Autor Thema: Lehramt "Pflege" an berufsbildenden Schulen  (Gelesen 742 mal)

Offline Thomas Beßen

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Lehramt "Pflege" an berufsbildenden Schulen
« am: 29. August 2017, 06:32:01 »
Wer heute krank ist, muss kerngesund sein.

Offline IKARUS

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Re: Lehramt "Pflege" an berufsbildenden Schulen
« Antwort #1 am: 29. August 2017, 09:24:08 »
Hallo Thomas!
Verstehe ich das richtig, dass die Uni Koblenz den Abiturienten das Studium des Lehramts PFLEGE anbietet? Dann denke ich mal weiter und stelle mir vor, dass dieser PFLEGESTUDENT "nur" über 52 Wochen praktische Erfahrung verfügen wird. Ein Jahr Praxis - mehr nicht!!?? Auf welche Erfahrung im Unterricht können diese Lehrkräfte dann zurückblicken/zurückgreifen?? Viele heutige Lehrkräfte profitieren ja von ihrer persönlichen praktischen Erfahrung für die Gestaltung des Unterrichts. Auch habe ich vor meinem Vortrag im Hamm recherchiert und herausgefunden, dass die Institute an Unis und Fachhochschulen - hier im Ruhrgebiet - es so wollen, dass die heutigen Studenten eine dreijährige Ausbildung und eine zweijährige praktische Zeit nach dem Examen vorweisen müssen.  Das wäre ja dann nicht mehr erforderlich!
Ein toller Vorteil für die kommenden Kollegen wäre dann ja, dass sie nicht mehr bei kirchlichen Trägern angestellt wären, sondern beim Land, weil ja die Länder die Berufsschulen tragen. Es gibt ja auch heute bereits sehr gut ausgebildete Lehrkräfte [mit MScN-Abschluss], die bei den kirchlichen Trägern (eigene Tarifverträge!!) angestellt sind und keine ihrer Qualifikation entsprechenden Vergütung bekommen (aktuelle Aussage der betroffenen Kollegen). Da könnte sich eventuell was ändern!

Diese Diskussion über die Zugangsvoraussetzungen für die Ausbildung der PFLEGELEHRER kenne ich bereits aus meiner eigenen Lehrzeit (1992-1994 am ÖTV-Bildungsinstitut in Duisburg).
Es ist ja zu begrüßen, wenn neue Wege gegangen werden. Erst nach Versuchen kann man herausfinden, ob die neuen Wege gut sind oder das man besser bei den bekannten bleiben sollte.
Ich kenne es aus meiner handwerklichen Ausbildung, dass die Berufsschullehrer aus dem Beruf kommen mussten. Soll heißen, dass die vor dem Lehramtsstudium eine Lehre absolvierten mussten.
Mal sehen wo der neue Weg uns hinführen wird!
Sonnige Grüße aus Essen, IKARUS

Offline Thomas Beßen

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Re: Lehramt "Pflege" an berufsbildenden Schulen
« Antwort #2 am: 31. August 2017, 11:12:46 »
Hallo Michael!
Zitat
Verstehe ich das richtig, dass die Uni Koblenz den Abiturienten das Studium des Lehramts PFLEGE anbietet?

Ja, ich denke schon dass du das richtig verstanden hast. Jedenfalls habe ich dies auch so aufgefasst.

Das mit den "nur" 52 Wochen praktischer Erfahrung sehe ich nicht so kritisch. Wo muss jemand bei uns drei Jahre lang vor seinem Studium eine passende Ausbildung absolvieren um danach z.B. Ingenieur, Architekt, Lektor, Arzt oder Lehrer an einer allgemeinbildenden Schule zu sein? Das Duale Berufsbildungssystem in Deutschland läuft doch eigentlich ganz gut. Fast alle Ausbildungsberufe bei uns laufen entsprechend nach dem BBIG [Berufsbildungsgesetz - https://de.wikipedia.org/wiki/Berufsbildungsgesetz_(Deutschland)]. Die Pflegeausbildung nicht (auch im neuen Pflegeberufegesetz wird ausdrücklich die Nichtanwendung des BBiG festgeschrieben [Teil 6, § 63]). Schon interessant dieser "Extraweg", ein Thema für sich...

Wenn ein solches Jahr, die "nur" 52 Wochen z.B. gut gefüllt sind, eine maßgeschneiderte differenzierte praktische Anleitung regelmäßig erfolgt, die Lernbedingungen insgesamt gut sind und auch eine tatsächliche Verzahnung von Theorie und Praxis im Sinne von Handlungsfeldern usw. zu sehen ist, da kann man doch in einem Jahr durchaus ‘ne Menge lernen. Wie häufig habe ich über besonders pfiffige Schülerinnen und Schüler gedacht, die wären nach BBiG jetzt schon längst fertig. Sprich sie hätten z.B. schon nach 2,5 Jahre ihre Prüfung ablegen können...

Soweit nur mal zusätzliche Aspekte. Man sieht, das Vorhaben der Uni Koblenz-Landau ist in der Tat hoch komplex. Mal sehen, was damit noch so passiert...

Regnerische :-( Grüße nach Essen!
Thomas


« Letzte Änderung: 31. August 2017, 13:25:18 von Thomas Beßen »
Wer heute krank ist, muss kerngesund sein.

Offline IKARUS

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Re: Lehramt "Pflege" an berufsbildenden Schulen
« Antwort #3 am: 31. August 2017, 15:05:04 »
Thomas, ich bin nicht gegen diese Neuerung. Es wird sich was ändern! Es ist ja auch schade, dass, wie Du schreibst, "die Nichtanwendung des BBIG (leider!!) ausdrücklich abgelehnt wurde. Schade!! Ja es ist richtig, dass andere Berufe im Dualensystem erfolgreich ihren beruflichen Nachwuchs heranbilden. Auch ist es ja richtig, dass nicht jeder (heutige) Berufsschullehrer auch eine abgeschlossenen Lehre im handwerklichen Beruf vorweisen muss.  Wenn ich das auf die PFLEGE übertrage, dann könnten Abiturienten auch z. B. in Koblenz Das Lehramt mit dem Schwerpunkt PFLEGE studieren. Wir hatten hier ja auch bereits gepostet, dass es in Dortmund eine "Mamutpflegeschule" = über 600 Schüler (?) geben wird. Das käme ja dann einer klassischen Berufsschule sehr nahe. Warum nicht! Mal sehen wie die Erfahrungen werden.
Du bist bereits über der Ziellinie gekommen und ich stehe vor ihr.  Wir können die Zukunft jetzt nur noch begleiten.
Das Gestalten überlassen wir gerne unsere Nachfolgern und werden sicherlich beide höflich Fragen beantworten, wenn sie uns gestellt werden sollten.

Sonnige Grüße aus Essen,Michael