Autor Thema: Häusliche Gewalt - Unerkanntes Leid  (Gelesen 1972 mal)

Offline Thomas Beßen

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Häusliche Gewalt - Unerkanntes Leid
« am: 31. März 2010, 14:03:32 »
Von Katja Schmidt in http://www.fr-online.de/frankfurt_und_hessen/nachrichten/hessen/?em_cnt=2486716&:

"Immer wieder wurde die Frau behandelt. Mehrfach unterzog sie sich Operationen. Doch die Unterleibsschmerzen hielten an. Dass die Patientin Opfer von Gewalt in ihrer Beziehung war, erkannte niemand. Die medizinische Hilfe nahm diese mögliche Leidensursache gar nicht in den Blick.

Solche und ähnliche Geschichten bekommt das Team im Frauenhaus Kassel immer wieder zu hören. Das Problem beschränkt sich jedoch keinesfalls auf die nordhessische Großstadt: Jede vierte Frau in Deutschland erfährt mindestens einmal im Leben Gewalt durch einen Partner oder Ex-Partner, belegt eine Studie des Bundesfamilienministeriums. Rund ein Drittel der betroffenen Frauen leben mit wiederholten Übergriffen. Und das Gesundheitssystem ist viel zu wenig darauf vorbereitet.

In Kassel allerdings gibt es einen Lichtblick: Das kommunale Klinikum beteiligt sich an einem Projekt namens SIGNAL, das die Hilfe für Opfer häuslicher Gewalt verbessern soll. In gut drei Jahren wurden rund 200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter - vor allem Pflegekräfte (Betonung durch ThoBe), in geringerem Umfang auch Ärzte - für das Thema geschult, sagt Koordinatorin Anja Gerhard-Mehl. Im Frühjahr soll eine neue Qualifizierungsrunde starten.

In den Schulungen geht es um Praxis und Basiswissen: Die Beschäftigten lernen, dass Akademikerinnen genauso von häuslicher Gewalt betroffen sein können wie Frauen aus sozialen Randgruppen. Sie üben in Rollenspielen, das heikle Thema bei jeder Patientin anzusprechen, die mit Verletzungen eintrifft.

Das Gesprächsangebot ist wichtig - aber es soll nicht diskriminieren. "Wir erleben häufig, dass Verletzungen von anderen Personen verursacht wurden. Wir haben uns deshalb angewöhnt, jede Patientin zu fragen", sind die einleitenden Sätze, die trainiert werden, erklärt Gerhard-Mehl. Dann folge die konkrete Frage an die Patientin, ob es "sein kann", dass auch sie von einer anderen Person verletzt wurde - und dann die Frage, ob es der Partner war.

Doch damit ist es längst nicht getan, betont Gerhard-Mehl. "Häufig kommen die Frauen in Begleitung ihrer Partner", berichtet sie. Auch auf diese Situation werden die Pflegekräfte vorbereitet. Sie üben, wie sie trotzdem allein mit der Patienten sprechen können. Sie lernen aber auch, dass die Betroffene die Kontrolle über ihre eigene Situation behalten muss. "Wir wissen, dass Frauen, die aktiv werden, besonders gefährdet sind", sagt die Pflegewirtin. Die Betroffene entscheide, ob sie sich gegen ihren Peiniger wehren will oder nicht.

Das gilt auch für Beweise: Das Klinikum bietet an, Verletzungen gerichtsverwertbar zu dokumentieren. Das Material wird hinterlegt. Will die Frau es nicht verwenden, passiert gar nichts. ..."


Siehe auch: http://www.fr-online.de/frankfurt_und_hessen/nachrichten/hessen/2486717_Juergen-Banzer-im-Interview-Wir-wollen-nicht-die-glaeserne-Familie.html.

Grüße allseits!
Thomas Beßen
Wer heute krank ist, muss kerngesund sein.

Offline dino

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Re: Häusliche Gewalt - Unerkanntes Leid
« Antwort #1 am: 31. März 2010, 15:50:30 »
Im Zuge der Gleichberechtigung sollte man auch erwähnen, dass es auch häusliche Gewalt gegen Männer gibt. Könnte vielleicht seltener sein, da nicht so oft erfasst, aber hier könnte auch der Stolz eine Rolle spielen.