Autor Thema: Pflegeberufe: Die geringe Organisation in Gewerkschaften ist ein Problem  (Gelesen 2371 mal)

Offline Thomas Beßen

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  • - die Menschen stärken, die Sachen klären -
    • http://www.pflegesoft.de
Pflegekräfte sind Menschen, die sich gern um andere kümmern, dabei aber oft sich selbst vergessen. Das macht es für sie schwierig, nicht nur Applaus zu bekommen - sondern auch mehr Gehalt. ...

>>> https://www.sueddeutsche.de/politik/pflege-coronavirus-bezahlung-1.4892943

Frühe Grüße!
Thomas Beßen
Wer heute krank ist, muss kerngesund sein.

Offline norbert1507

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Ein kluger Chef von mir hat mal gesagt:
"Die Tür, die am lautesten quietscht, wird zuerst geölt!"
Die Pflege, hat sicherlich auch historisch bedingt, kaum oder selten gequietscht, sondern immer nur äußerst pflichtbewußt und anspruchslos ihre vielfältigen und schwierigen Aufgaben erfüllt.
Lobbygruppen und dazu zählen im erweiterten Sinne sicher auch die Gewerkschaften, können sich nur erfolgreich durchsetzen, wenn sie eine gewisse Macht, z.B. in Form von Wählerstimmen hinter sich haben!
Aber durch und nach Corona wird alles besser ?!?

Offline IKARUS

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Das  ist eine richtige Einschätzung Norbert!! Aber quitschen will gelernt sein. Wenn ich das nicht kann, suche ich mir jemand, der das für mich unternimmt, damit sich meine Rechte auch durchsetzen lassen. Das nennt man das Arbeitsteilung!! Mein Beitrag ist dann die Mitgliedschaft in einer Vereinigung. Für mich ist es von zweiter Wichtigkeit, welche ich favorisiere. Das Wichtigste ist, dass wir uns als Berufsgruppe besser organisieren, als wir es bis heute tun.
Ich glaube nicht daran, dass sich nach CORONA was verändert! Es sei denn es wird schlimmer als heute. Denn der betriebswirtschaftliche Druck auf Kliniken und Alteneinrichtungen und die Ambulante Pflege wird sich erhöhen. Wir Pflegenden sollten auch lernen, dass wir nicht die Versäumnisse der Gesellschaft kompensieren sollten/müssen. Wurde doch landauf landab danach gerufen, dass eine Klinik/ein Altenheim/ein Ambulanter Pflegedienst sich nach betriebswirtschaftliche Maßstäben zu orientieren hat. Tun wir es dann doch!! Handeln wir betriebswirtschaftlich!!
Lassen wir uns für die Tätigkeit, die wir ausführen, auch bezahlen. So wie andere Berufsgruppen (auch die im Gesundheitswesen - oder in der Gesundheitsindustrie) es auch tun. Oder ist je nachweislich ein Mensch gestorben, weil andere Gesundheitsberufler ihre Ansprüche durchsetzen konnten. Schauen wir uns an, wie die es angegangen sind und durchgesetzt haben. Da müssen wir kein Rad neu erfinden. Nur kopieren!
Sonnige Grüße aus Essen, Michael Günnewig

Offline norbert1507

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Super Statement.
Kompliment und hoffen wir auf Besserung.
Die Pflege hätte in jeder Hinsicht mehr Anerkennung verdient.
HG aus dem Vordertaunus

Offline IKARUS

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Wer bekommt schon was sie/er verdient Norbert?
Wir müssen uns für unsere Belange selber einsetzen, denn anderer tun es nicht. Es sei denn, sie haben ein Interesse daran, dass wir für sie arbeiten.
Die Kohlen aus dem Feuer holen = schwierige Gespräche mit Angehörigen und Patienten! Übernahme ärztlicher Tätigkeiten = Blut abnehmen, etc. Für mich gibt es keine ärtlichen Tätogkeiten, die vom Pflegepersonal übernommen werden können. Es sind Tätigkeiten, die von einer ausgebildeten Fachkraft durchgeführt werden. Also sollte sie sie auch abrechnen können, was sich auf den Stellenplan auswirken wird.
Mir ist die Zusammenarbeit im Team ebenso wichtig wie Dino, aber es ist meine Erfahrung, dass das Pflegepersonal zu häufig instrumentalisiert wird/ sich instrumentalisieren lässt. Hier könnten die Ausbilder (auch die in der Praxis) ansetzen, dass sich das langfristig ändert!

Was ist Anerkennung?? Mehr Geld? Miteinander auf "Augenhöhe"? Letzteres publiziert oft der DBfK! Ich verstehe aber nicht, von welcher  "Augenhöhe" die sprechen? Ich denke nicht, dass ich mit einem Handwerker, einer Ärztin oder einer Professorin (für z.B. Virologie) auf Augenhöhe kommunizieren kann. Die Fachlichkeit der/des Anderen habe ich doch gar nicht. Wir sollten uns gegenseitig menschlich respektieren und die Fachlichkeit des Anderen ebenso. Ich habe die klinische Erfahrung, dass sich Chirurgen und Internisten/... auch nicht immer respektieren. Nicht in ihrer Fachlichkeit, sondern weil sie die/den "Kollegen" nicht mögen. Also findet das "auf Augenhöhe" für mich auf der menschlichen Ebene statt, die auf einer Fachlichkeit fußt.
Ich habe in all den Jahren zwei Vorgesetzte gehabt, die es zugelassen haben, dass ich mit ihnen auf Augenhöhe reden und diskutieren konnte. Alle anderen hatten andere Intertessen!!

Sonnige Grüße aus Essen, Michael

Offline dino

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Ich kannte noch die Zeit woo regelhaft auf neue Kollegen/innen zugegangen wurde und sie gefragt wurden ob sie in der Gewerkschaft seien. Damals gab es regelmäßig Treffen außerhalb der Kinik. In Teilen Infopolitik, aber in großen Teilen Stärkung des Gemeinschaftsgefühls. Auch Schüler/innen wurden damals gezielt angesprochen. Wenn heute mal ein Gewerkschaftssekretär kommt hat man den Eindruck das er vor Eigenlob müffelt.
Wo mal wieder vom Geld gesprochen wurde. Die "systemrelevanten" Berufe sind da alle nicht so üppig. Dazu kommen noch die Steuerklassen. Wer mehr Lohn verlangt muss auch so ehrlich sein und sagen: Du kriegst jetzt 10€ mehr pro Monat, davon musst Du aber 70€ abgeben.
Das mit Anerkennung undauf Augenhöhe ist auch so ein Dauerbrenner. Ikarus, Du hast Dir selbst die Antwort gegeben. Auf Augenhöhe zu diskutieren bedeutet zum Einen ihn als Mensch zu nehmen wie er ist. Zum Anderen hat er bestimmt Fähigkeiten, die ich nicht besitze, z. B. Handwerker. Auch er ist ein Kollege der zum Gesamterfolg beiträgt. Es geht nicht darum das man die gleiche Fachkenntnisse besitzt, sondern sich gegenseitig wertschätzend akzeptiert.

VG
dino