Autor Thema: Thromboseprophylaxe: Wie wichtig sind Kompressionsstrümpfe?  (Gelesen 10099 mal)

Offline Thomas Beßen

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"Die adäquate Thromboseprophylaxe liegt in der Verantwortung eines jeden Spitals. Ob rein medikamentös oder kombiniert mit Kompressionsstrümpfen, darüber diskutieren auch Experten immer noch und sind sich nicht einig. An einem Treffen in München war der Konsens jedoch klar: Es gäbe keinen Grund, die Strümpfe zur Prophylaxe wegzulassen, aber viele Gründe sie zu nutzen.

Um Thrombosen oder Thromboembolien im Spital zu verhindern, werden medikamentöse Blutverdünner vorbeugend eingesetzt. Häufig wird zusätzlich das Tragen von Venenkompressions-Strümpfen empfohlen.
 
Die Befürworter der Strümpfe bestätigen den positiven Effekt der Venenkompression unabhängig von der medikamentösen Therapie. Kritiker hingegen finden keine hinreichenden wissenschaftlichen Belege für die Wirksamkeit der Kompressionsstrümpfe.
Zu diesen beiden Polen nahmen Fachexperten an einem Treffen im Februar in München Stellung und diskutierten die Frage, ob im Zeitalter der modernen Blutverdünner Kompressionsstrümpfe tatsächlich noch notwendig seien.
 
Aktuelle Leitlinien zur Prophylaxe der venösen Thromboembolie empfehlen das Tragen von Kompressionsstrümpfe ausdrücklich nach Operationen mit einem erhöhten Thromboembolie-Risiko sowie bei Patienten, bei denen keine medikamentösen Blutverdünner eingesetzt werden dürfen. In allen anderen Situationen heisst es: Die Kompressionsstrümpfe „können“ zusätzlich eingesetzt werden, „müssen“ aber nicht. Diese Empfehlung gäbe selbst Ärzten zu viel Ermessensspielraum, so die Experten. Es dürfe nicht sein, dass die medizinische Notwendigkeit gegen den ökonomischen Druck ausgespielt werde – dies könne fatale Folgen für die Patienten haben.
 
Beim Treffen in München einigten sich die Experten darauf, biomechanische Tests von Kompressionsstrümpfen zu veranlassen. Dies könne vom „Glauben“ an eine Wirkung der Strümpfe zum „Wissen“ führen, war die Konsensmeinung. Ausserdem verlangten sie die Durchführung von klinischen Studien für eine Verbesserung der Datenlage.
 
Es gäbe immer noch viele Gründe, die für die Kombinationstherapie „Strümpfe plus Medikamente“ sprechen. Jedenfalls gäbe es keinen Grund, die Strümpfe wegzulassen."


Quelle: http://www.mediscope.ch

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Thomas Beßen

Wer heute krank ist, muss kerngesund sein.

Offline IKARUS

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Re: Thromboseprophylaxe: Wie wichtig sind Kompressionsstrümpfe?
« Antwort #1 am: 30. April 2012, 08:54:57 »
Es ist wieder das sprachliche Disaster, das ich kritisieren muss.
1. die Formulierung  "Blutverdünner" ist nicht nur falsch, sondern entspricht einem Laienniveau
2. die Benutzung des Begriffes "Kompressionsstrumpf" ist falsch gewählt. Es gibt nämlich einen gravierenden Unterschied zwischen einem Thromboseprophylaxestrumpf  [MTS = Medizinischer Thromboseprophylaxestrumpf, ATS = Antithrombosestrumpf] und einem Kompressionsstrumpf (MKS = Medizinischer Kompressionsstrumpf).
Der Thromboseprophylaxestrumpf ist Konfektionsware und wird industriell nach allgemeinen Maßen angefertigt.
Er muss noch mehr Anforderungen erfüllen!
Der Kompressionsstrumpf ist individuell angefertigte Ware. Der Strumpf nicht das Gewebe!!
Der Kompressionsstrumpf wird in Kompressionsklassen eingeteilt. Hier gibt es einschlägige Quellen (z.B. Deutsche Geschellschaft für Phleboligie)!

Zum Thema Blutverdünnung: das ist die Formulierung meiner Oma = Alltagsformulierung
Wenn ich etwas verdünne, dann muss ich einen Verdünner einbringen. Das tun wir (die Mediziner!!) aber nicht.
Was die Medikamente tun ist, dass sie die Blutgerinnung beeinflussen.
Das kann je nach Präparat an den unterschiedlichen Stellen der Blutgerinnung geschehen.
Wir unterscheiden ja zwischen der "inneren" und der "äußeren" Blutgerinnung.
Das soll bedeuten, dass unterschiedliche Blutgerinnungsfaktoren aktiviert werden.

Weil das Blut wie Wasser fließen kann, hat der Laie die Formulierung "Blutverdünnung" gewählt.
Es dürfte [nun] klar sein, dass es keine Verdünnung ist, sondern das es sich um eine Verhinderung einer Zusammenballung von Blutbestandteilen handelt.

Es ist für mich immer wieder erstaunlich, wie diese Sprachverwirrungen auch in Fachkreisen weitergetragen werden, obwohl es unsere Fachsprache erlaubt uns exakt verständlich zu machen.

Zum Studium des sehr interessanten Fachgebietes "Thromboseprophylaxe" hänge ich etwas Material bei, um weitere Diskussionen zu ermöglichen.

Grüße, IKARUS