Autor Thema: Palliativmedizin - Am Ende nur Schweigen  (Gelesen 4291 mal)

Offline Thomas Beßen

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Palliativmedizin - Am Ende nur Schweigen
« am: 04. Dezember 2014, 06:47:32 »
"Viele Todkranke wollen Klartext und Trost. Ärzte reagieren mit Ausflüchten und Aktionismus. Wie groß die Unterschiede zwischen Patientenwünschen und Krankenhausalltag sind, haben kanadische Forscher jetzt erkundet. ..."

Von Werner Bartens unter http://www.sueddeutsche.de/gesundheit/palliativmedizin-am-ende-nur-schweigen-1.2202505

Morgendliche Grüße!
Thomas Beßen
Wer heute krank ist, muss kerngesund sein.

Offline IKARUS

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Re: Palliativmedizin - Am Ende nur Schweigen
« Antwort #1 am: 04. Dezember 2014, 14:44:27 »
Leider kann ich den Link nicht öffnen.
Dennoch habe ich zu dem Thema einen Gedanken.
Wenn am "Ende" geschwiegen wird, ist das doch ein Ausdruck der Sprachlosigkeit. Eine Sprachlosigkeit, obwohl wir doch eine Sprache sprechen, die auf Mängel in der Ausbildung zurück zu führen sind.
Ob wir Pflegekräfte oder andere Medizinische-Fach-Berufsangehörige haben bei der Begleitung Sterbender so ihre Probleme. Wer lernt schon Schwerstkranke und sterbende zu begleiten?
Wir lernen in unseren Ausbildungen wir wie Probleme und Herausforderungen technisch lösen sollen. Oft klappt das ja auch prima!
Wenn sich Betroffene Klartext wünschen, ist es doch oft so, dass wir meinen, dass der Betroffenen oder seine Angehörigen die kommenden Wahrheit "nicht vertragen" können.
Woher nehmen wir diese Sicherheit?
Das kann uns so vorgelebt sein, weil es nämlich das Verhalten unserer Eltern und Vorgesetzte war, dass sie schwierige Sachverhalte durch Schweigen negiert werden sollen.
Was ich nicht anspreche, wird dann wohl auch aus dem Blickfeld verschwinden. Das geht aber so nicht!!

Weil es zu diesem Punkt nicht viele Fachpraktiker gibt, gibt es auch kaum eine zeitnahe Lösung.
Die Theoretiker (die ja auch aus der Praxis kommen können!) haben mitunter auch eine begrenzte Eloquenz.
Wie kann man hier das Problem lösen, das an sprachlichen Barrieren scheitert?

Eine Offenheit gegenüber sprachgewannten Kollegen (auch wenn sie aus benachbarten Fach-Disziplinen kommen) kann hilfreich sein.

Ich habe besonders davon profitiert, wenn ich mich gegenüber Laien geöffnet habe. Die Sichtweisen der "Unkundigen" ist sehr oft hilfreich gewesen, Sachverhalte auch einmal anders zu formulieren, als es in der Fachgesellschaft üblich ist.

Ein Beispiel: Wir hatten in unserer Bildungsstätte eine "hochdekorierten" Rettungsassistenten als Gastdozenten. Der Unterricht war fachlich sehr gut. Was er jedoch nicht bedacht hat, war der Umstand, dass die Zielgruppe Hausfrauen waren, die in den Pflegeberuf eingeführt werden sollen.
Es gibt ja folgende Möglichkeiten, die sicherlich bekannt sind.
Ich muss nicht einem Menschen sagen, dass er dumm ist, ich kann ihm auch aufzeigen wo und wie er sich weiterentwickeln kann. Andere Worte erzielen auch andere Ergebnisse.

Als ich das Thema STERBEN und TOD als Unterrichtsthema vorgeschlagen habe, wollten unsere Schülerinnen das Thema nicht bearbeiten. Die Ablehnung eines Themas setze ich gleich mit dem Verschweigen von "schwierigen Themen".
Wenn ich ein "schwieriges Thema" vor der Brust habe, frage ich zeitnah einige Freunde von mir, die zu dem Thema keinen engen Bezug haben. Das hilft mir dabei "um die Ecke zu sehen und zu hören".
Viele Grüße, IKARUS

Offline Thomas Beßen

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Re: Palliativmedizin - Am Ende nur Schweigen
« Antwort #2 am: 04. Dezember 2014, 15:38:51 »
Hallo Michael,
bei klappt's tadellos mit dem Link. Versuche es einfach noch mal...
Rasche Grüße aus dem Hessenland!
Thomas
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Offline IKARUS

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Re: Palliativmedizin - Am Ende nur Schweigen
« Antwort #3 am: 04. Dezember 2014, 19:05:11 »
Hallo Thomas, ich habe es noch ein paar mal versucht. Immer mit gleichem Ergebnis. Das muss dann wohl an meinem Rechner liegen. Ich bekomme zur Zeit bei jedem Wechsel der Internetseiten "komische irritierende Seiten" angezeigt.
Werde mich nun um flankierende Hilfe bemühen.

Noch eine Frage: Für bestimmte Befehle auch auf unserer PFLEGESOFT-Seite muss ich bestimmte Tastenkombinationen drücken. Diese habe ich jedoch nicht auf meinem Tablet. Das bedeutet ja für mich, dass ich vom Tablet aus nichts einstellen kann. Ist dem so?

Über dem Wege des Tablets und unserer Seite habe ich jedoch eine Datei bekommen, die ich über meinen Hausrechner nicht bekommen hätte. 

Beste Grüße aus Essen, Michael

Offline Thomas Beßen

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Re: Palliativmedizin - Am Ende nur Schweigen
« Antwort #4 am: 04. Dezember 2014, 20:07:16 »
Guten Abend Michael,

Tablets gibt's inzwischen wie Sand am Meer, so dass ich dir, glaub' ich, leider nicht helfen kann. Frag' doch lieber einen "Hardware-Experten" und so was wie hier:
Zitat
Werde mich nun um flankierende Hilfe bemühen.

ist immer gut... :-)

Beste Grüße retour!
Thomas

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Offline Ivana

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Re: Palliativmedizin - Am Ende nur Schweigen
« Antwort #5 am: 06. Dezember 2014, 20:44:07 »
ich konnte den Link auch öffnen  :-)

"Wie groß die Unterschiede zwischen Patientenwünschen und Krankenhausalltag sind", dass konnte ich auf verschiedenen Stationen beobachten und es hat mich teilweise sehr traurig gemacht. Sterbende Patienten, die keine spezielle palliative Pflege erhalten haben, da sie auf eine Warteliste landeten.
Obwohl seit 2007 ein Rechtsanspruch auf eine spezialisierte ambulante palliative Versorgung gilt, müssen viele Menschen im "normalen" Krankenhaus sterben, da noch so viele SAPV-Teams, Palliativstationen und Hospize fehlen oder die Krankenkassen stellen sich quer, wie in diesen zwei Beispielen:
http://daserste.ndr.de/panorama/archiv/2014/Todkrank-Wuerdevoll-zu-Hause-sterben-selten-moeglich,palliativversorgung106.html
http://www.taz.de/Kasse-streicht-Palliativversorgung/!150157/


Guten Abend und einen schönen zweiten Advent!
Ivana
« Letzte Änderung: 06. Dezember 2014, 20:50:40 von Ivana »
Es geht nicht darum, dem Leben mehr Tage zu geben, sondern den Tagen mehr Leben.

Offline dino

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Re: Palliativmedizin - Am Ende nur Schweigen
« Antwort #6 am: 07. Dezember 2014, 17:26:32 »
Zwischen gesetzlich garantierten Anspruch und Wirklichkeit liegen Welten, willkommen in der Realität. Dies betrifft nicht nur die Palliativpflege. In Hamburg benötigte ein Patient einen Rollstuhl, die Kasse verweigerte. Es ging vor Gericht und in erster Instanz wurde dem Kläger Recht gegeben. Die Kasse ging in die Revision. Bis der zweite Termin stand verstarb der Patient. Einem an infausten Lungen CA Erkrankten verweigerte die Kasse ein Sauerstoffgerät. Ein garantierter Anspruch ist wertlos wenn er sich nicht durchsetzen lässt. Die deutsche Justiz ist inkompetent und bewirkt nichts. Nun, wir leben im Netzzeitalter. Die Namen von Kassen und Sachbearbeitern ins Netz setzen, bis sich was ändert.
VG
dino

Offline IKARUS

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Re: Palliativmedizin - Am Ende nur Schweigen
« Antwort #7 am: 08. Dezember 2014, 14:30:11 »
Partiell stimme ich dir zu Dino. Aber in einem Punkt des Anklagens denke ich anders. Mitarbeiter in Betrieben müssen oft Anweisungen "von Oben" umsetzen. Deshalb würde ich die Organisationen "an den Baum hängen" nicht aber die einzelnen Mitarbeiter. Es mag wenige Fälle geben, wo auch Mitarbeiter über das Ziel "hinausschießen".
Auch bleibe ich bei meinem Standpunkt, dass die Bevölkerung für die Umsetzung mitverantwortlich ist. Sie können nicht nur jammern und sparen. Sie müssen sich auch engagieren und finanzielle Vorsorge treiben. Meine Erfahrung ist ja die, dass Nichtbetroffene sich nicht kümmern und wenn sie betroffen sind, soll Alles da sein.
VG, Michael

Offline dino

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Re: Palliativmedizin - Am Ende nur Schweigen
« Antwort #8 am: 08. Dezember 2014, 17:05:13 »
Nun, laut IMT ist auch der Einzelne mitverantwortlich. Es geht hier auch nicht um Extras, ein Rolli oder ein Sauerstoffgerät sind ein MUSS. .Zeiten ändern sich, Methoden ändern sich. Was glaubst Du wie schnell reagiert wird wenn die ersten Sachbearbeiter/Vorgesetzte von diesen mit Namen und Bild im Netz stehen :-D 8-)
VG
dino

Offline IKARUS

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Re: Palliativmedizin - Am Ende nur Schweigen
« Antwort #9 am: 08. Dezember 2014, 21:22:37 »
Das sehe ich wie du Dino! Wenn die eigenen Klientel bedient werden muss, dass klappt Vieles wesentlich schneller als im "Normalbetrieb". Ähnliches gibt es ja auch, wenn Würdenträger unsere Patienten sind. Da wird sich aber sicherlich nicht viel dran ändern. Es sei denn, die Bevölkerung steht auf und kämpft für ihre Rechte.

Wir wissen sicherlich, dass es früher anders war. Da wurde Vieles bewilligt, weil die meisten Menschen bescheidener waren und die die die Sozialkassen genutzt haben Wenige waren.
Das hat sich aus meiner Sicht wie folgt geändert.
Heute wollen mehr Betroffene eine Unterstützung haben, aber weniger in die Sozialkassen einzahlen. Ich habe hier wieder ein familiäres Beispiel vor Augen.
Ich bin dafür, dass Bedürftige das bekommen müssen, was sie benötigen.  Es bleibt die Frage, ob es wirklich benötigt wird. Die hier angeführten Beispiel stehen da für mich nicht zur Diskussion.
VG, IKARUS

Offline dino

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Re: Palliativmedizin - Am Ende nur Schweigen
« Antwort #10 am: 09. Dezember 2014, 02:41:37 »
Mit IMT meinte ich das Internationale Militärtribunal in Nürnberg. Es stellte fest das auch Befehlsempfänger verantwortlich für ihr Tun sind, genau so wie subalterne Sachbearbeiter für ihr Tun verantwortlich sind. Auf die Straße gehen und demonstrieren ist out, kleines Foto gezielt ins Netz setzen wirkungsvoller. Dazu noch was der Sachbearbeiter angestellt hat. Staaten machen es genauso. Großangriffe sind out, sie operieren mit chirurgischen Drohnen, der Bürger eben mit you tube. Wie sagte schon Marko Ramius, eine kleine Revolution ab und zu ist eine gute Sache  :-D 8-)
VG
dino

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Re: Palliativmedizin - Am Ende nur Schweigen
« Antwort #11 am: 09. Dezember 2014, 09:10:02 »
Nun weiß ich wer Marco Ramius war und er wurde in der westlichen Welt als Held gefeiert. Ob meine Gedanken bis nach Nürnberg gereicht hätten, um einen Vergleich heranzuziehen, weiß ich nicht an dieser Stelle.

Mir kam bereits folgender Gedanke, bevor ich deine letzten Zeilen gelesen habe.
Es kann sein, dass ich jahrelang gut arbeite. Dann passiert mir ein Fehler. Aus welchen Gründen auch immer.  Nun soll ich nach deinem Dafürhalten hochgehängt werden? Soll jetzt in der Lobby unseres Hauses natürlich mit plakativem Bild darauf hingewiesen werden, dass ich der Schlappmann der Nation bin?
Wo ziehst Du die Grenzen zwischen der Klärung und dem Abstellen von Fehlern und der Übernahme von der Verantwortung für das Mißgeschick/die Katastrophe?
Hier denke ich auch, dass wir beide wissen, dass "die Kopferten" sehr oft gute Juristen an ihrer Seite wissen. Das hat der Mitarbeiter am Bett/am Schreibtisch oft nicht.
Wenn es jedoch so sein sollte, dass eine Person öfter bis  immer wieder den gleichen Fehler begeht, sollten andere Wege gegangen werden. Da bin ich dann wahrscheinlich sehr nahe deiner Position, so ich sie richtig verstehe.
Jetzt geht's zum Unterricht!!

Beste Grüße aus dem schmuddeligen Ruhrgebiet, IKARUS

Offline dino

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Re: Palliativmedizin - Am Ende nur Schweigen
« Antwort #12 am: 09. Dezember 2014, 13:25:10 »
Es geht mir um die netten Menschen die anderen kranken Menschen lebens, sorry, lebenswerte und/oder überlebenswerte Dinge verweigern. Im Zuge der allseits geforderten Transparenz sollte man deren Namen/Bilder doch nicht in der Dunkelheit lassen. Es geht mir nicht um Fehler, sondern um vorsätzliches Handeln zum Schaden von Patienten.
Nun, man sollte bei dieser Gelegenheit nicht nur das Bild des von Dir so genannten Kopferten veröffentlichen, auch der Schwarzkittel benötigt eine Wertung in der Öffentlichkeit.
In Japan ist eine solche Vorgehensweise Teil des QM, Bilder vom Fehlverhalten werden am schwarzen Brett veröffentlicht und der Betroffene bedankt sich dafür das man ihn auf sein Fehlverhalten aufmerksam gemacht hat. OK, je höher man kommt löst der Betroffene ab und an mit einem scharfen Messer die Folgen seines Fehlverhaltens. Das hat bei Fukoshima nicht so ganz geklappt, aber da war auch keiner so richtig verantwortlich
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dino

Offline IKARUS

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Re: Palliativmedizin - Am Ende nur Schweigen
« Antwort #13 am: 09. Dezember 2014, 13:51:31 »
Ob in Fukoshima keiner verantwortlich war, mag ich bezweifeln. Es wurde nur keiner ausfindig gemacht. Ich bin ja mit dir einer Meinung, dass die Fehler abgestellt werden müssen, aber nicht zu Lasten der Ausführenden sondern der Verantwortlichen. Ich mag es von meinem Standpunkt nicht bewerten wollen, dass ein Mitarbeiter in einer Kranken- oder Pflegekasse vorsätzlich handelt. Da fehlen mir zur Bewertung sehr viele Infos, um zu so einem Standpunkt zu kommen. Andere mögen da "mutiger" sein!
Nur kann man dann, wenn man sich zu weit aus dem Fenster gelehnt hat, auch den angerichteten Schaden wieder gut machen?
Dann gilt für mich: Etwas bleibt immer übrig!" Da bin ich kein Fan von!
Wollen wir also hoffen, dass wir fehlerfrei bleiben!

VG, IKARUS

Offline dino

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Re: Palliativmedizin - Am Ende nur Schweigen
« Antwort #14 am: 09. Dezember 2014, 19:23:28 »
Keiner ist fehlerfrei, dies ist auch nicht das Thema. Es geht auch nicht um individuelle Fehle, sondern kollektives Fehlverhalten. Wir kenen dies aus unserer Vergangenheit, dort argumentierten die Angeschuldigten mit dem Begriff Befehlsnotstand. Ich glaube nicht das sich das Problem Kostenträger auf formelle Art lösen lässt. Man muss diesen Komplex ganzheitlich betrachten und auch ganzheitlich angehen.
VG
dino