Autor Thema: Operiert und abkassiert - Wenn Ärzte Rendite bringen sollen | TV-Tipp  (Gelesen 664 mal)

Offline Thomas Beßen

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  • - die Menschen stärken, die Sachen klären -
    • http://www.pflegesoft.de
"Immer mehr Ärzt*innen in Deutschland kritisieren die sogenannten "Fallpauschalen", das Bezahlsystem der Krankenhäuser. Offen wie selten sprechen sie im SWR Fernsehen über ein Gesundheitssystem in Schieflage. So sollen immer mehr Patient*innen in immer kürzerer Zeit behandelt werden. Mit aufwändigen Eingriffen, die der Klinik Erlöse bringen. Chefärzt*innen würden gedrängt, die Umsatzzahlen für das Krankenhaus zu erhöhen."

>>> https://www.ardmediathek.de/video/betrifft-operiert-und-abkassiert-wenn-aerzte-rendite-bringen-sollen/swr-fernsehen/Y3JpZDovL3N3ci5kZS9hZXgvbzE0OTQ5NDg/

(Video verfügbar: bis 14.07.2022)

Guten Morgen!
Thomas Beßen
Wer heute krank ist, muss kerngesund sein.

Offline IKARUS

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Warum gehen dann Ärzte, Pflegekräfte und weitere Akteure im Gesundheitswesen nicht ebenso betriebswirtschaftlich vor?
Es hat ja deutlich gezeigt, als die PFLEGE die Personalbemessung mit der PPR angeschoben hat. A1 bis A3§ und S1 bis S3 waren Kategorien in der das  Leistungsspektrum abgebildet werden sollte. Als deutlich wurde was PFLEGE wirklich leistet, wurde das Projekt in Richtung Erdboden gebracht.

Nehmen wir den wirklichen Notfall mal heraus!
Warum zeigen wir nicht minutiös auf, was wir leisten und wieviel Zeit dazu benötigt wird. Warum wehren wir uns nicht gegen diese Minutenzähler.  "Ihr Dienst beginnt um 13.12 und endet um 20.23 Uhr"
Wo sind hier die Pflege-/Ärztemanager die den BWLern die Stirn bieten. Wo sind die Berufsverbände und Kammern, die eine schlagfertige Truppe auf die Beine stellen, die für die Werktätigen ins Feld ziehen. Warum sagen wir nicht deutlich: "Lieber Patient/Kunde, wenn du das haben willst kostet dich das ..."

Aber was machen wir Pflegenden/Heilkünstler?
Wir versprechen das blaue vom Himmel.
Wir versprechen ein optimale Pflege/Behandlung, bei unzureichender Ausstattung.

Wer nicht genügend vorsorgt, muss sich mit weniger zufrieden geben.

Wir (Pfleger, Ärzte, ...) haben einen Erwartungshorizont geweckt, den wir nicht aufrechthalten konnten und können.  Und die Decke wird immer höher, oder die Luft dünner.     Wir können und sollten nicht ALLES kompensieren wollen.

Bereits vor Jahren sagte mir mal eine PDL: "Die Kassen zahlen für für eine sichere Versorgung, nicht für das was sie wollen Herr ... "
Könnte man ja sagen: selber schuld

Grüße aus Essen, Michael Günnewig

Offline dino

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Da hat doch Deine PDL Recht gehabt. Der Rahmen ist immer vorgegeben. Wenn Du bei VW arbeitest wirst Du auch keinen Sitz von ein Rolls verbauen dürfen. Viele in der Pflege können/wollen nicht verstehen, daß ihre eigenen Vorstellungen eben nicht das Maß aller Dinge ist.

VG
dino

Offline IKARUS

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Lieber Dino! Es war nicht meine PDL - es war die der Klinik.
"Meine PDL" das hatte ich nur einmal in meiner Laufbahn. Die hatte sich vor ihr Personal gestellt. So wie du es oft beschreibt von eurer!
Übrigens habe ich nichts gegen PDL´s und BWLer, aber wenn die ein Wehwehchen haben muss alles liegenbleiben und dann sind sie ja so wichtig. Zuerst sparen was das Zeug hält und wenn man dann selber betroffen ist, soll alles (auch verschwenderisch) auf den Tisch des Hauses geladen werden.
Der Vergleich mit VW hinkt, weil selbst in den UK´s  hatten wir keine Bauteile von Rolls Roys. Nicht einmal im Büro der PDL´s!
Meine zentrale Frage ist, was machen die Pflegemanager, Berufsverbände, Gewerkschaften und Kammern für die Rahmenbedingungen der Werktätigen, damit sie sich um die Kunden kümmern können.
Wir Pflegenden haben wie die Ärzte zu viel versprochen, was uns heute über den Kopf wächst.
Wenn ich heute höre: "Herr Dr. F. Wagner fordert und Frau Chr. Vogler klagt an ...", denke ich mir, was machen die Funktionäre eigentlich mit ihrer Zeit. Einige machen ihren Job ja nicht ehrenamtlich.
VG, Michael

Offline dino

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Ich bin zwar kein Pflegender, aber ich antworte mal. Viele Funktionäre sind eben nach dem Peterprinzip befördert worden, damit sie vor Ort keinen Schaden anrichten. Wird, um als Analogie zu zeigen, auch in der EU so gehandhabt. Andere, vorwiegend wohl in den Kammern, sind halt Pöstchenjäger. Titel und Knete, dabei möglichst wenig Arbeit. Das machen die Deppen vor Ort, und die sollen dann auch noch die Kammerfuzzis wichtig finden.
Deine zentrale Frage lässt sich auch einfach beantworten. Konzerne, die rein privatwirtschaftlich orientiert sind, wollen/müssen Gewinne erwirtschaften. Denn ohne Gewinn, kein Anreiz. Die machen das wegen dem Gewinn. Des weiteren haben die Kammern null Mitspracherecht. Und der Rest hat die Kassen vor sich. Da ist kein großer Gestaltungsspielraum. Slogans von Kassen, wie z. B. die Gesundheitskasse, ist reine Schau fürs Volk.