Autor Thema: Themenbereich 8.2 - Einreibungen, Wickel, Wärme- und Kälteanwendungen  (Gelesen 9548 mal)

nonius

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Einreibungen, Wickel, Wärme- und Kälteanwendungen


Einreibungen

•   Ziel
•   Indikationen
•   Vorbereitung
•   Durchführung
•   Nachbereitung



Atemstimulierende Einreibung

Die Atem stimulierende Einreibung führt zu einer besseren Atmung des Patienten. Sie soll beruhigend und entspannend wirken und zur besseren Körperwahrnehmung führen.

Indikationen, bei welchen Erkrankungen ist die Anwendung sinnvoll?

•   Patienten mit Atemstörungen (Ateminsuffizienz)
•   Patienten mit Schonatmung bedingt durch Schmerzen
•   Patienten vor und nach operativen Eingriffen

Zur Vorbereitung benötigt man nur eine unparfümierte Wasser-Öl-Lotion.


Durchführung

Der Patient ist zunächst über die ihm zugedachte Maßnahme zu informieren (das gilt auch für bewusstlose Patienten).
Der Zeitpunkt der Maßnahme ist mit dem Patienten abzustimmen. Die Pflegeperson sollte sich bei der Durchführung in Ruhe dem Patienten zuwenden können.
Die örtlichen Bedingungen müssen der Maßnahme angepasst werden. Die Fenster und Türen sind zu schließen und die Besucher sind aus dem Zimmer zu bitten.
Kleidungsstücke, die den Handlungsablauf stören könnten, sind behutsam zu entfernen. Dabei ist eine gewisse Intimsphäre zu beachten, für Sichtschutz und Ruhe im Zimmer zu sorgen.
Die Hände sind nach den geltenden Hygieneplan zu desinfizieren. Die Pflegekraft unter-stützt den Patient eine bequeme und sitzende Haltung einzunehmen.
Die Arme auf den Nachttisch aufstützen oder erfragen, welche Möglichkeiten seine be-queme Haltung unterstützen (eigene Vorstellungen des Patienten). Bei immobilen Patien-ten kann man mit Lagerungstechniken arbeiten. Z:B. eine 135 °-Lagerung anwenden.
Die Pflegekraft nimmt ein paar Spritzer Lotion und verreibt sie zwischen den Händen, da-durch wird die Lotion erwärmt. Die Verteilung der Lotion auf den Rücken des Patienten erfolgt von oben nach unten.
Dabei sollte der Patient nicht sprechen und sich auf die Behandlung konzentrieren. Die Hände der Pflegeperson werden auf der Schulter des Patienten abgelegt, Finger und Daumen liegen aneinander, die gesamte Handfläche ruht auf der Haut des Patienten, die Hände gleiten in Kreisbewegungen nach unten. Dabei üben die Daumen und Zeigefinger einen sanften Druck aus. Während der Atmungsphase wird beidseits der Wirbelsäule ein leichter Druck ausgeübt und der Beginn der Kreisbewegung nach außen beschrieben. Der Druck wird langsam reduziert, so dass während der Einatmung der Kreis in Richtung Wir-belsäule ohne Druck geschlossen wird.
Die Bewegungen sind in dieser Weise bis zum unteren Rand des Brustkorbes auszufüh-ren, anschließend sind die Hände nacheinander zu lösen und auf den Schultern zur Aus-gangsposition zurückzulegen.
Fünf- bis achtmal im gleichmäßigen Atemrhythmus wird der gesamten Rücken eingerie-ben. Zum Abschluss erfolgt ein Ausstreichen vom Nacken bis zum Steißbein. Danach ist der Rücken warm zu zudecken und den Patienten ruhen zu lassen.


Nachbereitung

Der Patient ist bei der Rücklagerung zu unterstützen. Es ist zu erfragen, ob er noch Wün-sche hat. Die gebrauchten Materialien sind fach -und sachgerecht zu entsorgen.


Kontrolle

Hat der Patient Ruhe? Ist er gut zugedeckt?

Zum Schluss ist die Maßnahme im Pflegebericht mit Datum, Uhrzeit und Handzeichen zu dokumentieren.



Warme, heiße Wickel und Auflagen und ihre Wirkungen

•   Grundsätzliches
•   Anwendungsbeispiele
•   Kontraindikationen
•   Besondere Betrachtungen


Wickel werden unterschieden in Ganzkörper- oder Teilwickel, die sich nur auf ein be-stimmtes Körperteil beziehen. Hierbei werden ein oder mehrere Tücher zirkulär angelegt. Sie können feucht oder mit einer Substanz bestrichen unterschiedlich temperiert sein. Ein Außentuch, das den eigentlichen Wickel umhüllt, dient als Wärmeschutz und Halt. Aufla-gen werden vielfach in Form von Kompressen, Umschlägen, Salbenlappen etc. aufgelegt (Z.B. auf bestimmte Organgebiete). Die Anwendung erfolgt zum besseren Halt auch oft zirkulär.

Merke: Anwendungen erfolgen stets in ärztlicher Absprache! Dies muss auch im Pflegebericht dokumentiert werden.


Grundsätzliches

Anwendung im Bett, im warmen Zimmer. Fenster schließen und Zugluft vermeiden. Zim-mer schließen, Zimmer mit Hinweißschild versehen mit der Aufschrift “Bitte nicht stören, Wickelanwendungen”.

Vor der Durchführung Patient noch einmal auf die Toilette bitten. Vor der Anwendung ist sicher zu stellen, dass der Patient im Bett liegt. Er sollte zur Ruhe kommen und die nötige Körperwärme entwickeln. Er darf keine kalten Füße haben. Falls diese kalt sind, so sollten sie erwärmen werden bzw. sollten Socken angezogen werden.
Keine kalten Wickel an kalten Körperstellen!
Nach der Anwendung ist eine Nachruhe von 30 Minuten einzuhalten. Eine günstige Zeit ist auszuwählen (Z.B. in der Mittagsruhe oder nach Therapien).


Welche Materialien werden benötigt?

Eine Arbeitsfläche nahe dem Bett, 2 Schüsseln, Innentücher aus Baumwollstoff, Außentü-cher aus Baumwolle oder Molton (Stecklaken, Handtücher), Wärmflaschen, Thermoskan-nen mit heißem Wasser.

Wärme und Kälteanwendungen beruhen auf physikalisch-hydrotherapeutischen-psycho-sozialtherapeutischen und pharmakologisch-phytotherapeutischen Grundlagen sowie auf der Basis von kutiviszeraler Reflexe (cutis = Haut, viszeral = die Eingeweide betreffend).

Darüber hinaus sind sie abhängig von der Ablikationsfläche, dem Durchblutungsgrad der betreffenden Körperpartie und der Dauer der Anwendung.
Z.B. es kommt bei einem kühlenden Wadenwickel, der ca. 10 Minuten angelegt ist, zum Wärmeentzug.
Ein kalter Kneipp-Strumpf, der mehrere Stunden angezogen ist, führt zu einem gewollten Wärmestau.
Es macht Sinn, sich erst einmal mit der Frage auseinander zu setzen, was warme, kalte, heiße Wickel und Auflagen eigentlich bewirken. Wann ist eine Anwendung sinnvoll, wann nicht?

Wärme erweitert die Blutgefäße und regt die Durchblutung an, es entsteht eine Hy-perthermie. Durch den angeregten Stoffwechsel wird die Ausscheidung von Schlackestof-fen gefördert. Wärme löst Verkrampfungen, entspannt die Muskeln und lindert chronische Schmerzen. Bei einer Entzündung mit Eiterbildung, fördert sie den Reifeprozess.

Typische Anwendungsbeispiele sind bei;
•   Krämpfen bei Magen- und Darmverstimmungen
•   Nieren-Blasen-Gallenkoliken
•   Menstruationsbeschwerden
•   Blähungen
•   Muskelverspannungen
•   Husten
•   Bronchitis
•   Ohrenschmerzen
•   Stirn- und Kieferhöhlenentzündungen
•   Gelenkentzündungen
•   chronische Polyarthritis
•   Fingerumlauf, Furunkel

Wenn die Wärme besonders lange gehalten werden soll, kann eine Substanz mit spezifi-scher Wirkung zugeführt werden (Kartoffeln, Leinsamen).


Kontraindikationen

Vorsicht ist geboten bei Patienten mit Herzinsuffizienz und mit niedrigem Blutdruck. Bei Säuglingen und kleinen Kindern dürfen keine heißen Wickel angewendet werden. Diese dürfen nur so temperiert sein, dass man sie mit den Händen anfassen kann.

Es dürfen keine Anwendungen stattfinden bei unklaren Bauchschmerzen, wenn eine Ent-zündung des Wurmfortsatzes nicht ausgeschlossen ist. Ebenso bei akuten Entzündungen, die sich bei Wärme noch verschlimmern könnten, bei akuten Gelenkentzündungen, Prel-lungen, bei bewusstlosen oder gelähmten Patienten.

Falls ein Patient die Wärme nicht verträgt, oder keine Besserung eintritt, ist unbedingt ein Therapeut zu Rate zu ziehen.

Einige Substanzen entfalten ihre Wirkung schon wenn sie körperwarm sind, am besten wie ätherische Öle und Zwiebeln.
Für kleine Kinder genügen oft schon körperwarme Wickel, um den gewünschten Effekt zu erzielen. Dasselbe gilt für Patienten, die keine heißen Wickel vertragen.



Kalte Wickel und Auflagen, welche Wirkung haben sie?

Kälte bewirkt generell eine Verengung der Blutgefäße, dadurch wird der Stoffwechsel in diesem Gebiet herabgesetzt. Kälte hat eine Abschwellung und eine Schmerzstillung zur Folge und vermindert eine Hämatombildung. Es werden Wärmestaus im Körper abgeleitet und Entzündungsherde am Ausbreiten gehindert.

Kalte Wickel sind bevor sie warm werden zu erneuern, solange es notwendig ist. Bleibt ein kalter Wickel liegen, erfolgt eine reaktive Hyperämie durch eine Mehrproduktion von
Wärme, durch Anregung des Stoffwechsels wie bei Kneipp-Wickeln, die dem zu Folge Abwehr steigernd und Durchblutung fördernd wirken.

Anwendungen sind wirksam bei Kopf- oder Halsschmerzen, Einschlafprobleme, akuten Gelenkschmerzen, Verstauchungen und bei oberflächlicher Venenentzündung.

Die Anwendung von Kälte kann wenn notwendig durch Eiswasserwickel oder tiefgekühlte Salzkompressen verstärkt werden.


Kontraindikationen

Kalte Wickel und Auflagen dürfen nicht angewendet werden bei:
•   Stirn- und Kieferhöhlenentzündung
•   Ohrenentzündung
•   Bronchitis
•   Blasen- und Nierenbeckenentzündung



Quellen:
•   … Pflege Heute 3. Auflage (Urban&Fischer)
                    Krankenpflegehilfe (Thieme)



Steffen B., K 2005 HT, November 2006

« Letzte Änderung: 11. Dezember 2007, 11:23:33 von NilsK05 »