Autor Thema: Altern in Indien - "Wenn du alt bist, sollst du sterben"  (Gelesen 1524 mal)

Offline Thomas Beßen

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Altern in Indien - "Wenn du alt bist, sollst du sterben"
« am: 09. Januar 2018, 09:58:03 »
"120 Millionen Inder sind inzwischen 60 oder älter. Bis zum Jahr 2050 werden es 320 Millionen Menschen sein.
 Doch wer in Indien der Familie zur Last wird, steht häufig allein da.
 Altenheime, Hospize und Menschen, die dort arbeiten wollen, fehlen.


Acht alte Frauen sitzen auf Plastikstühlen auf der Terrasse des Abhaya Sadan. Ihre farbenfrohen Saris strahlen in der Nachmittagssonne. Gleich ist es 15 Uhr. Gleich bekommen sie eine Tasse Tee, mit viel Milch. Später werden sie gemeinsam zu Abend essen, um einen kleinen Holztisch herum. Vielleicht gehen sie davor noch eine Runde um das Haus.

Abhaya Sadan, das Haus ohne Angst, wie die deutsche Übersetzung für das indische Altenheim lautet, ist ein friedlicher Ort. Es liegt etwas außerhalb des südindischen Coimbatore im Bundesstaat Tamil Nadu. Die acht Frauen, die hier leben, die meisten von ihnen ohne Papiere, hatten Glück im Unglück. Keiner wollte sie mehr. Der einen brach die Schwiegertochter im Streit das Handgelenk, der eigene Sohn kümmerte sich nicht. Eine andere lebte nach dem Tod ihres Mannes allein in Armut, die drei Kinder wollten nichts mehr von ihr wissen. Eine weitere wohnte mit ihrem Enkel zusammen. Als sie krank wurde, reichte das Geld nicht aus, um ihr zu helfen. Eine erzählt, ihr Mann habe sich vor Jahren eine neue Frau gesucht und den einzigen Sohn mitgenommen. Seitdem lebte sie allein. In Armut. Zurückgelassen. Alle acht Frauen waren in der einen oder anderen Form ihren Familien zur Last geworden. Und wer zur Last wird, nicht mehr funktioniert und nicht mehr arbeiten kann, der steht allein da.

"Wenn du alt bist, sollst du sterben, lautet die gängige Denkweise vieler Inder", erklärt T. K. Nathan, der in Coimbatore der Karl Kübel Foundation for Child and Family (KKF) als Geschäftsführer vorsitzt. Gemeinsam mit einer vor Ort tätigen Hilfsorganisation sorgt die KKF dafür, dass das 2016 gegründete Altenheim für diese acht Frauen bestehen kann. Soziale Sicherungsmechanismen in Form einer Rente, einer Krankenversicherung gibt es in Indien so gut wie nicht. "Nur 1,6 Prozent aller Älteren beziehen überhaupt Rente", sagt Mathew Cherian von Help Age India, der größten Nichtregierungsorganisation auf dem Subkontinent, die sich um die Belange alter Menschen kümmert. Und was ihnen gezahlt wird, reicht gerade zum Überleben: Fünf US-Dollar im Monat. ..."


Von Martina Merten unter http://www.sueddeutsche.de/gesundheit/altern-in-indien-wenn-du-alt-bist-sollst-du-sterben-1.3813997

Flüchtige Grüße!
Thomas Beßen
Wer heute krank ist, muss kerngesund sein.