Autor Thema: Ausarbeitung: Darmeinläufe und Klistiere  (Gelesen 28039 mal)

ece86

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Ausarbeitung: Darmeinläufe und Klistiere
« am: 24. April 2007, 16:42:11 »
Einläufe und Klistiere

1. Definition:


Ein Klistier ist ein Instrument zur Einleitung von Flüssigkeit in den Mastdarm (Rektum). Das Wort Klistier, lässt sich von dem griechischem wort Klysteer= der Spüler und Klysterion= Reinigung ableiten. Mit Hilfe von Darmeinläufen oder Klistieren kann eine darmreinigende Stuhlentleerung ausgelöst werden. Je nach Indikation können Darmeinläufe z.B. oral oder als Suppositorien zu verabreichenden Laxantien, Kombiniert werden.


2. Unterschieden werden:

1.   Klistiere
1.1    Klistierpumpe
1.2    Irrigartor
1.3    Birnspritze
1.4    Einmalklistier
1.5    Mikroklistier
2.   Reinigungseinlauf
3.   Schwenkeinlaug
4.   Darmspülung
5.   Digitale Ausräumung
6.   Hoher Einlauf
7.   Orthogade Spülung


3. Wirkungsmechanisme:

Mechanischer Reiz: Bereits das Einführen eines Darmrohres stellt einen mechanishcen Reiz dar. Die einlaufende Spülflüssigkeit dehnt die Darmwand, so dass die dort befindlichen Dehnungsrezeptoren eregt weden. Folge ist eine verstärkte Peristaltik in Dickdarm und Rektum. Als eine Richtlinie für die Menge der Spülung gilt:
                    - Erwachsene 1000- 2000 ml
   Hierbei muss aber auch stets der individuelle Zustand des Pat. Berücksichtigt werden.
Thermischer Reiz: Je kühler die Spülflüssigkeit, desto größer der thermische Reiz. So führt eine Temperatur von 32- 35°C zu einer Hyperistaltik und hat somit abführende Wirkung, sie verursacht jedoch gleichzeitig schmerzhafte Krämpfe. Um diese zu vermeiden, sollten nur körperwarme Spülflüssigkeit verwendet werden.
Chemischer/osmotiescher Reiz: in der Regel besteht die Flüssigkeit für Einläufe aus Leitungswasser ohne Zusätze. Gelegentlich werden pro Liter Spülflüssigkeit Absprache mit dem Arzt 2- 5 ml Kamillenextrakt, 20 ml Glycerin, 5- 20 ml Rizinusöl oder 9g Kochsalz. Diese Zusätze üben einen chemischen  Reiz auf die Darmschleimhaut  aus, auf den diese mit verstärkter Sekretion reagiert, oder ziehen osmotisch Wasser an. Fertigklistiere enthalten in der Regel Glyzerin, Sorbit oder salinische Zusätze.


4. Indiktionen und Kontraindikationen

Indikation:   - Entleerung, Anregung der Darmperistaltik nach OPs (ACHTUNG: nicht bei Darm OPs)
         - Opstipationen
         - Endoskopie
         - vor allen OPs im bereich des Magen- Darm- Traktes
         - vor der Verabreichung von Röntgen- und Kontrastmittel

Kontraindikation:   - akutes und unklares Abdomen
                      - drohender Abort
            - Fistel, z.B. Scheidenmastdarmfistel


Zu 1.1 Klistierpumpe:
 
Zur einfachen Selbstanwendung haben sich sogenannte  Klistierpumpen (z.B. Reprop Clyster, Russka lyso-Pumpen) bewährt, mit denen auf einfache Weise Flüssigkeiten in den Enddarm gepumpt werden können. Mit der Russka Klyso-Pumpe ( z.B. Waschbecken) angesaugt und mit Hilfe einer Handpumpe in den Darm transportiert. Bei Reprop Clyster iste der Flüssigkeitsbehälter (750ml) bereits ein Bestandteil des Gerätes. Klistierpumpen ermöglichen die Einfuhr einer ausreichenden Wassermenge, was wichtig ist,  um die Entleerung des Enddarms rasch und gezielt herbeizuführen. Wer eine rektale Spülung durchführen will, füllt vorerst den Behälter mit Leitungswasser und steckt die Bestandteile des Gerätes zusammen. Danach setzt er sich auf die Toilette oder legt sich auf den Rücken, führt das Darmrohr in den Enddarm ein um nach seinem persönlichem Rhythmus zu pumpen.


Zu 1.2 Irrigartor
 
Beim Irigartor-Einlaufsystem wird die Einlaufflüssigkeit mittels eines Irrigartors (Behälter oder Faltbeutel) verabreicht, der relativ zum Pat. erhöht aufgehängt wird und daher über einen entsprechend langen Schlauch verfügt. Durch die erhöhte Position des Irrigartors wird ein Gefälle und somit ein hydrostatischer Druck erzeugt, so dass die Flüssigkeit in den Enddarm einfließen kann.


Zu 1.3 Birnsprize
 
Bei der sogenannten Birnspritze aus Kautschuck-Gummi wird durch Zusamendrücken des Druckballs (ca. 200-400ml) Wasser in den Enddarm gepresst.


Zu 1.4 Einmalklistier
 
Salzige Einmalklistiere werden in Spitälern vom Pflegefachpersonal eingesetzt und werden auch als kleine Einläufe bezeichnet. Bei der Selbst-Anwendung erwiesen sie sich allerdings als umständlich. Einmalklistiere bestehen aus einem mit einer Rektalkanüle bestücktem Plastikbehälter mit einer einlaufflüssigkeit (ca. 120-150ml). Die PP muss mit fester Hand die Lösung aus dem Plastikbehälter pressen. Einmalklistiere sind für den Einmalgebrauch bestimmt, d.h. sie werden nach der Anwendung entsorgt. Nach Einlauf der Lösung in das Rektum muss sich der Pat. bemühen, die hochkonzentrierte Lösung, die den einen Einstrom von Flüssigkeit in den Darm durch Osmose bewirkt, einige Zeit (10-20min.) zurückzuhalten. Nach Eintritt der Wirkung kann aufgrund der osmotischen wirkung noch während mehrerer Stunden wiederholt zu wässrigen Stuhlgängen kommen. Einmalklistiere dürfen wie osmotische wirksame Abführmittel nur sporadisch und kurzzeitig angewendet werden, denn die Einlaufflüssigkeit kann im Körper Störungen im Wasser- und Mineralhaushalt verursachen. Durch ihre Hochkonzentrierte Salzlösung können sie zudem die Darmschleimhaut reizen.


Zu 1.5 Mikroklistiere:

Mikroklistiere werden häfig für Kinder gebraucht. ein solches Mikroklistier enthält 5ml hochkonzentriertes dickflüssiges Salz und wird auch gebrauchsfertig mit Applikation angeboten. Es gibt auch spezielle gebrauchsfertige Mikroklisitere mit Antikonvulsiva zur Unterbrechung akuter epileptischer Anfälle. Diese beinhalten in der Regel 5ml oder 10ml des jeweiligen Arzneimittels und werden auch bei Erwachsenen eingesetzt.


Zu 2. Reinigungseinlauf:

Material:

Irrigartor (2 Liter Fassungsvermögen) mit langem, großlumigen Schlauch (1,5m lang)
Evtl. Aufhängevorrichtung
Darmrohr
Gleitmittel
2 Klemmen
Nierenschale mit Zellstoff
Waserdichtee Unterlage
Handschuhe
Abwurfbehälter
ggf. Nachstuhl


Voebereitung:

Ein Einlauf stellen einen Eingriff in die Intimsphäre des Pat. dar. Für den Pat. ist es schlimm genug, in dieser von ihm als erniedrigend empfundenen Situation von PP umgeben zu sein. Noch schlimmer ist aber die Angst bzw. das Schamgefühl des Pat. nicht zu verstärken, sollte der Eingriff nicht im Zimmer statt finden, sondern in einem seperatem Raum z.B. Bad mit Liege oder Toilette.
Da der Raum wegen evtl. Komplikationene nicht abgeschlossen werden darf, sollte ein Schild an der Tür darauf aufmerksam machen, dass der Raum gerade benutzt wird und der Zutritt für nicht medizinisches Personal verboten ist.
Der Raum muss so warm sein, dass der teilentkleidete Pat. nicht friert.


Vorbereitung der Materialien:


alle Materialien af einer Ablagefläche bereitstellen
Spitze des Darmrohres einfetten dabei die Austrittsöfnung für die Spüllösung nicht verstopfen
Irrigartor bei abgeklemmten Schlauch erst füllen, wenn der Pat. richtig gelagert ist, da die Spülflüssigkeit sehr schnell abkühlt. Alternativ Irrigartor überprüpfen und ggf. korrigieren. Klemme zum entlüften des Schlauches bis zum Austritt von Spüllösung öffnen, dann wieder schließen.


Dürchführung:

Pat. flache Linksseitenlage mit leicht angezogenen Knien einnehmen lassen, den Kopf mit einem Nackenkissen unterstützen.

Wasserfeste Unterlage unter das Gefäß legen
ggf. Irrigartor mit körperwarmer Spülflüssigkeit füllen
Handschuhe anziehen
Darmrohr abklemmen
Anus inspizieren, ihn vor allem bei Hämorrhioden eicht spreizen, da mit das Darmrohr in das Darmlumen gelangt und nicht in den hmorrhoiden bedingten Fältelungen stecken bleibt
Darmrohr vorsichtig unter drehenden Bewegungen 10-20cm einführen, Pat. dabei leicht wie zum Stuhlgang pressen lassen. Bei Wiederstand Darmrohr zurückziehen und erneut versuchen
Darmrohr mit dem Schlauch des Irrigartors verbinden
Pat. auffordern, ruhig ein- und auszuatmen
Klemmen öffnen
Spülflüssigkeit einlaufen lassen. Dabei den Irrigartor langsam von Pat.niveau um ca. 50cm naheben. Empfindet der Pat. den Druck zu stark, Irrigartor niedriger halten bzw. hängen. Bei Schmerzen oder Kreislaufreaktion Einlauf abbrechen
Irrigatorsystem und Darmrohr abklemmen, wenn der Pat. angibt, das Wasser demnächt nicht mehr halten zu können oder wenn der Irrigartor leer, das Schlauchsystem aber noch mit Spüllösung gefüllt ist
Irrigatorsystem über der Unterlage vom Darmrohr trennen (meist tritt trotz des Abklemmens eine geringe Menge Spülflüssigkeit aus dem Darmrohr aus) und auf der Ablagefläche abstellen
Darmrohr entfernen, dabei die Darmrohrspitze mit Zellstoff umfassen, damit keine Spülflüssigkeit auslaufen kann. Das Darmrohr vorsichtig zusammenlegen, den Handschuh drüberstreifen und sofort, in den Müll entsorgen
Pat. auffordern, die Spülflüssigkeit min. 5 Min. zu halten und dabei möglichst herumzulaufen
Irrigatorsystem zur Desinfektion in Instrumentendesinfektionsmittel einlegen
restliche Materialien entsorgen
Abstellfläche und ggf. Liege desinfizieren und reinigen
Maßnahme dokumentieren


Zu 3 Schwenkeinlauf (Hebe- oder Schwenkeinlauf)

Der Schwenkeinlauf unterscheidet sich vom Reinigungseinlauf nur darin, dass das Darmrohr nicht sofort entfernt wird, wenn die Spülflüssigkeit eingelaufen ist, sondern dass der Irrigator dann unter Patientenniveau gehalten wird, so dass die Spülflüssigkeit in den Irrigator zurückfließt. Anschließend wird der Irrigator wieder über Patientenniveau gehalten. Dieser Vorgang wird wiederholt, bis die Flüssigkeit bräunlich getrübt ist oder genügend Darmgase abgegangen sind (erkennbar am Gurgeln der Spülflüssigkeit im Irrigator)
Da der Schwenkeinlauf sehr kreislaufbelastend ist, sollte der Pat. gut beobachtet werden.


Zu 4 Darmspülung:

Die Darmspülung ähnelt dem Reinigungseinlauf. Sie unterscheidet sich von ihm durch die größere Spülmenge von bis zu 5l und ein Y-Stück am distalen Ende des Darmrohres für den Zuflußschlauch (Irrigatorsystem) und einen Abflußschlauch. Der Abflußschlauch mündet in ein Auffanggefäß.
Statt der gesamten Flüssigkeitsmenge lässt die PP bei der Darmspülung zunächst nur 100-200, bei guter Verträglichkeit bis zu 400ml in den Darm einlaufen (der Abflussschlauch muss dabei abgeklemmt sein). Anschließend klemmt die PP das Irrigatorsystem ab und öffnet die Klemme am Abflußschlauch, so dass die Spülflüssigkeit in das Auffangsystem abfließen kann. Dieser Vorgang wiederholt sich, bis saubere Flüssigkeit abfließt.


Zu 5 Digitale Ausräumung

Die manuelle Entleerung der Rektumampulle ist nur angezeigt, wenn alle anderen Maßnahmen zur Darmentleerung keine Wirkung zeigen, außerdem bei Pat. mit Querschnittslähmung. Sie ist für den Pat. sehr unangenehm und meist auch sehr schmerzhaft. Der Pat. wird am Bettrand auf der linken Seite gelagert und die PP bzw. der Arzt räumt dann mit einem durch Handschuh und Fingerling geschützten Finger den Kot, oft in Form von sehr harten Kotsteinen, vorsichtig aus.


Zu 6 hoher Einlauf

Beim hohen Einlauf wird im Vergleich zum Reinigungseinlauf eine etwas größere Menge an Flüssigkeit in den Darm eingebracht. Dieser Einlauf wird überwiegend als Vorbereitung für Untersuchungen oder zur OP Vorbereitung angewendet, da auch höhere Darmabschnitte mit Spülflüssigkeit erreicht werden. Häufig werden abführende Zusätze zugegeben so dass es zu Bauchkrämpfen oder bei kreislauflabilen Pat. zu hypotonen Reaktionen kommen kann. In jedem Fall handelt es sich um einen sensiblen Eingriff in die Intimsphäre des Pat. Der Einlauf wird von den meisten Pat. als sehr unangenehm empfunden.
Indikation: - bei besonders hartnäckiger Verstopfung
      -vor Untersuchungen z.B. Rektoskopie, Sigmoidoskopie
      -vor Kontrastmitteluntersuchungen des Darmes z.B. Colonkontrasteinlauf
      -vor Operationen im Bauchraum
Spülflüssigkeit: Für einen hohen Einlauf benötigt man je nach körperlicher Verfassung unterschiedliche Mengen an Spülflüssigkeit. Als Faustregel kann hier ein Wert von ca. 25ml/kg Körpergewicht angenommen werden.
Folgende Mengen haben sich in der Praxis bewährt:

Säugling:      50-80ml
Kleinkinder:      300-500ml
Schulkinder:      500-800ml
Jugendliche:      800-1500ml
Erwachsene:      1500-2000ml

Lagerung: -Pat. liegt mit leicht angewinkelten Knien zu Beginn in linker Seitenlage und dreht sich nach der Hälfte des Einlaufs auf die rechte Seite
Oder nimmt eine Knie- Ellenbogenlage ein.


Zu 7 Orthograde Spülung:

Definition: Spülung des Gastrointestinaltrakts mittels einer Sonde

Indikation: -Magen-Darm-OPs
      -vor Colos

Material: -Schutztuch
      -Zellstoff
      -Nierenschale
      -Einmalspritze zum Aspirieren
      -Sonde
      -Stetoskop
      -Pflaster
      -10-12l Flüssigkeit
      -Infusionsbesteck
      -RR-Apparat
      -Bilanzblatt
      -Nachtstuhl
      -Einmalhandschuhe
      -Infussionsständer

Durchführung: -Pat. informieren
         -Zahnprothese entfernen
         -Sonde legen
         -Spülflüssigkeit erwärmen
         -3-4 Liter/Stunde durchlaufen lassen, nicht langsamer da die Gefahr der Rückresorption besteht
         -RR- und Puls Kontrolle auf Bilanzzettel eintragen
         -Pat. muss bequem sitzen
         -Klingel muss erreichbar sein
         -Pat. warm halten
         -Pat. gut beobachten
         -Einfuhr und Ausfuhr beobachten


Dauer: 2-4 Stunden

Bei Erbrechen, Spannungsgegühlen und Schmerzen Spülung abbrechen. Ein Antiemetikum spritzen. Viertel Stunde warten und nochmals beginnen. Bei wiederholten Zwischenfällen Arzt befragen.


Vorteile - keine Nahrungskarrenz schon tage vorher nötig
      -Pat. darf bis zum Vorgang essen


Nach der Spülung: Elektrolye kontrollieren


Nachbereitung: Magensonde entfenen
         -Pat.ins Bett bringen
         -nichts mehr zu essen geben
         -Trinken, nach ärztlicher angabe
      
« Letzte Änderung: 15. Juni 2007, 10:33:53 von Thomas Beßen »

Offline Thomas Beßen

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Re: AUsarbeitung: Darmeinläufe und Klistiere
« Antwort #1 am: 25. April 2007, 10:46:28 »
Hallo "ece86",
falls Sie schon die Prozedur des Editierens* von Forum-Einträgen kennen, so ergänzen Sie doch bitte Ihren guten Beitrag um die entsprechenden Quellenangaben. So bleiben Sie/wir auf der rechtlich sicheren Seite und andere UserInnen haben noch mehr von Ihrer sehr ausführlichen und prima strukturierten Ausarbeitung...
Sommerliche Grüße!
Thomas Beßen

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« Letzte Änderung: 25. April 2007, 11:09:58 von Thomas Beßen »
Wer heute krank ist, muss kerngesund sein.