Autor Thema: "Krankenschwester nur noch mit Abitur"  (Gelesen 9100 mal)

Offline Thomas Beßen

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"Krankenschwester nur noch mit Abitur"
« am: 20. Dezember 2011, 07:33:50 »
"Zehn Jahre Schule reichen nach Ansicht der EU-Kommission nicht mehr, um Kranke zu pflegen oder als Hebamme zu arbeiten. Aus Deutschland kommt nicht nur Zustimmung.

Das Abitur wird Pflicht für künftige Krankenschwestern und Hebammen, wenn es nach der EU-Kommission geht. Die Behörde schlug gestern in Brüssel vor, für die ganze EU einheitlich mindestens zwölf Jahre Schulbildung für diese Gesundheitsberufe vorzuschreiben. Bisher genügen in Deutschland zehn Jahre.

Die EU-Kommission nannte zwei Gründe für ihren Reformvorschlag: Zum einen sind nach ihrer Ansicht die Anforderungen an Krankenschwestern und Hebammen gestiegen. Zum anderen geht es um eine Vereinheitlichung: Fast alle EU-Staaten verlangen schon mindestens zwölf Jahre Schulbildung. Außer Deutschland müsste sich noch Luxemburg anpassen, Österreich ist gerade dabei.

Nach Informationen aus EU-Kreisen wechseln deutsche Krankenschwestern hauptsächlich nach Österreich und Luxemburg, wenn sie ins Ausland wollen. Europaweit gleiche Voraussetzungen würden es erleichtern, mobil zu sein. Auch die Arbeitgeber hätten mehr Sicherheit bei der Einschätzung der Bewerber. Wer schon Krankenschwester oder Hebamme ist, müsste das Abitur nicht nachholen.

Aus Deutschland kamen Lob und Kritik an dem Vorschlag. Gertrud Stöcker, Präsidentin des Deutschen Berufsverbands für Pflegeberufe, lobte die längere Schulpflicht als „Meilenstein für die Professionalisierung der Pflege“. Nach Stöckers Ansicht ist der Frauenberuf Pflege in Deutschland benachteiligt und kann mit den neuen Vorschriften attraktiver werden. Die Dresdner Hebamme Jessica Mustin, Zweite Vorsitzende des Sächsischen Hebammenverbands, sprach sich ebenfalls für zwölf Jahre Schulpflicht aus. Hebammen müssten heute „ein breiteres Basiswissen“ haben als vor zehn Jahren, sagte Mustin.

Dagegen lehnte Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) den Brüsseler Vorschlag als Verschärfung des Fachkräftemangels ab. Die Gewerkschaft Verdi stimmte zu. Ihr Sprecher sagte, eine gute Fachausbildung sei wichtiger als die gymnasiale Oberstufe. ..."


Von Georg Moeritz in der Sächsischen Zeitung unter http://www.sz-online.de/nachrichten/artikel.asp?id=2942453.
(s. auch http://www.pflegesoft.de/forum/index.php/topic,4834.msg12300.html#msg12300)

Winterliche Grüße!
Thomas Beßen
« Letzte Änderung: 20. Dezember 2011, 07:49:06 von Thomas Beßen »
Wer heute krank ist, muss kerngesund sein.

Offline IKARUS

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Re: "Krankenschwester nur noch mit Abitur"
« Antwort #1 am: 20. Dezember 2011, 14:45:32 »
Mit dem verlinkten Hinweis gemeinsam denke ich mir, dass wir aus der PFLEGE heraus klarstellen sollten, wer denn da überhaupt ein Abitur benötigt. Wer dann von den hochqualifizierten Pflegekräften in Leitungsfunktionen kommen wird. Wir müssen den potenziellen NeueinsteigerINNEN klarmachen, dass es mehrere unterschiedliche Pflegeprofessionen gibt.
Hier nur eininge: Pflegeassistenz, Pflegebegleitung für ..., Kranken-/Altenpflegehilfe, Kranken- und GesundheitspflegerIN [dreijährige Ausbildung], Fachkrankenpflege für .... .
Mittlerweile benötigt man für die Lehr- und Managementaufgaben ein Studium an einer Uni oder FH.
Über Vieles kann man diskutieren. Dazu braucht man aber einen langen Atem, den die Anderen [Politi, Fachgesellschaften] wollen das sinnvolle Ansinnen torpedieren.
Manche haben eine Höllenangst gegen die Akademisierung, denn die die gebildet sein werden, haben eine [meist] hervorragende Argumentationskompetenz.
Viel Vergnügen beim Streiten um und Verfogen von sinnvollen beruflichen Zielen, IKARUS

Offline Dottore

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Re: "Krankenschwester nur noch mit Abitur"
« Antwort #2 am: 20. Dezember 2011, 18:07:50 »
Ja, sicher. Das würden Abiturienten, denen die Universität und damit der Weg zu wesentlich besser bezahlten und konditionierten Jobs offfensteht auch tun. Ok, ich hab auch Abi, aber auch ich habe schonmal drüber nachgedacht "mein Reststudium" nachzuholen.

Also wenn die Pflege in Zukunft 2000€ netto Einstiegsgehalt vorweisen kann würden sich sicher einige Leute dazu hinreissen lassen.
Aber so....
« Letzte Änderung: 20. Dezember 2011, 18:28:01 von Dottore »
"Wer die Wahrheit ausspricht sollte sein Pferd gesattelt lassen."
"Nicht nur Unwissenheit ist ein Segen. Blind- und Taubheit tun es auch."

Offline IKARUS

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Re: "Krankenschwester nur noch mit Abitur"
« Antwort #3 am: 20. Dezember 2011, 20:29:35 »
Hi Dottore, ich denke nicht, dass es immer ums Geld geht, wenn sich Einige engagieren. Aber außer Acht lassen ist ja auch nicht. Für mich war früher das Geld Nebensache, es ging mir um den Patienten/die Sache. Das ist aber heute erheblich anders geworden. Im Zusammenhang mit der Akademisierung des Pflegeberufes geht es mir darum, dass es kompetente Menschen gibt, die an den Verhandlungstischen kompetent mitdiskutieren können. Früher war es doch oft so, dass die PFLEGE das bekam, was vom Tisch gefallen war oder gefegt wurde. "Nur RESTE!!!" Ich mag nicht mehr STREITEN, aber ich werde denen die streiten den RÜCKEN freihalten. An der Stelle sehe ich mich heute. Es ist auch meine Aufgabe klar zumachen, dass Mitarbeiter mit einer niederschwelligen Ausbildung mehr Respekt vor denen haben/aufbringen, die sich für uns aufreiben. Wir brauchen nicht nur Eliten in der PFLEGE, wir brauchen auch Wasserträger [so wie ich heute!]. Unser Nachwuchs soll für sich entscheiden was er möchte. bei entsprechender Allgemeinbildung auf die K-Leiter, mit anderen Qualitäten [wieder] ans Bett.
Kollegiale Grüße aus Essen, IKARUS

Offline Beate

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Re: "Krankenschwester nur noch mit Abitur"
« Antwort #4 am: 20. Dezember 2011, 22:10:29 »
Professionalisierung in der Pflege: eine tolle Sache. Man kann einfach nicht genug davon reden und handeln, es ist auch sehr wichtig, dass sich der/die Pflegende nach dem Examen "weiterentwickelt", d.h. soviele Konzepte, Fort - und Weiterbildungen besucht wie es geht. Denn ein breit gefächertes Fachwissen ist gold wert. Nur muß es auch dann entsprechend "honoriert" werden. Wenn ich daran denke, dass viele der Kollegen/innen eher keine Fortbildungen besuchen wollen, weil es keine "Gehaltserhöhung" gibt. Meine Meinung: wer sich weiterentwickeln will, der sollte auch in jeglicher Hinsícht unterstützt werden.
LG Beate

Offline lodda.odw

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Re: "Krankenschwester nur noch mit Abitur"
« Antwort #5 am: 21. Dezember 2011, 08:15:22 »
moin,
hatte dies gestern schon mal geschrieben aber anscheinend im falschen thread hinterlegt. daher hier nochmal:

Das von Seiten der Politik (Rösler)ein nein dazu kommt war zu erwarten, hat man doch erst vor einiger Zeit die Zugangsvoraussetzungen wieder gelockert um einem Fachkräftemangel entgegen zu wirken. Das Verdi sich aus Arbeitsmarktpolitischen Gründen auch dagegen ausspricht ist bedauerlich aber verständlich.

Ich selbst stehe der Forderung der EU-Kommission mit gemischten Gefühlen gegenüber! Einerseits werden die Anforderungen an exam. Pflegekräfte immer vielfältiger und komplexer, was sicher auch ein besseres Bildungsniveau erfordert.
Man muss sich nur mal die Durchfallquoten der letzten Jahre anschauen! Die Prüfungen wurden leichter(pers. Eindruck) und trotzdem fallen immer mehr Auszubildende mit gutem bis mittelmäßigem mittleren Bildungsabschluss durch. Von daher ist die Initiative nur zu begrüßen.

Andererseits wird diese Erhöhung der Zugangshürden den tatsächlichen Gegebenheiten konträr entgegenstehen. Welcher Abiturient wird für einen Hungerlohn in der Pflege arbeiten? Solange die Politik nur hinterherhechelt wird jede Veränderung der Zugangsvoraussetzungen als Schuss nach hinten losgehen. Verbesserungen bekommt man nicht mit politischen Lippenbekenntnissen und für "Umme". Die Pflege wird mit anderen akademischen Berufen nicht konkurieren können solange man im Gesundheitswesen das Spardiktat regieren lässt. Warum gibt es denn kaum noch Pflegepädagogikstudenten....

Ohne grundlegende Änderungen im Sozialsystem und ohne ein steuerfinanziertes Gesundheitswesen ist eine grundsätzlich zu begrüßende Höherqualifizierung der Pflege nicht zu haben. Die Ärzte lassen sich ihre Fleischtöpfe doch nicht einfach so wegnehmen....

Außerdem müsste für dies höherqualifizierte Pflegepersonal ein Unterbau geschaffen werden. Vorstellbar scheint mir eine einheitliche zweijährige Pflegegrundausbildung, Zugang mit mittlerer Reife, Verdienst wie momentan das Gehalt einer dreijährig-exam. Kraft. Das Tätigkeitsfeld würde nach der Ausbildung etwas höher angesiedelt sein als das einer derzeitigen Schwesternhelferin. Ein sehr guter Abschluss in der zweijährigen Ausbildung würde dem Abitur gleichgestellt und ermöglicht den Aufstieg in einen akademischen Beruf.

Für die akademische-medizinische Pflegeausbildung von 5 Jahren mit einem Praxisanteil von mind. 50% wäre dann eine Gehaltsvorstellung entsprechend einem Assistenzarzt denkbar. Der Aufgabenbereich läge dann z.B. in der prakt. Ausbildung der zweijährigen Auszubildenden, dem Administrativen und in der Behandlung leichterer medizinischer Fälle.....

Mit anderen Worten: wir bräuchten in Deutschland eine politische Revolution um tatsächlich in den Rahmenbedingungen etwas zu verändern. Die Chancen dazu wurden leider in 1989 verspielt.....

mit freundlichen Grüßen aus dem ODW


Offline IKARUS

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Re: "Krankenschwester nur noch mit Abitur"
« Antwort #7 am: 21. Dezember 2011, 10:42:53 »
Hallo Beate, ich finde es schade, dass es Menschen gibt die überwiegend mit dem Rechenblock durchs Leben laufen.
Ich gebe was, ich will was! Ich bin davon überzeugt, dass es Menschen gibt die sich weiterentwickeln, weil sie Spaß daran haben sich zu entwicklen, ohne auf den Geldbeutell zu sehen. Es ist aber auch wichtig, dass man für Arbeit richtig entlohnt wird. Dann kommt noch die gesellschaftliche Anerkennung hinzu, die beim Mitverdienen ausschlaggebend ist. Fragen wir doch mal (wen auch immer!!) was die Pflege wert ist. Wir bekommen unterschiedliche Antworten. Von egal (nicht Pflegebedürftige/deren Angehörige) bis viel zuwenig (Pflegebedürftige/deren[überforderte] Angehörige). Sicherlich, ich hätte auch gerne mehr KOHLE, aber wo soll die herkommen?
Aus diesem Grunde bin ich politisch aktiv und muss aber erkennen, dass die Gesellschaft [die politischen Mitstreiter] mir immer wieder den Bohrer aus der Hand nehmen, mir ein dickeres Brett voregen und den Bohrer wiedergeben mit einem erheblich kleineren Bohrer. So ist meine Realität. Dennoch höre ich nicht auf zu bohren. Es grenzt manchmal an die berühmte SISIPHUSARBEIT. Aber: wer aufgibt, der hat verloren! Keiner will mehr bezahlen - in die Kranken- und Pflegekasse, aber Viele wollen das maximale aus diesen sozialen Kassen herausholen wenn sie betroffen sind. Das ist nun wieder ein anderes Thema!
Wenn wir akademisch geschultes Fachpersonal haben, dann können diese an den VERTEILUNGSKÄMPFEN mitwirken. Denn: ES GEHT NUR UM DIE KOHLE!! Keiner will ab-geben, jeder möchte so viel wie möglich haben.
Eine pfiffige PDL [ich kennne welche!!] investiert in ihre MitarbeiterINNEN, so sie die Kohle hat, die sie vorher am Tisch erstritten haben muss. Da musste ein Chefarzt auf das neue Gerät verzichten, weil der Anteil des Krankenhausbudgets an den Pflegedienst ging. Sie hatte die besseren Argumente und bekam den Budgetzuschlag. So ist auch das Leben!
Sonnige Grüße aus Essen, IKARUS

Offline Beate

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Re: "Krankenschwester nur noch mit Abitur"
« Antwort #8 am: 21. Dezember 2011, 15:22:36 »
Hallo Ikarus,
ich pflichte dir bei, mit dem was du beschreibst. Ja, es ist schade, wenn man nur aufs Geld schaut. Icj gehörte auch zu den Menschen, die sich post Examen weiterentwickelt hat, sogar Fortbildungen selbst finanziert hat und noch dafür Erholungsurlaub nahm. Womit ich ein Problem bekam nach der Zeit, war folgendes: dass es einfach nicht honoriert wurde. Man kann doch nicht herkommen und allen das gleiche Gehalt bezahlen und die "Überengagierten" vergessen. Das finde ich nicht richtig.
Eine kleine Gehaltserhöhung für diejenigen, die sich sehr engagieren, Fortbildungen besuchen, Schüler/innen anleiten usw ist doch nicht zuviel verlangt, oder? Es heißt doch: gleiche Arbeit für gleiches Geld. Aber der besser ausgebildete Arbeitnehmer leistet bessere Arbeit.............
LG Beate

Offline IKARUS

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Re: "Krankenschwester nur noch mit Abitur"
« Antwort #9 am: 21. Dezember 2011, 19:37:51 »
Ja Beate, da klicken wir gleich, aber das mit dem Gehalt ist ja so eine Sache für sich. Du schreibst ein Wort, das mir auch einmal "um die Ohren gehauen wurde": "Herr .... verwechseln sie nicht Engagement mit Übereifer!" Mit meiner Arbeit habe ich die damalige PDL geforderte, eventuell überfordert. Auch wenn ich gute PDL´s kenne, so kenne ich auch Nieten in Nadelstreifen und Spitzenblusen, oder anders ausgedrückt: eininge kommen auf biologischem Wege in ihre Posten. Das ist aber heute immer schwieriger! Studium für Leitungskräfte in der Pflege.
Zum Thema Gehaltserhöhung: ich sehe das wie Du, aber das ist mit Konflikten innerhalb unserer Berufsgruppe verknüpft. Die die nicht lernen (wollen) erheben die gleichen Ansprüch wie die die viel und ständig hinzu lernen (wollen!!). Da kommen Neid und Mißgunst auf, aber nicht die Erkenntnis und die Anerkennunng für die Mitstreiter die sich engagieren. Unsere System gibt eine gerechte Bezahlung nicht her, was die Frage aufwirft: was ist eine gerechte Bezahlung ??
Ich habe heute einen anderen Focus bekommen [müssen!!]. Meine Konzentration ist heute außerhalb des Krankenhauses. Wenn ich am Krankenbett stehe konzentriere ich mich auf meine Arbeit. Wenn ich sie erledigt habe konzentriere ich mich auf meine Walzerfiguren. Heute ziehe ich eine freundliche aber klare Linie. Wenn mich jemand heute überholen will mache ich ihm/ihr Platz. Wenn meine berufliche Erfahrung gefragt ist, rufe ich sie ab und gebe sie preis. Dabei fühle ich mich heute wohl!
Gleich gehts wieder aufs Parkett. Quick! Quick! Slow!!
Tänzerische Grüße aus Essen, IKARUS

Offline Thomas Beßen

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Re: "Krankenschwester nur noch mit Abitur"
« Antwort #10 am: 22. Dezember 2011, 09:34:39 »
Diesen Kommentar von Katja Tichomirowa konnte man in der Frankfurter Rundschau vom 20.12.2011 lesen:

"Pflegeberufe aufwerten

Zwölf Jahre Schulausbildung sollten es schon sein, verlangt die EU. Wer Krankenschwester, Pfleger oder Hebamme werden will, möchte bitte diese Anzahl an Jahren in seine Allgemeinbildung oder eine berufsvorbereitende Fachausbildung investieren. Die persönlichen, fachlichen und intellektuellen Anforderungen in den Pflegeberufen seien gestiegen, argumentiert die EU-Kommission. Dem müsse man Rechnung tragen. In 24 von 26 EU-Staaten sind zwölf Schuljahre ohnehin Mindestanforderung. Nur Luxemburg und Deutschland handhaben es anders.
Die Brüsseler Forderung ist richtig. Der deutsche Versuch, dem Pflegenotstand durch Absenkung der Zugangsvoraussetzungen beizukommen, hat sich als untauglich erwiesen. Tatsächlich wird nur eine Aufwertung der Pflegeberufe die Lage entschärfen können. Die Attraktivität der Berufe ist allerdings nicht allein durch strengere Anforderungen an die Qualifikation zu steigern. Krankenschwestern, Pfleger und Hebammen gewinnt man, indem man ihnen deutlich bessere Arbeitsbedingungen und eine angemessene Bezahlung garantiert. Solange die Pflegeberufe eine ins Masochistische gesteigerte Bereitschaft zur Selbstausbeutung voraussetzen, lässt sich die Zahl der Bewerber kaum steigern. Zudem gilt es, die in Deutschland gepflegte Benachteiligung typischer Frauenberufe zu beenden."


Guten Morgen!
Thomas Beßen


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Offline IKARUS

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Re: "Krankenschwester nur noch mit Abitur"
« Antwort #11 am: 22. Dezember 2011, 13:17:58 »
Die Angleichung der Ausbildung zur Gesundheits- und Krankenpflege [GKP] ist sehr sinnvoll. Geht es doch auch um die Vergleichbarkeit innerhalb der EU. Es sollte aber noch deutlicher heruasgestellt werden, dass nicht alle GKP´s eine Vollausbildung absolvieren (müssen). Es gibt auch Aufgaben innerhalb des Pflegedienstes, die von MitarbeiterInnen durchgeführt werden können, die eine niederschwellige Ausbildung (1 Jahr oder gar nur 6 Monate) absolviert haben. Für Viele ein unserer Berufsgruppe aber vorallem in der Gesellschaft ist Pflege gleich Pflege.               "DAS BISCHEN PFLEGEN SAGTE MEINE KANZLERIN KANN DOCH JEDER"
Hier ist die Berufsgruppe gefordert für Klarheit zu sorgen. Die Unterschiedlichkeit im Beruf hat aber nichts damit zu tun, wie wir innerhalb der Berufsgruppe miteinander umgehen. Respekt sollte auch einer Mitarbeiterin gezollt werden, wenn sie "nur" eine 6-monatige Ausbildung absolvieren konnte. Respektvolle Grüße, IKARUS

Offline Dottore

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Re: "Krankenschwester nur noch mit Abitur"
« Antwort #12 am: 26. Dezember 2011, 20:10:05 »
Denn ein breit gefächertes Fachwissen ist gold wert. Nur muß es auch dann entsprechend "honoriert" werden. Wenn ich daran denke, dass viele der Kollegen/innen eher keine Fortbildungen besuchen wollen, weil es keine "Gehaltserhöhung" gibt. Meine Meinung: wer sich weiterentwickeln will, der sollte auch in jeglicher Hinsícht unterstützt werden.

In Australien wird es honoriert. Man kann sogenannte "degrees" und "graduations" machen, die dann auch i.d.R. Gehaltserhöhungen nach sich ziehen.
Und das rechnet sich. Hier rechnet sich ja nicht mal die 3jährige Fortbildung zur Fachpflege.

...Hi Dottore, ich denke nicht, dass es immer ums Geld geht, wenn sich Einige engagieren....
Ja Beate, da klicken wir gleich, aber das mit dem Gehalt ist ja so eine Sache für sich. Du schreibst ein Wort, das mir auch einmal "um die Ohren gehauen wurde": "Herr .... verwechseln sie nicht Engagement mit Übereifer!" ...
...Zum Thema Gehaltserhöhung: ich sehe das wie Du, aber das ist mit Konflikten innerhalb unserer Berufsgruppe verknüpft. Die die nicht lernen (wollen) erheben die gleichen Ansprüch wie die die viel und ständig hinzu lernen (wollen!!). Da kommen Neid und Mißgunst auf, aber nicht die Erkenntnis und die Anerkennunng für die Mitstreiter die sich engagieren. Unsere System gibt eine gerechte Bezahlung nicht her, was die Frage aufwirft: was ist eine gerechte Bezahlung ??

Mein lieber Idealist, ich hab so das Gefühl, dass Du noch ein stück jünger bist als viele Deiner Kollegen...Nichts gegen ne gute Portion Idealismus, die täte vor allem so manchen in der Chefetage gut...aber Idealismus zahlt keine Miete (Gas, Wasser u. Strom), Auto, Benzin, Versicherungen, Nahrung, Telefon, Nahrung, usw.  Und evtl. möchtest Du auch mal eine Familie gründen und Kinder kosten auch Geld.
Und da stößt man mit dem Krankenpflegegehalt und seit 2002 mit dem (T)Euro doch schon mal an gewisse Grenzen, vor allem, wenn man doch mal in den Urlaub fahren möchte, oder die Jahresinspektion für das Auto ansteht, etc.

Zumal die Gehälter nicht mit den Preisen der "gefühlten Inflation", und nur auf die kommt es an, mitgewachsen sind. Naja noch scheinst Du Deine Flügel zu haben, lieber Ikarus, aber Du weisst sicher, wie die Sage ausgegangen ist.
« Letzte Änderung: 26. Dezember 2011, 20:49:10 von Dottore »
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Offline Dottore

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Re: "Krankenschwester nur noch mit Abitur"
« Antwort #13 am: 26. Dezember 2011, 20:47:56 »
doppelte Post! Entschuldigung!
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Offline IKARUS

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Re: "Krankenschwester nur noch mit Abitur"
« Antwort #14 am: 27. Dezember 2011, 10:49:57 »
Hi Dottore, es mag ja sein, dass ich als Idealist herüberkomme. Dem ist aber anders!! Im Kontakt mit den Patienten bin ich sehr engagiert. im Kontakt mit den Kollegen bin ich [heute] bereit mein Fachwissen preiszugeben, wenn es gewünscht/gefragt ist. Im Umgang mit meinen Vorgesetzten bin ich eher ein Kotzbrocken. Da geht es mir um die Durchsetzung von Zielen, damit meine Station "läuft". Ich habe mir auch die Verwünschung anhören müssen: "verwechseln sie Engagement mit Übereifer nicht!" Immer wenn ich dafür sorgen das Kosten eingespart werde bin ich ein toller Stationspfleger, immer wenn ich Personal und Sachen einfordere, weil die aktuelle Lage es erfordert [ich kanns ja nachweisen!!] bin ich lästig und übereifrig. Da habe ich mir meine Strategie angelegt, mit der ich heute klar komme. Beliebt sein will ich auf der Tanzfläche, am Arbeitsplatz sollen mich alle nur respektieren.
Tänzerische Grüße, IKARUS