eintreffen in ca 5 Minuten" beruhigt die Kollegen. Mit dem NEF konnte ich einen guten Vorsprung vor dem RTW herausfahren. Dies klappt aber nur über Land, in der Stadt ist man durch die Verkehrslage in der Regel gleichschnell. Vor uns der Festplatz. Ich kann den KTW erkennen und halte auf ihn zu. Oh schiet, er steht in der prallen Sonne. und neben ihm die Patientin. Zum Doc sage ich noch "ganz cool bleiben, nicht laut werden". Eigentlich war das überflüssig, ich kenne die zwei vom KTW und denke nur "ihr De.... . Was war? Die Patientin lag in der prallen Sonne ungeschützt in der Schocklage. Diese revidierten wir sofort. Der RR war 240/150. Von weitem hörten wir unseren RTW. Bevor wir mit der Behandlung anfingen sorgten wir ersteinmal für eine ruhigere Atmosphäre. Nachdem wir die Lage korrigiert hatten hatte die Dame auch keine Atemnot mehr. Sie war leicht adipös und die Baucheingeweide drückten während der Schocklage auf das Zwerchfell. Die Frau berichtete wegen Hypertonie in Behandlung zu sein. Im RTW schrieben wir ein 12-Kanal EKG welches unauffällig war. des weiteren bekam sie cold packs in Nacken und Leiste sowie eine Oberkörperhochlagerung. Der RR war mittlerweile 170/100, also bei einem Hypertoniker zu tolerieren. Ein massives oder zu schnelles Absinken des Blutdrucks bei Hypertoniker ist gefährlich. Die Patientin war mittlerweile stabil und unser RTW konnte sie ins Krankenhaus fahren. Da keine vitale Bedrohung mehr bestand ohne Notarztbegleitung. Nun sprachen wir mit der KTW Besatzung. Dabei gingen meine guten Vorsätze flöten, denn sie fragten mich allen Ernstes, warum denn unser RTW dabei gewesen wäre. Sie hätten die Patientin doch auch transportieren können. Nun lag es an meinem Doc mich zu beruhigen. Die Diskussion wurde von Mitgliedern des Gesangsvereins unterbrochen die sich für unseren Einsatz bedankten. Sie fragten uns ob wir vielleicht etwas Essen wollten. Und dem Angebot von gerade zubebereiteten Spießbratenbrötchen konnten wir nicht widerstehen.