Autor Thema: Zum "Abschlussbericht der umfassenden Untersuchung zur Generalistik"...  (Gelesen 1709 mal)

Offline Thomas Beßen

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des Deutschen Institut für angewandte Pflegeforschung e.V. (dip - www.dip.de) geht's hier längs: http://www.dip.de/fileadmin/data/pdf/Aktuelles/dip-FAQ-Pflegeausbildung_in_Bewegung-2016.pdf

Die Empfehlungen sind nahezu eindeutig pro Generalistik!

Rasche Mittagspausengrüße! :-)
Thomas Beßen
Wer heute krank ist, muss kerngesund sein.

Offline norbert1507

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Der Bundestag hat dem Gesetz über die Reform der Pflegeberufe (insbesondere der sog. Generalistik) am 22.6.2017 zugestimmt.
Mit der noch ausstehenden Zustimmung des Bundesrates kann in der Sitzung am 7.7.2017 gerechnet werden; so jedenfalls die Auskunft welche ich im Zusammenhang mit der Berufsmesse von den Fachleuten vorige Woche im Kap Arkone in Frankfurt erhielt.
Schauen wir mal, wie es weitergeht.
HG Norbert

Offline IKARUS

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Ja, der Bundestag hat zugestimmt. Prima? Wenn nun auch der Bundesrat zustimmen wird, ist dann prima? Nö!!!
Jetzt kommt die Sache mit den finanziellen Mitteln, um die nun gestritten/gefeilscht werden wird. Das wird wesentlich spannender!

Im Rahmen einer Gesundheitsmesse wurde ich von einem pfiffigen Schüler gefragt, dem wir das kommenden Konzept der Generalistik vorgestellt hatten, wie wird es denn sein, wenn sich von 25 Schülerinnen  5   dazu entscheiden ihren Schwerpunkt der Ausbildung  in die Kinderkrankenpflege zu verlegen, oder/und 3 weitere Schüler sich für die Altenpflege (künftig Langzeitpflege) entscheiden.
Werden diese Schülerinnen gleichwertig beschult wie die 17-20 anderen?
Sicherlich dachte die Schülerin nicht an die Kosten, wohl eher daran, ob sie die gleiche Aufmerksamkeit bekommen, wie der "große" Rest der Klasse? Eine Antwort konnten wir nicht geben.
Bei uns Lehrkräften blieb die Frage zurück: haben wir genügend Lehrkräfte und Unterrichtsräume für diese kommenden Aufgaben?
Das wird für mich ein spannender Aspekt! Wird von uns Lehrkräften und Dozenten erwartet, dass wir uns kostenfrei klonen können. Denn die Arbeit muss ja getan werden!
Ich bin ein Verfechter der GENERALISTIK! Wird sie doch unserer Pflegejugend eine gleichwertige Ausbildung ermöglichen.
Ein Altenpflegerschüler kann mit seinem Ausbildungszeugnis im europäischen Ausland nichts anfangen. Es wird nicht anerkannt, weil man dort den Beruf des Altenpflegers nicht kennt.
Manche Berufe die wir in Deutschland ausbilden, finden in anderen Ländern keine Anerkennung, weil es sie dort nicht gibt.

Als Jungexaminierter (1976) wollte viele von uns nach der Ausbildung, Ende der 70er Jahre des letzten Jahrhunderts, in die Schweiz. Das damalige Mekka! Ohne eine Nachqualifizierung ging da gar nichts! Das könnte sich mit der Generalistik sich ändern. KÖNNTE!!!

Dann gibt es ja die fast endlose Diskussion um die Zugangsvoraussetzungen für die Generalistik!
Zugang mit Abitur oder Mittlererreife. Das haben wir ja seit Jahrzehnten so!!
Es wird behauptet, dass Hauptschüler keinen Zugang zur Generalisitk (zu den Pflegeberufen) haben werden. Falsch!!!!
Sie müssen nur, wir bereits seit Jahrzehnten, einen Umweg über die einjährige Ausbildung (der Pflegehilfe [Alten- und Krakenpflege - Kinderkrankenpflegehilfe gab es nie!!!]) absolvieren [habe ich auch so gemacht. Zuerst Schreinerlehre dann 3jährige Pflegeausbildung und weitere Qualifizierungen].
Die vertikale Durchlässigkeit ist immer gegeben gewesen und für die Zukunft bewusst so gewollt!!!
Leider wurde es nicht so von so manchem Berufsverbandsvertreter/Gewerkschaftsvertreter/... nicht gut kommuniziert. Hier besteht für mich das Defizit!
Sicherlich haben Abiturienten nicht aller erforderlichen Grundlagen, die wir für notwendig erachten in die PFLEGE zu gehen, aber auch dem Hauptschüler fehlen Qualifikationen die man für eine sehr anspruchsvolle mehrjährige Pflegeausbildung benötigt.  Bei dem Umweg über die Pflegehilfe, könnte diese Lücke geschlossen werden. Es ist unmöglich, dass wir Pflegelehrer und Dozenten Versäumnisse aus den allgemeinbildenden Schulen kompensieren können. Das gibt der enge Zeitplan nicht her. Ein höheres Stundenpotential werden wir nicht bekommen, um die Versäumnisse der schulischen Vergangeheit nachzuholen. 

Abendliche Grüße aus Essen, IKARUS

Online dino

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Ich würde einmal sagen das es keine generelle Antworten geben kann.

Im Rahmen einer Gesundheitsmesse wurde ich von einem pfiffigen Schüler gefragt, dem wir das kommenden Konzept der Generalistik vorgestellt hatten, wie wird es denn sein, wenn sich von 25 Schülerinnen  5   dazu entscheiden ihren Schwerpunkt der Ausbildung  in die Kinderkrankenpflege zu verlegen, oder/und 3 weitere Schüler sich für die Altenpflege (künftig Langzeitpflege) entscheiden.
Wenn sich ein Schüler für Langzeit/Kinderkrankenpflege entscheidet ist das seine Entscheidung. Das hat nichts mit dem Schulträger zu tun. Dann wird sich der Schüler eine entsprechende Ausbildungsstätte suchen müssen.

Bei uns Lehrkräften blieb die Frage zurück: haben wir genügend Lehrkräfte und Unterrichtsräume für diese kommenden Aufgaben?
Das wird für mich ein spannender Aspekt! Wird von uns Lehrkräften und Dozenten erwartet, dass wir uns kostenfrei klonen können. Denn die Arbeit muss ja getan werden

Diese Frage stellt sich nur den Trägern die sich den Schuh auch anziehen. Wenn eine Schule sagt wir bieten eine 3- jährige Ausbildung an ist das eben so.

Ein Altenpflegerschüler kann mit seinem Ausbildungszeugnis im europäischen Ausland nichts anfangen. Es wird nicht anerkannt, weil man dort den Beruf des Altenpflegers nicht kennt.
Manche Berufe die wir in Deutschland ausbilden, finden in anderen Ländern keine Anerkennung, weil es sie dort nicht gibt

Das ist aber weder das Problem der Schule noch eines Dozenten.

So wie wir nicht jedem Patienten helfen können, können wir auch nicht jedes Lehrproblem lösen.
VG
dino