Autor Thema: Noch mal gutgegangen  (Gelesen 3821 mal)

Offline dino

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Noch mal gutgegangen
« am: 07. September 2009, 14:15:06 »
Stellt Euch vor, Ihr seid bei einem ambulanten Pflegedienst, wollt Insulin spritzen oder einen VW durchführen, und Euch begrüßt ne Klapperschlange
SKURILER EINSATZ IN GRAZ
 







Brandeinsatz in Schlangengrube

Am 5. Juli 2000 um 17.00 Uhr wurde die Berufsfeuerwehr Graz über Notruf 122 zu einem Zimmerbrand in die Straßgangerstraße 182 gerufen. Zu diesem Zeitpunkt dachte noch niemand daran, dass dies einer der außergewöhnlichsten Einsätze der letzten Jahre werden würde. Laut Ausrückeordnung wurden das HLF der Wache Eggenberg und von der Zentralfeuerwache ein KDO, zwei HLF und eine DLK 30 alarmiert.

BOK Ing. Heimo Krajnz, BF Graz

Aufgrund der geographischen Lage des Brandobjektes war das HLF der Wache Eggenberg sechs Minuten nach Alarmierung am Einsatzort.
Die Kollegen der Wache Eggenberg fanden folgende Lage vor:
* Zimmerbrand im 3. OG eines 10-stöckigen Hochhauses
* Starke Verrauchung des Stiegenhauses
* Einige um Hilfe rufende Personen

Zum Schutz der Bewohner wurde sofort ein Hochdruck-Rohr vorgenommen und das Stiegenhaus nach etwaigen Verunfallten durchsucht. Fünf Minuten später kamen die Kräfte der Zentralwache zur Einsatzstelle. Schon bei der Anfahrt sah man die starke Rauchentwicklung, sodass sich der diensthabende Offizier entschied sofort zwei weitere Atemschutztrupps ausrüsten zu lassen.

VON RIESENSCHLANGEN BEGRÜSST
Beim Vorgehen zum Brandherd wurde der Löschtrupp von drei Riesenschlangen (vier Meter lange Pythons) begrüßt, die sich im Bereich des Vorraumes vom Brandherd in Sicherheit gebracht hatten.
Der Besitzer der Schlangen ist dem Einsatzleiter als Schlangenaussteller bekannt und wurde deshalb mehrmals auf das Vorhandensein giftiger Tiere befragt. Immer wieder kam die Antwort: „Es gibt in dieser Wohnung keine giftigen Reptilien“. Daraufhin entschied sich der Einsatzleiter der BF, den Brand mittels Innenangriff zu löschen.

KLAPPERSCHLANGE
Der Brand war innerhalb weniger Minuten gelöscht und nachdem das Stiegenhaus und die Wohnung mit Hochleistungslüftern rauchfrei geblasen waren, begab sich der Einsatzleiter gemeinsam mit dem Schlangenzüchter in die Wohnung, um die Brandursache zu untersuchen.
Beim Begutachten der Brandstelle sah der Einsatzleiter plötzlich eine Klapperschlange, worauf er sofort die Wohnung verließ und den Besitzer über das Vorhandensein von Giftschlangen konfrontierte.
Daraufhin gab dieser zu, dass sich sehr wohl giftige Reptilien in seiner Wohnung befinden. Aufgrund der Gefährlichkeit der vermuteten und später bestätigten vorhandenen Giftschlangen entschied, sich der Einsatzleiter, einen Krisenstab einzurichten und die Wohnung zu sichern.

ZUSAMMENSETZUNG DES KRISENSTABES
* Einsatzdirektor der BF Graz BOK Ing. Heimo Krajnz
* Dienstoffizier der BF Graz BR Johann Kirnich
* Diensthabender Jurist der Stadt Graz (Mag. Wunderl)
* Diensthabender Veterinär der Stadt Graz
* Schlangenexperte lt. Alarmkartei der BF Graz (Hr. Hubmann plus Team)
* Exekutive
* Leitender Notarzt
* ÖRK

GETROFFENE MASSNAHMEN:
* Beschaffung der notwendigen Antiseren (LKH Graz, LKH Klagenfurt, Reptilienzoo Hubmann)
* Suche, Bergung und Verwahrung der Reptilien und Spinnen (Hr. Hubmann plus Team)
* Sicherungsarbeiten im Bereich des Stiegenhauses und der geborstenen Fensterscheiben (BF Graz mit CO2-Löschern, Hinweis: Schlangen sind wechselwarme Tiere und somit gegen Kälte sehr empfindlich „Kältestarre“)
* Information der Hausbewohner über erhöhte Vorsicht
* Kontrolle der Wohnung im Bereich der Installationsöffnungen bzw. des Kanalsystems (Pläne wurden über die Hausverwaltung angefordert.)

Nach der ersten Bergungsaktion, etwa nach einer Stunde, wurde durch die Schlangenexperten Entwarnung gegeben. Es sollten sich keine weiteren Schlangen mehr in der Wohnung befinden. (Anmerkung : Es gab keine Inventarliste über die vorhandenen Reptilien.)
Daraufhin wurde die Wohnung nochmals vom Krisenstab begangen, um alle Möglichkeiten auszuschließen, ob nicht doch noch irgendwo eine Schlange über eine Öffnung entkommen war.
Beim Durchsuchen der Installationsöffnungen im Bereich einer Badewanne entdeckte der Einsatzleiter der BF eine hochgiftige Lanzenotter, woraufhin der Krisenstab die Wohnung fluchtartig verließ.
Da nun davon auszugehen war, dass sich weitere zum Teil äußerst gefährliche Giftschlangen in der Wohnung befanden bzw. an eine ordnungsgemäße Verwahrung der Schlangen durch den Wohnungsbesitzer in der Wohnung nicht zu denken war, anderseits weiterhin zu befürchten war, dass Giftschlangen aus der Wohnung heraus durch das Stiegenhaus entkommen könnten, bestand unmittelbare Gefahr für die Gesundheit und das Leben der Hausbewohner und der Einsatzkräfte.
In Folge wurde die systematische, völlige Durchsuchung und Räumung der Wohnung und Bergung sämtlicher Schlangen angeordnet.
Aufgrund einer Vielzahl von beweglichen Mobiliaren (Kisten, Schachteln, Zeitungen, Bücher, Regale und anderes Inventar) konnten diese Arbeiten erst am nächsten Tag um 13.00 Uhr abgeschlossen werden.

SCHLANGENGRUBE
Bei der Bergungsaktion wurden insgesamt geborgen bzw. in Sicherheit gebracht:
* 16 Giftschlangen (grüne Mamba, schwarze Mamba, verschiedene Kobraarten, Speikobra, Lanzenotter, Klapperschlangen, Gabunviper u. dgl.): 3 tot, 13 lebendig
* 69 ungiftige Schlangen: 45 lebend, 24 tot
* ein Leguan lebend
* drei Spinnen: eine tot, zwei lebend
* ein Schnurfüßler
* ein 12 cm langer Skorpion

Die überlebenden Schlangen wurden einstweilen in einem Reptilienzoo artgerecht untergebracht.

ERKENNTNISSE
* Offiziell gibt es im Großraum Graz 200 bekannte Giftschlangenbesitzer bzw. Züchter (Anmerkung: Die Dunkelziffer ist um ein Vielfaches höher)
* Beim Erkunden in unbekannten Bereichen sollte man auf etwaige Spuren achtgeben: Terrarien, Wärmelampen, Befragen der Nachbarn und des Wohnungsbesitzers u. dgl. m.)
* Es gibt keine gesetzlichen Bestimmungen über das Aufbewahren von Giftschlangen in Wohnungen. (Im Grunde kann jeder hundert Schlangen bei sich aufbewahren.)
* Schon vor einigen Jahren ist dem gleichen Schlangenbesitzer eine Schlange entkommen (grüne Mamba in Bad Aussee)
* Unbedingt notwendig ist bei Vorhandensein von giftigen Reptilien, die Alarmierung eines Schlangenexperten bzw. Tierarztes durchzuführen.
* Zum Glück wurde keine der eingesetzten Personen von einer Giftschlange gebissen.




« Letzte Änderung: 07. September 2009, 21:14:53 von dino »