Autor Thema: Pflege anderer Kulturen  (Gelesen 25275 mal)

lauxteacher

  • Gast
Pflege anderer Kulturen
« am: 14. Dezember 2011, 08:48:18 »
Hallo Usher,
immer wieder gibt es Probleme in der Praxis mit anderen Kulturen, deshalb hier ein paar prakr. Tips:
Körperpflege unter Berücksichtigung kultureller Besonderheiten -> Islam
Die Pflegemaßnahmen sind immer von gleichgeschlechtlichen Pflegekräften durchzuführen.

Grundpflege und Körperpflege
Die Grundpflege am Waschbecken muss immer unter fließenden Wasser erfolgen.
Duschen ist nach dem üblichen Pflegestandard durchzuführen.
Reinigungsbäder ( z. B. Vollbad ) werden grundsätzlich abgelehnt. Bei ärztlich angeordnete medizinische Bädern sollte dem Patienten die Möglichkeit gegeben werden, sich vorher und nachher zu duschen.
Intimpflege
Die Intimpflege ist mit der linken Hand zu vollziehen. Auch hier ist fließendes Wasser zu verwenden. Die Intimpflege ist, soweit der Patient diese nicht selbst durchführen kann, ggf. unter Hilfenahme eines Kruges und Steckbeckens, zu verrichten.
Ausscheidungen
Hierbei muss besonders die Wahrung der Intimsphäre beachtet werden! Muslime Patienten sind es gewöhnt, im Bad ein Gefäß mit Wasser vor zu finden. Dieses dient zur Waschung des Intimbereiches nach dem Toilettengang, ebenso wird eine Waschung nach dem Stuhlgang vollzogen. Diese ist wieder nur mit der linken Hand durchzuführen. Sollte eine Inkontinenz vorliegen so ist ein häufiges Waschen, Umziehen und evtl. Wechseln der Bettwäsche nötig. Nur so ist der Patient würdig seine religiösen Pflichte zu erfüllen).

Essen und Trinken
Vor und nach dem Essen sind die Hände zu waschen.
Mahlzeiten mit Schweinefleisch sind verboten und gelten als unrein. Alkoholische Getränke sind ebenfalls verboten, auch bei der Zubereitung von Speisen z.B. von Kuchen, Soßen, Dessert).
Moslems trinken am liebsten süßen schwarzen Tee oder Mineralwasser.

Ramadan
Vor den täglichen 5 Gebeten muss der Gläubige sich dem Ritual der religiösen Waschung unterziehen.
Die Waschung erfolgt unter fließendem Wasser und beinhaltet folgendes: das Gesicht, die Stirn und hinter den Ohren werden dreimal nach einander gewaschen. Die und die Arme werden dreimal nach einander gewaschen. Die Füße werden bis zum Knöchel dreimal gewaschen.
Zum Gebet benötigt der Gläubige einen ruhigen Ort und einen Gebetsteppich oder eine andere saubere Textile.

Sterben
Ein Sterbender darf niemals allein gelassen werden. Gegenüber dem Sterbenden darf nicht von heran nahenden Tod gesprochen werden. Sollten Angehörige oder ein anderer Moslem nicht erreichbar sein um ihn mit Gebeten zu begleiten, so sollte man sich an das Islamische Zentrum wenden. Ein frommer Moslem möchte sich im Angesicht des Todes der rituellen Waschung unterziehen.
Ein Moslem darf nicht durstig sterben, deshalb ist dem Sterbenden immer Flüssigkeit anzubieten (Mund, Lippen und Schleimhäute befeuchten).
Sehr wichtig ist den Sterbenden peinlichst sauber zu halten, besonders was die Ausscheidungen betrifft. Hierbei ist von Inkontinenzmitteln wie zum Beispiel Windeln abzusehen.
Unmittelbar nach Eintritt des Todes ist der Verstorbene mit dem Gesicht nach Mekka zu drehen, also nach Südosten.
Die Augen werden langsam geschlossen.
Die weitere rituelle Versorgung des Verstorbenen obliegt allein den Angehörigen oder anderen Muslimen


Körperpflege unter Berücksichtigung kultureller Besonderheiten -> Judentum
Die folgenden religiösen Vorschriften sind vor allem für streng orthodoxe Gläubige verbindlich. Es gibt viele praktizierende Juden, die die Regeln nicht wortwörtlich umsetzen oder nur zum Teil. Für Pflegende ist es sicher von Vorteil, die Vorschriften zu kennen, aber im Einzelfall ist eine Absprache über die Anwendung unumgänglich. Auch geht die Erhaltung der Gesundheit selbst bei Strenggläubigen vor. Angehörige oder die jeweilige Jüdische Gemeinde sind da gerne behilflich.
Bestimmte Tiere (z.B. Schwein) nicht zum Essen anbieten, erlaubt ist das Fleisch von Wiederkäuern mit gespaltenen Hufen (z.B. Rind) sowie manches Geflügel oder Fisch. Das jeweilige Tier muss aber auf eine bestimmte Art geschlachtet worden sein.
Fleisch und Fisch dürfen nicht zusammen gegessen werden.
Wein und Getränke aus Trauben sind verboten, wenn sie nicht koscher (hebräisch für rein, einwandfrei) gekeltert bzw. zubereitet wurden.
Bitte nicht Milch(produkte) und Fleisch gemeinsam auf den Tisch stellen.

Dem gläubigen Juden sind tägliche Gebete vorgeschrieben. Der Sabbat ( Freitag- bis Samstagabend ) ist heilig, jegliche Arbeit (auch Zubereitung von Speisen) sowie die Verwendung bestimmter Energien ist verboten, weshalb ein streng gläubiger Jude unter Umständen die Notrufglocke im Krankenhaus oder Altenheim nicht verwendet und gehäuft spontan nach ihm geschaut werden sollte.
Frauen :
dürfen nicht von Männern gewaschen werden
dürfen nie ohne Kleidung liegen oder stehen
benötigen immer eine Kopfbedeckung, ersatzweise eine Perücke
müssen nach der Geburt und nach der Menstruation ein rituelles (Tauch-) Bad durchführen, die Mikwe (das entsprechende Wasserbecken ist häufig einer Synagoge angeschlossen).
Männer :
dürfen von beiden Geschlechtern gewaschen werden
dürfen nie ohne Kleidung liegen oder stehen
tragen immer eine Kopfbedeckung (Kippa), auch nachts oder bei dauerhafter Bettlägerigkeit
Rasieren sich nie nass, sondern nur trocken
Bettlägerigen muss öfter das Händewaschen angeboten werden, mindestens vor jeder Mahlzeit und nach dem Aufstehen, da es eine rituelle Bedeutung hat. Während des Sabbats darf aktiv keine Körperpflege durchgeführt werden; Ausnahme: grobe Verschmutzung. Kranke dürfen zum Wohle ihrer Gesundheit von anderen gewaschen werden
Abendgebet berücksichtigen
Duftlampen mit entspr. Düften anbieten
Zimmer nach Wünschen und Bedürfnissen des jüdischen Bewohners gestalten (z.B. unbedingt Kreuz entfernen).
Religion ist für viele Menschen das Fundament ihrer Lebensgestaltung.
Für Schwerkranke und Sterbende gewinnt häufig der Wunsch, Frieden mit seinem Schöpfer oder einer spirituellen Macht zu schließen, an Bedeutung. Manchmal ist das Bedürfnis sich mit Gott und den Menschen auszusöhnen, stärker als die Sorge vor Siechtum, Schmerz und Unannehmlichkeiten. Der Wunsch, eine religiöse Handlung zu vollziehen, ist wichtiger als gewaschen zu werden oder Medikamente einzunehmen.

Quelle: Schülerreferate Vitos Schule Hadamar.
Hoffe, ich konnte euch etwas mehr Durchblick verschaffen
Schönen Tag lauxteacher