Autor Thema: Smartphones im Kampf gegen die Blindheit in armen Regionen der Welt  (Gelesen 449 mal)

Offline Thomas Beßen

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"Kostengünstiges Augen-Screening von Menschen mit Diabetes in Indien

In Südindien ist rund jeder zehnte Mensch zuckerkrank. Davon leidet etwa jeder Dritte an einer so genannten diabetischen Retinopathie – einer Erkrankung der Netzhaut und unbehandelt eine häufige Ursache für Sehbehinderung und Blindheit. Umso wichtiger ist also die Früherkennung. Doch Diabetiker, die in Indien auf dem Land oder in den Slums der Städte leben, sind medizinisch unterversorgt. Daher hat die Augenklinik am Universitätsklinikum Bonn in Kooperation mit dem Sankara Eye Center in Bangalore eine Pilotstudie für ein leicht zugängliches und sehr kostengünstiges Screening-Verfahren gestartet. Der Schlüssel dazu ist ein Smartphone mit modifizierter Kamera.

2.000 Aufnahmen der Netzhaut, 400 untersuchte Augen von 200 an Diabetes erkrankten Menschen in 13 Screening-Camps und bei etwa jedem Fünften eine neu diagnostizierte Retinopathie ist die Bilanz des vierwöchigen Aufenthaltes eines Bonner Augenarztes in Südindien. „Der erhöhte Zuckergehalt im Blut bei Diabetes schädigt kleine Blutgefäße im Auge - unbehandelt eine Gefahr für die Sehkraft. Da aber viele Menschen in Indien nur schwer Zugang zu einer medizinischen Versorgung haben, wäre ein erschwingliches und leicht durchführbares Screening-Verfahren zur Früherkennung sehr hilfreich“, sagt Dr. Maximilian Wintergerst, Arzt an der Augenklinik des Universitätsklinikums Bonn. Daher besuchte er jetzt für die Pilotstudie das Sankara Eye Center in Bangalore, der drittgrößten Stadt Indiens. Im Gepäck hatte der Bonner Augenarzt Smartphones und spezielle Aufsätze. Damit hat er vor Ort schnell und leicht einen funktionierenden Augenspiegel, ein so genanntes Ophthalmoskop, zur Hand.

Umrüstung eines Smartphones für weniger als ein Euro

„Bei dem Screening nutzen wir die Kamera des Smartphones, um ins Auge zu sehen“, sagt Dr. Wintergerst. Bei zwei der mitgebrachten Mobiltelefone fokussieren zwei unterschiedliche Adapter den Strahl vom Kamera-Blitzlicht so, dass beide Geräte als direktes Ophthalmoskop eingesetzt werden können. Bei einer anderen Variante verwandelt eine zusätzliche Linse das Smartphone in einen indirekten Augenspiegel, bei dem der Betrachter ein vergrößertes, aber umgekehrtes Bild der Netzhaut sieht. Die Kosten liegen bei allen drei Lösungen jeweils bei wenigen hundert Euro. Einen noch viel günstigeren Ansatz, um direkt mit einem Lichtstrahl ins Auge sehen zu können, entwickelten die Augenärzte am Sankara Eye Center in Bangalore selbst. Dazu bringen sie anstelle eines Adapters ein kleines LED-Licht ganz dicht an die Kamera des Mobiltelefons an. „Zusätzlich zu dem Smartphone brauchen sie nur eine LED, eine Batterie und ein Klebeband für etwa 50 Rupien, also weniger als 1 Euro“, sagt Dr. Wintergerst. Zudem sind alle vier Lösungen schnell und einfach zusammengebaut, so dass geschultes, nicht-ärztliches Personal fernab eines medizinischen Zentrums Aufnahmen von einer Netzhaut machen kann. Ein Augenarzt kann die Bilder dann später auswerten. ..."


>>> https://www.uni-bonn.de bzw. https://www.uni-bonn.de/neues/245-2017

Frühe Grüße nach Bonn!
Thomas Beßen
Wer heute krank ist, muss kerngesund sein.