Autor Thema: "Online-Umfrage: 60 Prozent der Pflegenden gegen Generalistik"  (Gelesen 2438 mal)

Offline Thomas Beßen

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das meldet die Fachzeitschrift "Altenpflege" in ihrer online-Ausgabe unter http://www.altenpflege-online.net/Infopool/Nachrichten/Online-Umfrage-60-Prozent-der-Pflegenden-gegen-Generalistik.

"Wie Prof. Dr. Bernd Reuschenbach, Studiengangsleiter des Master-Studiengangs "Pflegewissenschaft – Innovative Versorgungskonzepte" an der Katholischen Stiftungsfachhochschule München, allerdings mitteilte, habe die Befragung bei weitem nicht die Kriterien für Repräsentativität erfüllt."

Rasche Grüße!
Thomas Beßen

p.s.:
"Als Repräsentativität versteht man in der Empirie die Eigenschaft von Erhebungen, dass diese Aussagen über eine Grundgesamtheit zulassen. Häufig sind damit Zufallsstichproben oder Quotenstichproben gemeint. ..." - https://de.wikipedia.org/wiki/Repr%C3%A4sentativit%C3%A4t
Wer heute krank ist, muss kerngesund sein.

Offline IKARUS

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Re: "Online-Umfrage: 60 Prozent der Pflegenden gegen Generalistik"
« Antwort #1 am: 10. Oktober 2016, 14:01:45 »
Mein erster Gedanken war auch, wer hat mit welche Intention wen gefragt. Wie groß war die befragte Gruppe und spiegelt sie eine Querschnitt der PFLEGE wieder. Wir wissen doch, dass wenn ich wen frage, bekomme ich mitunter auch gewünschte Antworten. Das ist sicherlich legitim, aber kein Abbild einer Realität.

Meine heutiger Berufskundeunterricht hat hat auch wieder ergeben, dass Aufklärung beruhigen kann. Es haben sogar eininge Schüler verstanden, dass sich unsere Berufsgruppe mehr engagieren muss, wenn sie Etwas erreichen will. Wir (und überhaupt fast ALLE) bekommen nichts geschenkt. Wenn doch ist es schön. Aber wir sollten unser Berufs-Leben in die Hand nehmen. Nur wer anpackt, kann auch seine Zukunft gestalten.
Willst Du nicht mehr Ambos sein, nimm den Hammer in die Hand.
Bleibt nur noch die Frage zu klären, wie wir ihn dann benutzen.
Nicht das Werkzeug ist schlecht, sondern die Intention des Bedieners.

Beste sonnige Grüße aus Essen, IKARUS

Offline Tilman Kommerell

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Re: "Online-Umfrage: 60 Prozent der Pflegenden gegen Generalistik"
« Antwort #2 am: 13. Oktober 2016, 10:11:38 »
Was mich an der Studie besonders bekümmert: Die Ergebnisse fallen sehr unterschiedlich aus, je nach dem, ob sich die Befragten gut oder weniger gut informiert fühlen. Das ist kaum zu verstehen. Alle Berufsverbände der Kinderkranken-, Kranken- und Altenpflege haben x Stellungnahmen zum Pflegeberufegesetz und zur generalistischen Ausbildung geschrieben, ebenso haben sich die die Arbeitgeberverbände in der Pflege (z.B. Deutsche Krankenhausgesellschaft, BPA, ...) klar positioniert und ihre Stellungnahmen breit gestreut.

Information ist m.E. eine Holschuld aller Pflegekräfte. Wenn ich schon nicht einmal über aktuelle berufspolitische Themen informiert bin, wie will ich da Berufspolitik gestalten?

Mit meiner Internetseite www.pflegeausbildung-generalistisch.de habe ich auch versucht, einen kleinen Beitrag zur Information zu leisten. Um diese Seite aktuell zu halten, recherchiere ich wöchtenlich einmal im Internet. Die Zahl der jeweils neuen Beiträge liegt zwischen 10 und 20 Beiträgen pro Woche.

Wie kann es dann sein, dass manche sich immer noch nicht informiert fühlen?

Auch wenn die Studie von Reuschenbach nicht repräsentativ ist, gibt sie doch ein (bedauerliches) Bild der Pflege. Um auf den Gesetzgebungsprozess Einfluss nehmen zu können, sollten die Pflegenden mit einer Stimme sprechen. Das ist nach wie vor (seit 100 Jahren) nicht der Fall.

Und so wird wieder einmal eine Chance vertan, dass Pflegende die Zukunft der Pflege selbst gestalten.

Schade!
« Letzte Änderung: 13. Oktober 2016, 10:21:32 von Tilman Kommerell »
Es gibt nichts Ungerechteres als die Gleichbehandlung von Ungleichen

Offline IKARUS

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Re: "Online-Umfrage: 60 Prozent der Pflegenden gegen Generalistik"
« Antwort #3 am: 13. Oktober 2016, 13:53:50 »
Wir haben (leider!!) keine berufspolitische Kultur. Das alleine ist für mich Grund genug, sie zu betreiben. Da gibt es doch den Spruch mit dem Tropfen und dem Stein.
Im Gegensatz zu anderen (akademischen) Berufen haben wir noch eine großen Nachholbedarf. Wir haben in der beruflichen Pflege (noch) nicht die Kultur uns zu informieren oder uns zu solidarisieren, zu engagieren unseren Beruf zu gestalten.
Es werden noch (sehr) lange Zeiten vergehen, bis viele den Hammer in die Hand nehmen, anstatt nur Amboss zu sein.

Beste Grüße, IKARUS



 

Offline dino

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Re: "Online-Umfrage: 60 Prozent der Pflegenden gegen Generalistik"
« Antwort #4 am: 14. Oktober 2016, 15:40:01 »
Oh Mann, als ob es sonst keine Probleme gibt. Der Job ist in der Regel interessant, abwechslungsreich und fordernd, oder? Dem schließt sich das Freizeitverhalten an. Ein vernünftiger Mensch hat nun Hobbys, denen er gerne nachgeht. Diese kosten Zeit. Dann möchte man auch Zeit mit der Partnerin/Partner verbringen, äußerst wichtig für das seelische Gleichgewicht. Das dieses im Lot ist, ist wiederum wichtig für den Job. Nun besucht man in der Freizeit vielleicht noch die Ein- oder andere Fortbildung, so sie einem wichtig/interessant erscheint. Und nun kommen wir zu meiner Analogie, nämlich einer Zitrone. Die Zitrone setzen wir nun mit Zeit gleich. Auch die beste Zitrone ist irgendwann ausgedrückt und es kommt kein Tropfen mehr raus, oder man verteilt die Tropfen. Dann leidet aber ein anderes Element. Dies wiederum bringt uns zum Hauptgrund warum wir arbeiten. Wir gehen arbeiten, um zu Leben. Wir leben aber nicht, um zu Arbeiten. Verbandsarbeit kostet Zeit, kostet Sprit, und somit Geld. Außer, man macht es ausschließlich, also Hauptamtlich. Dann muss man sich eben entscheiden. Wer dies nebenher machen will vernachlässigt irgend etwas Anderes. So einfach ist das.
VG
dino

Offline IKARUS

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Re: "Online-Umfrage: 60 Prozent der Pflegenden gegen Generalistik"
« Antwort #5 am: 14. Oktober 2016, 17:10:58 »
Ja Dino, mit dieser Sichtweise hast partiell recht.
Nun aus meinem Blickwinkel!
Wenn wir etwas für unseren Beruf erreichen wollen, benötigen wir Stellvertreter, die sich für unsere Belange einsetzen. Dass das nicht nebenher geleistet werden, denken wir hier gleich. Wenn das Hauptamtliche machen sollen, müssen sie bezahlt werden von einer starken berufssändischen Vereinigung. Wenn Du in deiner Klinik vieles bekommst, ist das für andere Kollegen nicht so einfach. Da muss man dann streiten und feilschen um wichtige Anliegen.
WIR BEKOMMEN NICHTS GESSCHEKT!!!!!  Schön wäre es allemal! Das widerspricht aber meiner Erfahrung.
Es gibt Kolleginnen und Kollegen die es so belassen wollen, wie es ist.
Es gibt Kolleginnen und Kollegen die unseren Beruf weiterentwickeln wollen, damit er eine Vergleichbarkeit bekommt, damit wir ohne Nachprüfungen über die Landesgrenzen hinaus arbeiten können.
Ich sehe es ja heute so wie du, dass wir einen guten Ausgleich zum Beruf haben müssen, was auch, wie du schreibst, Zeit kostet.
Beste Grüße, IKARUS

Offline dino

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Re: "Online-Umfrage: 60 Prozent der Pflegenden gegen Generalistik"
« Antwort #6 am: 14. Oktober 2016, 17:49:51 »
Und das Meiste erreiche ich auf der Ebene meiner Verantwortlichkeit, ergo bleibe ich dabei.  :-D :-D Das ist mein Job, dafür werde ich unter Anderem bezahlt. Da ich kein Altruist, Gutmensch oder sonst sowas bin ist es mir auch schnuppe, was Andre drüber denken. Klar muss man sich einsetzen, auch mal in der Freizeit kommen, telefonieren, mailen, etc. Aber das ist dann letztendlich für das eigene Team. Auch auf Teamebene fallen keine gebratenen Hähnchen vom Himmel. Aber ein starkes Team kann vieles erreichen, da brauchts keine ständische Vertretung. Und wenn sich wer weiter entwickeln will gibt es Weiterbildungsmöglichkeiten, die auch genutzt werden.
Mein Examen ist in Hessen soviel Wert wie im Pott. Das es im Ausland Probleme gibt hat nix mit einer ständischen Vertretung zu tun, das Curriculum muss nur angepasst werden. Und da kommt die spannende Frage auf ob das von den so genannten "Pflegenden" überhaupt gewollt ist.
VG
dino