Autor Thema: 44 Jahre, so alt wird keine Kuh ....  (Gelesen 441 mal)

Offline dino

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44 Jahre, so alt wird keine Kuh ....
« am: 01. April 2022, 09:48:00 »
...., vor 44 Jahren betrat ich unsere Klinik als Schüler. So 100m über dem Teich war meine erste Station. Unsere Themen waren noch nicht so breit gefächert wie heute, dafür wurden sie entsprechend tiefer gelehrt. Das Hobby unseres Schulpflegers muss Anatomie/Physiologie gewesen sein, zumindest war dies mein Eindruck. Täglich "striezte" er uns damit, wofür ich ihm heute noch dankbar bin. Denn alle somatischen Erkrankungen/Traumen fußen darauf, ebenso die Präventivmaßnahmen. Da die Arbeit nur ein Teil des Lebens darstellt, man auch noch ein Privatleben besitzt, also Familie und Hobby, blieb ich nach der Ausbildung in "meiner" Klinik. Ich bekam regelmäßig meinen Bildungsurlaub um Lehrgänge auf unserer Landesfeuerwehrschule zu besuchen. Ebenso hatte ich genügend Zeit um im Rettungsdienst RTW und NEF Dienste zu machen. Dies ist das Lernfeld für schnelle Entscheidungen unter Zeitdruck, wovon ich ebenso heute noch profitiere. Mit den Jahren wird man dann ruhiger, und es macht keinen großen Spaß mehr mit dem Notfallbag den 4. Stock über das Treppenhaus zu erklimmen. Doch das Wichtigste für mich ist: ich habe 3 tolle Kinder, und Alle 3 haben ihren Beruf auch hier gelernt. Und ich habe eine klasse Frau, die Verständnis für meinen Schichtdienst hat, und es mit Gleichmut hinnimmt wenn während des Hintergrunddienstes nachts das Telefon geht. Oder ich später nach Hause komme, oder ein Wochenende mal "dranhänge". Mein Team ist ein "altes, gewachsenes" Team. Das heißt, man freut sich auch auf das Arbeiten. Was wir erreicht haben bzw erreichen, haben wir als Team erreicht. Es wurde uns nicht von irgendwelchen Berufsverbänden überreicht. Für mich ist übrigens jeder in der Klinik ein Kollege, vom Pförtner angefangen. Jeder hat andere Fähigkeiten, die ein Anderer nicht besitzt. Auch dies macht sich in der Zusammenarbeit positiv bemerkbar. Als Beispiel möchte ich hier unseren technischen Bereich nennen. Für den Traumatag bauten unsere Haustechniker die Brandsimulationsanlage 2x auf und stellten für eine realistische Unfalldarstellung ein Fahrzeug zur Verfügung. Herzlichen Dank an dieser Stelle. Und das Alles begann vor 44 Jahren 100 m von hier entfernt :-) :-) :-)

VG
dino

Offline IKARUS

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Re: 44 Jahre, so alt wird keine Kuh ....
« Antwort #1 am: 02. April 2022, 09:02:26 »
Hallo Dino, es ist schön zu lesen, was du in deinem Leben erreicht hast und auf was du zurückblicken kannst.
Du schreibst unter anderem: Was wir erreicht haben bzw erreichen, haben wir als Team erreicht. Es wurde uns nicht von irgendwelchen Berufsverbänden überreicht.

Nun könnte ich denken, dass du was gegen Berufsverbände haben könntest. Ich habe den Eindruck!
Auch in den Berufen, von denen du oft schwärmst, gibt es Berufsverbände.
Vgl.:  https://www.dbrd.de/ Deutscher Berufsverband Rettungsdienst e.V.
         https://www.feuerwehr-hessen.de/ Landesfeuerwehrverband Hessen.

Ein Berufsverband hat nicht die Aufgabe die tagesaktuellen Probleme der Berufsangehörigen zu lösen. Ihm geht es um anderes, das du selten erwähnst oder im Fokus hast. Es sind die Rahmenbedingungen , in denen der Beruf ausgeübt werden muss und das ggf. mit der Hilfe von Gewerkschaft, die eine andere grundsätzliche Aufgabe haben als die Berufsverbände. Dann kommen noch für einzelnen Berufe die Innungen oder Kammern auf die Fläche, um die Rahmenbedingungen zu verbessern.
Diese Verbesserungen erreicht eine einzelne Pflegekraft, eine einzelne Klinik, eine einzelne Stadt niemals. Es ist die Kooperation der Berufsangehörigen von Nöten, Ziele zu erreichen.
Wenn Ihr das für nicht erforderlich haltet, mag das ja so sein. Die Arbeitsbedingungen vieler beruflich Pflegender, vieler Kliniken, vieler Seniorenheime, vieler Ambulanter Pflegedienste ist so, dass Veränderungen herbeigeführt werden müssen. Und das fällt nicht vom Himmel! Das muss mit Augenmaß erstritten werden, denn die "Gesunden" interessieren sich selten für Krankheiten und Gebrechen. Erst wenn sie betroffen sind, soll alles zur Verfügung stehen. So geht das aber nicht!!
Eine Idee, die mittlerweile über 30 Jahre alt ist, gewinnt an Bedeutung. Es wird heute hier in Essen flächendeckend geworben für einen "PFLEGEPOOL" Sogar mit plus 700€ pro Monat. Das ist ja nichts für jeden. Ein hochgeschätzter Kollege von mir war auch von seiner Ausbildung bis zur Rente in "seiner" Klinik. Er wäre niemals in den Pool gegangen. Ein Pflegepool hat für mich den Vorteil, dass das Stammpersonal den Dienstplan bekommt, der erstellt wurde und ich hatte "Sitzwächter" die bei Bedarf eingesprungen sind, wenn es von Nöten war.

Genieße noch deine Zeit im Waldkrankenhaus und freue auf den Ausgleich zwischen Beruf und Arbeit, den du ja besser hinbekommst als so mancher Somatiker.

Noch eine andere Einlassung: Sind wir früher "tiefer" in die Themen eingestiegen?
Aus meiner Sicht (SOMATIK) was nützte es mir, dass große Bauchsieb vortragen zu können, oder, oder.
Es ist das heutige Ziel der Pflegeausbildung, dass die Absolventen PFLEGE denken, gestalten und durchführen können. Da ist das medizinische Fachwissen für mich "PARANURSE-Wissen" So wie für den Mediziner die Mathematik/Statistik eine Wissenschaft ist, auf die er zurückgreifen kann.
Früher hatte es oft geheißen: tu was ich dir sage!
Heute erwarte ich, dass "meine Schüler ihr Tun erklären und begründen können, was sie tun oder bewusst unterlassen. Denn das kann auch richtig sein.


Beste Grüße, Michael

Offline dino

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Re: 44 Jahre, so alt wird keine Kuh ....
« Antwort #2 am: 02. April 2022, 14:07:39 »
Moin Ikarus, Du hast meinen Post absolut mißverstanden und wohl aus Unkenntnis der Strukturen die falschen Schlüsse gezogen. Die deutschen Feuerwehren haben trotz des deutschen Verbandes ihren guten Ruf. Der DFV fiel gerade in den letzten Jahren gerade durch Pöstchenschacherei, teilweise Frauenfeindlichkeit, Vereinsmeierei bis zum Mobben von Führungspersonal auf. Der DFV hat aber nichts mit den Einsatzabteilungen zu tun. Auch die Landesverbände haben nichts mit den Einsatzabteilungen zu tun. Deutsche Feuerwehren sind kommunal gegliedert. Lehrgänge haben ebenso nichts mit den Verbänden zu tun, die Landesfeuerwehrschulen sind Einrichtungen der Innenministerien. Ausbildungen in den Wehren wird von den Gruppen- Zugführern betrieben, auf Kreisebene von den Kreisausbildern. Deren Ausbildungen findet an den Landesfeuerwehrschulen statt. Auch kein Spielfeld der der Verbände. Vor Allem, kein Verband hat das Recht Fortbildungen festzulegen. Und, man kann austreten. Die Ausbildungen, egal auf welcher Ebene, sind praxisnah und kommen ohne schwülstige Wortneuschöpfungen aus. Grob unterteilt kann man sagen, eine Feuerwehr besteht aus dem kommunalen Teil und dem Verein. Der Verein unterstützt die Einsatzabteilung.

So, nun zum dbrd, hier muss man sagen, dass Einzelne früh erkannt haben das es so nicht weitergeht. Dazu müssen wir zurück blicken in die beginnenden 60er Jahre. Durch die Weltkriege ist die präklinische Individualmedizin auf der Strecke geblieben. Vielfach dominierte die Spiegelrettung. Persönlichkeiten wie Achilles, Brunswig, Freiy, Ahnefeld, Gorgaß, Raftopoula, last not least das Ehepaar Steiger bauten nach und nach den Rettungsdienst auf. Nach und nach bauten sich dann auch Berufsverbände auf. Aaaaber, die Zugehörigkeit ist ohne Zwang, die Verbände dürfen keine Zwangsfortbildungen anordnen. Rettungsdienst ist in Deutschland grundsätzlich in den Gesundheits/Sozialministerien verankert. Früher, also noch in den 60er- bis in die 70er hinein, waren die hauptamtlichen Kollegen erst nach Erlernen eines Berufes zu einer Hiorg gewechselt. Es gab noch kein Berufsbild. Die höchste Ausbildungsstufe war der San Kurs, allerdings gab es auch manche Hauptamtlichen mit einem EH Kurs.

Noch eine andere Einlassung: Sind wir früher "tiefer" in die Themen eingestiegen?
Aus meiner Sicht (SOMATIK) was nützte es mir, dass große Bauchsieb vortragen zu können, oder, oder.
Es ist das heutige Ziel der Pflegeausbildung, dass die Absolventen PFLEGE denken, gestalten und durchführen können. Da ist das medizinische Fachwissen für mich "PARANURSE-Wissen" So wie für den Mediziner die Mathematik/Statistik eine Wissenschaft ist, auf die er zurückgreifen kann.
Früher hatte es oft geheißen: tu was ich dir sage!
Heute erwarte ich, dass "meine Schüler ihr Tun erklären und begründen können, was sie tun oder bewusst unterlassen. Denn das kann auch richtig sein.

Häh?? Also, mit tiefer gehend meinte ich nicht die Feinheiten eines Besteckes zu erklären. Ich führte aus, das das Hobby unseres Schulpflegers Anatomie/Physiologie war. Und wir dies sehr eingehend durchnahmen. Dies auch heute noch ein Vorteil darstellt, da letztendlich Alles darauf fußt. Du hast aber in Deinen Ausführungen noch etwas vergessen, etwas elementares. Die Schüler sollen flexibel sich auf Situationen einstellen und Schubladendenken vermeiden.

Der Begriff "Pflegender" sollte vermieden werden bis eine Klärung des Namens vorliegt. Darunter verstehe ich Ausbildungsdauer, Qualifikation etc. Jeder Horst, der am Wochenende sein Auto wienert, darf sich "Pflegender" nennen. Ich stelle mich lieber als männliche Krankenschwester vor, da weiß mein Gegenüber sofort was ich treibe.

VG
dino

Offline IKARUS

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Re: 44 Jahre, so alt wird keine Kuh ....
« Antwort #3 am: 02. April 2022, 19:42:38 »
Es käme mir nicht in den Sinn, mich als männliche Krankenschwester vorzustellen.
Und PFLEGENDER finde ich ja auch nicht so gut Dino. Es ist aber so, dass in der Bevölkerung etabliert ist. Hier könnten noch dicke Bretter zu bohren sein. Aus berufspolitischer Sicht, gebe ich dir gerne Recht. Ich kenne auch keine bessere Formulierung als die Österreicher "Gesundheits- und Krankenpflegekraft" Das besagt ja für mich, dass die GKP´s sich auch wieder der Prävention zugewandt haben. Hierzu kann ich anmerken, dass man hier in Witten an der Uni eine Studiengang anbietet, den zur CHN. És ist ein mehrjähriges Studium.
Danke für die ausführlichen Infos!
Beste Grüße, Michael


Offline dino

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Re: 44 Jahre, so alt wird keine Kuh ....
« Antwort #4 am: 02. April 2022, 20:54:48 »
Echt nicht, ich finde männliche Krankenschwester Genderlike.  :-D :-D :-D. Übrigens, die Berufsverbände im RD sind oft Arzt dominiert, nur mal so :-D :-D :-D

VG und einen schönen Sonntag
dino

Offline norbert1507

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Re: 44 Jahre, so alt wird keine Kuh ....
« Antwort #5 am: 03. April 2022, 13:06:21 »
 :-D :-D :-D
Ein Genuss die Dialoge.
Leider auch mit Hilfe von Google nicht die Namen der beiden Moderatoren bzw. Reporter aus einer Politiksendung gefunden, z.B. Panorama oder Report oder...
die sich gegenseitig am Ende der Sendung so wunderbar aufgezogen haben.
Ich glaube ein Schwabe mit dem Namen so ähnlich wie Häberlein
???