Autor Thema: Todkranke Kinder: Weh tut es immer  (Gelesen 1413 mal)

Offline Thomas Beßen

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Todkranke Kinder: Weh tut es immer
« am: 12. November 2012, 06:25:19 »
"Monika Führer ist eine liebevolle Ärztin, aber keine, die man in seinem Leben haben will. Denn wer sie braucht, der weiß, dass das eigene Kind sterben wird.

Auf einem Spielplatz in einem Münchner Innenhof hält die 52-Jährige einen Jungen in den Armen. Sie hebt ihn hoch zur Rutsche, wo seine Mutter wartet. Allein schafft der fast Fünfjährige es nicht, die Leiter hochzuklettern, seine Glieder sind zu steif. Seine Mutter nimmt ihn auf den Schoß und legt die Arme um ihn. Führer hebt die Beine des Jungen an, nur so viel, dass sie nicht bremsen. Mama und Sohn rutschen. Simon schreit vor Glück.

Er war fast zwei Jahre alt, als er beim Gehen immer häufiger strauchelte. Eine seltene Hirnerkrankung hatte begonnen, seine Nervenzellen im Gehirn zu zerstören. Die Beine trugen ihn nicht mehr. Seine rechte Hand erlahmte, nun folgt die linke. Wenn er spricht, verschluckt er Buchstaben. Immer öfter weiß seine Mutter nicht, was er ihr sagen will. "Manchmal aber", sagt sie, "lacht er, wie er immer gelacht hat."

Sie spricht viel in der Vergangenheit von ihrem Sohn - und seit kurzem auch wieder in der Zukunft. "Was Simon hat, daran wird er sterben." Es war ein langer Weg bis zu diesem Satz.

An einem Morgen im April dieses Jahres wurde Simons Mutter wach, weil ihr Sohn laut röchelte. Er lag da, sprach und bewegte sich nicht, rollte nur mit den Augen. Da habe sie gewusst, dass es für das, was Simon hat, keine Medikamente und Medizin gibt, sondern sie jemanden braucht, der ihr zur Seite steht und Simons Leiden lindert.

Seitdem ruft sie, wenn Simon stürzt oder krampft, Monika Führer an. Die Palliativmedizinerin hat zwar nicht immer eine Antwort, aber sie hört zu und sorgt dafür, dass es dem Jungen gutgeht, während er langsam schwächer wird. Seit 2004 hat Führer auf diese Weise mit ihrem "Hospiz ohne Mauern" (HOMe) mehr als 300 Kinder in Bayern begleitet, deren Wunsch es war, zu Hause zu sterben. Drei Ärztinnen, zwei Krankenschwestern, eine Sozialarbeiterin, eine Seelsorgerin und ein Psychologe gehören zum Team. Noch immer sind sie eins von wenigen in Deutschland.

Im Wohnzimmer zeigt Simons Mutter ein Video. Simon bei der Delfintherapie, am Strand in Griechenland und in der Türkei. Ein Junge mit blonden, wuscheligen Haaren, großen Augen und einem fröhlichen Lachen.

Was am Ende zählt, sind diese Momente. Dass die Eltern, wenn sie zurückschauen, mehr schöne Bilder im Kopf haben als schreckliche. ..."


Quelle & mehr: http://www.spiegel.de/spiegelwissen/todkranke-kinder-troestende-bilder-a-866062.html

Guten Morgen!
Thomas Beßen
Wer heute krank ist, muss kerngesund sein.