Autor Thema: Geschichte der Notfallmedizin  (Gelesen 6310 mal)

Offline dino

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Geschichte der Notfallmedizin
« am: 08. November 2025, 16:40:36 »
Ein Notfall passiert, jemand greift zum Handy und wählt die 112, und in den meisten Fällen hört man in ca10 Minuten die tönenden Martinhörner der nahenden Rettungsfahrzeuge. Sehr gut ausgebildete Notfallsanitäter/innen versorgen den Notfallpatienten. Je nach Schweregrad wird ein Notarzt mit- oder Nachalarmiert. Nach der ersten Rückmeldung über Funk an die Leitstelle wird diese mit Rechner Unterstützung die nächste geeignete Klinik heraussuchen und dem Rettungsteam mitteilen. Zum Teil können auch biologische Daten, wie z. B. EKG, mit Hilfe der Telemetrie an den diensthabenden Kardiologen der aufnehmenden Klinik übermittelt werden. Dieser kann dann schon weitere sofortige Medikamente anordnen. Doch der Weg dahin war steinig und Dornig. Nicht immer haben Alle an einem Strang gezogen. Dominieren heute (medizinische Notfälle überwogen schon immer, aber Unfälle wurden schön immer besonders wahrgenommen, das sie in der Öffentlichkeit passieren) medizinische Notfälle, so waren es früher primär Vekehrsunfälle. Bezeichnungen wie Unfallwagen (gemeint sind Fahrzeuge für die Notfallrettung, nicht vergleichbar mit heutigen RTW. In der Regel ein VW Bus mit Blaulicht. Ausstattung 1 Verbandkasten, evtl 1 kleine O² Flasche. Krankenwagen dagegen hatten teils noch kein Blaulicht), Unfallarzt, Unfallstation.Hier mal ein Blick auf die Statistik.

 - 1912 starben in Deutschland 442 Menschen bei Verkehrsunfällen
 - 1938 starben in Deutschland 7354 Menschen bei Verkehrsunfällen
 - 1950 starben in Deutschland 7408 Menschen bei Verkehrsunfällen
 - 1960 starben in Deutschland 16477 Menschen bei Verkehrsunfällen
 - 1970 starben in Deutschland 21322 Menschen bei Verkehrsunfällen
 - 1980 starben in Deutschland 15719 Menschen bei Verkehrsunfällen
 - 1990 starben in Deutschland 11526 Menschen bei Verkehrsunfällen
 - 2000 starben in Deutschland 7588 Menschen bei Verkehrsunfällen
 - 2010 starben in Deutschland 3812 Menschen bei Verkehrsunfällen
 - 2020 starben in Deutschland 2719 Menschen bei Verkehrsunfällen
 - 2024 starben in Deutschland 2780 Menschen bei Verkehrsunfällen.

Wir können sehen, wie sich die Anzahl der Unfalltoten verringert. War es die Medizin? Nein es war eine Vielzahl von Maßnahmen. Doch hier ersteinmal ein tragischer Fall.
Wir schreiben das Jahr 1969. Der -jährige BJörn Steiger spielt vor seinem Elternhaus, als er von einem PKW erfasst wird. Man versucht nun, einen Krankenwagen zu erreichen. Im Deutschland des Jahres 1969 kein leichtes Verlangen. Von Kreis zu Kreis, Stadt zu Stadt wechseln die Telefonnummern und Zuständigkeiten. Es gibt weder eine Notrufnummer, noch 24Std besetzte integrierte Leitstellen. Der kleine Junge hatte keine lebensbedrohliche Verletzungen. Nach mehrfachen Versuchen hatte man nun eine Rot Kreuzdienststelle erreicht. 1 Stunde nach dem Unfall erschien ein Krankenwagen. Der kleine Björn starb auf dem Weg in ein Krankenhaus am Schock, nicht an den Verletzungen. Der Schmerz bei den Eltern unermeßlich groß, aber sie sagten sich, dies darf sich nicht wiederholen. Sie kämpften wie Löwen für eine Verbesserung bzw erseinmal eine installierung eines Rettungsdienstes.
 - Sie kämpften für das Aufstellen von Notrufsäulen an der Autobahn,
 -  sie sammelten Spenden für RTW, und spendeten jedem Bundesland 1 RTW
 - sie standen Pate zur Gründung der DRF, der Deutschen Rettungsflugwacht
 - sie sammelten für Baby NAW.
Das Ehepaar Steiger gehört mit zu den Initiatoren unseres heutigen Rettungsdienstes. Bis Anfang der 70er Jahre waren viele Krankenwagen, vor Allem auf dem Lande, mit nur 1 Mann besetzt. Heute sprechen wir von der Spiegelrettung damals. Das rührt daher, das der Fahrer den Rückspiegel so stellte, das er den Patienten beobachten konnte. Zu dieser Zeitz wurde auch der Zivildienst, sdozialer Dienst statt Bundeswehr, populär. Viele ZDL, Zivildienstleistende verstärkten so die Besatzungen. Gleichzeitig wurden die Ausbildungszeiten angehoben. Es war klar, das das Ehepaar Steiger nicht ganz Deutschland alleine mit Rettungshubschrauber ausrüsten konnte. Die Bundeswehr stationierte an 3 Bundeswehrkliniken einen eigenen Rettungshubschrauber, sowie eigene Notarztwagen. Das Innenministerium beteiligte sich auch. Aaaber, es bedarf eines juristischen Kniff. Rettungsdienst ist Ländersache. Diese waren aber nicht in der Lage, eigene RTH anzuschaffen und die Logistig bereit zu halten. Aber Hans Dietrich Genscher, damals unser Innenminister, stellte BO105 vom Bundesgrenzschutz bereit. Sie erhielten eine orange Lackierung und das medizinische Equipment. Of f iziell dienten sie der Erkundung und Bevölkerungsleitung im V-Fall. Sonst wurden sie den Ländern für den Rettungsdienst überlassen. Eine geniale Idee. Gleichzeitig kam die Gurtpflicht als Gesetz. Die Fahrzeuge an sich wurden ebenfalls sicherer durch Knautschzone, Airbag etc. Auch
das Senken der Promillegrenze tat ein übriges. In den Kliniken hielten die ersten CTs Einzug. Wir erkennen, das Senken der hohen Anzah letaler Unfälle beruht auf mehrere Maßnahmen.

Hier noch ein kleiner Film aus den Anfängen https://www.ardmediathek.de/video/hr-retro-oder-hessenschau/modernes-rettungswesen-clinomobil/hr/Y3JpZDovL2hyLW9ubGluZS8xNzI5Mzc

Viele Grüße
dino


 



Offline dino

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Re: Geschichte der Notfallmedizin
« Antwort #1 am: 18. Dezember 2025, 17:20:53 »
Hier geht es weiter mit der Geschichte der Notfallmedizin und der Reanimation. Gibt es Hinweise von Notfallmedizin in der Vorzeit? Ja, es gibt derer mehrere. Nicht in der Form von Notfallprotokollen, sondern als Gleichnisse, oder als Fragmenten gefundener Gegenstände. Als erstes haben wir das Buch der Bücher, unsere Bibel. Man darf die geschilderten Erlebnisse nicht 1/1 übernehmen. Man muss sie bildlich ansehen.

Wir beginnen mit dem  Gleichnis vom barmherzigen Samariter (nach Lk 10,25–37)
Auszug: Einmal wanderte ein Mann von Jerusalem nach Jericho hinab. Die Bergstraße führte über einsame und gefährliche Gebirgspfade und durch Schluchten hindurch. Auf seinem Weg wurde der Mann plötzlich von Räubern überfallen, die ihn niederschlugen und verprügelten. Sie stahlen ihm sein Geld, nahmen ihm die Kleider ab und ließen ihn halbtot und blutend liegen. Schwer verletzt lag der Mann am Straßenrand und wartete auf Hilfe. Zufällig näherte sich ein Priester, der im Tempel in Jerusalem seinen Dienst verrichtet hatte. Wird der Priester dem Überfallenen helfen, was meinst du? Der Priester sah den Verletzten und ging schnell weiter, ohne sich um ihn zu kümmern. Wenig später kam ein Levit, der Gehilfe eines Priesters, an die Stelle, doch auch er ging einfach vorbei. Es war schon fast Abend, als ein Mann aus Samarien, ein sogenannter Samariter, des Weges kam. Dazu musst du wissen, dass sich damals Samariter und Juden nicht verstanden und daher aus dem Weg gingen. Sie hielten sich gegenseitig für schlechte Menschen und sagten voneinander: „Die haben den falschen Glauben, Gott mag sie nicht!“ Auch er sah den Verletzten am Wegesrand liegen. Wird der Samariter dem Verletzten zu Hilfe eilen? Was meinst du? Der Samariter aber hatte Mitleid mit dem Verletzten, der hilflos am Straßenrand lag und er stieg von seinem Esel ab. Zunächst säuberte er die blutenden Wunden des Mannes mit Wein, linderte die Schmerzen mit Öl und verband die Wunden. Dann setzte er ihn vorsichtig auf seinen Esel, ging den steinigen Weg nach Jericho weiter hinab und brachte den Mann in eine Herberge. Dort kümmerte er sich auch um ihn.
Übersetzt in unsere Zeit wäre dies der klassische Einsatz unter der Depesche: Notfalleinsatz RTW, Hilo (Hilflose Person, kann vom C,2 Intox bis zur Reanimation Alles sein. Die Anfahrt zu dieser Einsatzart erfolgt mit Sondersignal. Die Geschichte aus der Bibel zeigt uns auch, das Herkunft und Stellung von Patient und Helfer egal ist. Im Mittelpunkt steht die Versorgung des Patienten.

Es folgt ein Gleichnis aus dem Buch Könige:
2 Könige 4:34
Und er stieg hinauf
zu dem Bett, das im Gemach auf einer Anhöhe stand ( siehe Gill zu 2 Könige 1,4 ), und legte sich auf das Kind, wie Elia es mit dem Sohn der Witwe von Sarepta getan hatte ( 1 Könige 17,21 ).
und legte seinen Mund auf seinen Mund, seine Augen auf seine Augen und seine
Hände auf seine Hände und streckte sich über das Kind aus ;
das heißt, er tat dies alles nacheinander, da die Missverhältnis ihrer Körper es nicht zuließ, dass sie gleichzeitig vollzogen wurden:
Und das Fleisch des Kindes wurde warm ;
nicht etwa durch irgendeine Kraft, die ihm durch diese Bewegungen und Handlungen des Propheten verliehen wurde, sondern dadurch, dass der Herr ihm Leben einflößte, was in den verschiedenen Teilen des Körpers eine Hitze hervorrief.
In die heutige Zeit übersetzt lag ein Herz Kreislaufstillstand bei einem Kind vor. Es folgte die erfolgreiche Reanimation. Übrigens war bis zum Mittelalter auch die Atemspende Neugeborener durch Hebammen bekannt. Jedoch brachte sie eine erfolgreiche Reanimation in die Nähe der Hexerei und deren Folgen. Deshalb geriet die Atemspende in Vergessenheit.

Matthäus - Kapitel 26 Auszug:
 Als es Abend wurde, kam Jesus mit den Zwölf. 18 Während sie nun bei Tisch waren und aßen, sagte er: Amen, ich sage euch: Einer von euch wird mich verraten und ausliefern, einer von denen, die zusammen mit mir essen. 19 Da wurden sie traurig und einer nach dem andern fragte ihn: Doch nicht etwa ich? 20 Er sagte zu ihnen: Einer von euch Zwölf, der mit mir aus derselben Schüssel isst. 21 Der Menschensohn muss zwar seinen Weg gehen, wie die Schrift über ihn sagt. Doch weh dem Menschen, durch den der Menschensohn verraten wird. Für ihn wäre es besser, wenn er nie geboren wäre. 22 Während des Mahls nahm er das Brot und sprach den Lobpreis; dann brach er das Brot, reichte es ihnen und sagte: Nehmt, das ist mein Leib.  Dann nahm er den Kelch, sprach das Dankgebet, reichte ihn den Jüngern und sie tranken alle daraus. 24 Und er sagte zu ihnen: Das ist mein Blut, das Blut des Bundes, das für viele vergossen wird. 25 Amen, ich sage euch: Ich werde nicht mehr von der Frucht des Weinstocks trinken bis zu dem Tag, an dem ich von neuem davon trinke im Reich Gottes.
Übersetzt könnte ich folgendes ableiten: Jesus, und somit auch Gott, haben nichts dagegen das Blut Jesu zu trinken, um ihre Seele zu retten. Um heute Menschen zu Retten wird zwar kein Blut getrunken, jedoch kommen Infusionen und Bluttransfusionen zum Einsatz. Unsere Religion verbietet es nicht, im Gegenteil, sie ruft sogar dazu auf.

Quelle: Die Bibel, Prof. Ahnefeld


« Letzte Änderung: 18. Dezember 2025, 17:40:48 von dino »