Autor Thema: Wünsche und Eindrücke.  (Gelesen 1147 mal)

Offline Ivana

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Wünsche und Eindrücke.
« am: 26. Juli 2015, 18:29:07 »
Ein letzter Wunsch - LEBEN ERLEBEN

"Was wünsche ich mir am Ende meines Lebens, getan zu haben? Dieser Frage schenken wir im Alltag oft zu wenig Beachtung. In den letzten, wertvollen Lebenstagen kann sie drängend werden...Die Erfüllung eines letzten Wunsches bedeutet, Leben zu erleben.

Das deutschlandweit einmalige Projekt ( Ein letzter Wunsch der Infinitas - Kay - Stiftung ) erfüllt die ganz persönlichen letzten Herzensanliegen schwerstkranker Menschen im Hospiz oder zu Hause in ambulanter palliativer Pflege."


Herr E.:
"Unvergessen, bleiben die schönen gemeinsame Momente und die Freude auf ein Konzertbesuch mit AC/DC...
Ein außergewöhnlich „lauter“ Wunsch, über das Friedel-Orth-Hospiz an uns herangetragen, führt mich zu Herrn E. in Jever: Gemeinsam mit einem Familienangehörigen und einem Betreuer des Hospizes möchte er noch einmal ein AC/DC-Konzert life erleben.
Herr E., 42 Jahre, liegt im Bett, sein Kopf ruht auf einem Kopfkissen mit AC/DC-Print. Im Hintergrund läuft eine CD mit Musik von seiner Lieblingsband. Seit seiner Jugend ist Herr E. ein großer Fan der australischen Hard-Rock-Band.
Die körperlichen Funktionen von Herrn E. sind durch die Krankheit Amyotrophe Lateralsklerose (ALS), eine degenerative Erkrankung des motorischen Nervensystems, erheblich eingeschränkt. Dank eines speziellen Computers ist es ihm jedoch möglich, nicht nur externe Geräte wie Fernseher und Musikanlage zu steuern, sondern auch mit den Augen über einen angeschlossenen Terminal zu kommunizieren.
Als sei es sein persönliches „Wunschkonzert“, steht die Band tatsächlich nach 5 Jahren erstmals auch in Deutschland wieder auf der Bühne. Die Konzerte waren zwar innerhalb kürzester Zeit komplett ausverkauft, aber der Konzertveranstalter vollbringt auf unserer Anfrage hin das Wunder, für das Konzert in Gelsenkirchen am 12. Juli noch Karten für Herrn E., und den notwendigen Begleiter zur Verfügung zu stellen.
Die Freude von Herrn E. beim Überbringen der guten Nachrichten ist unbeschreiblich. Auch der Vater sowie die Ehefrau von Herrn E. und seine beiden Kinder, die regelmäßig zu Besuch kommen, vergießen Freudentränen und teilen seine Euphorie. Die Nachricht verbreitet sich wie ein Lauffeuer durch das ganze Hospiz. Sie ist das Tagesgespräch.
Auch der Liegendtransport von Jever nach Gelsenkirchen kann geregelt werden. Bei jedem weiteren Besuch im Hospiz hören wir gemeinsam zur Einstimmung auf das bevorstehende Konzert die schönsten Songs von AC/DC und ich spüre, wie die Fan-Leidenschaft auch auf mich überspringt. Die Musik lässt uns emotional enger zusammenwachsen und mir stehen die „Haare zu Berge“, als Herr E. über die Augensteuerung den 12. Juli in seinem Terminplaner einträgt. Unsere Blicke treffen sich und eine gemeinsame Freude breitet sich aus.
Alles scheint perfekt – wenn es nur nicht noch so lange bis zum Konzert wäre. Wird es Herr E. schaffen, all seine Kräfte zu mobilisieren, um seinen Herzenswunsch noch zu erleben?
Leider hilft manchmal selbst das Daumendrücken von so vielen liebenden Menschen nicht. Es blieb ihm leider nur die Vorfreude."

Verfasst von Mark Castens und Marianne Kay


Ein - letzter - Wunsch - Geschichten
unter: http://ein-letzter-wunsch.de/wunsche/


Schönen Abend !
Ivana
Es geht nicht darum, dem Leben mehr Tage zu geben, sondern den Tagen mehr Leben.

Offline Ivana

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Re: Wünsche und Eindrücke.
« Antwort #1 am: 05. August 2015, 22:15:20 »
„Noch einmal auf die Nordsee“

 „Auf dem Kutter habe ich Freiheit, Freude und Frieden gespürt“, sagt Herr O. „Nie im Leben hätte ich gedacht, das ich das noch erleben darf.“

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Herr O. aus dem Friedel-Orth-Hospiz in Jever, 48 Jahre alt, hat den wahnwitzig anmutenden Wunsch, einmal mit Promi-Angler Matze Koch, bekannt aus dem Magazin „Fisch & Fang“, auf der Nordsee zu angeln. Herr O. ist zwar schon auf den Rollstuhl angewiesen, aber dieser Wunsch begleitet ihn schon sehr lange: Er liebt die Natur und das Angeln von Aal, Dorsch und Plattfischen.

Nachdem der Wunscherfassungsbogen, von der Pflegedienstleitung vollständig ausgefüllt, bei uns eintrifft, startet Mark sofort mit der Planung. Bereits beim ersten Treffen kann er Herrn O. die freudige Botschaft überbringen, dass sein Wunsch erfüllt werden wird. Zunächst reagiert Herr O. kaum – es sieht aus, als könne er es gar nicht glauben. Aber Sekunden später fließen die Freudentränen: „Das ist ja Wahnsinn, das glaub ich doch nicht, irre …“

Für diese Wunscherfüllung müssen viele Menschen sehr früh aus den Federn. Allen voran Kapitän Heinz Steffens mit seinem Fischkutter „Möwe“. Aber natürlich auch Matze Koch mit seiner Ehefrau, Herr O. samt Ehefrau, der Hausmeister des Hospizes und das TV-Team vom ZDF: der eine oder andere mit Augenrändern, aber alle voller Erwartung und Vorfreude. Die Ehrenamtlichen des Kriseninterventionsteam KIT Wesermarsch e. V. bringen Herrn O. samt Rollstuhl, die Hospizleiterin Frau Müller und das gesamte Anglerequipment verlässlich und sicher zum Hafen in Bensersiel. Mit Frau Müller kann die pflegerische und medizinische Versorgung für Herrn O. während des Ausflugs sichergestellt werden.

Nach der Begrüßung an Bord der „Möwe“ findet jeder seinen Platz. Matze Koch und Herr O. treffen sich hier zum ersten Mal. Die beiden nicken sich nach kurzem Augenkontakt gegenseitig zu, nach dem Motto „Wir sind bereit“. Um 6 Uhr früh, kurz nach Sonnenaufgang, heißt es bei unruhiger See endlich „Leinen los“. Mark sichert den Rollstuhl von Herrn O. sozusagen als „menschlicher Spanngurt“.

An diesem Morgen werfen auf der „Möwe“ zwei von ca. 3,3 Millionen aktiven Anglern ihre Angeln aus. Das Meerangeln von einem Fischkutter aus ist für jeden Angler ein besonderes Erlebnis. Die Angelschnüre mit Paternoster und entsprechenden Ködern sinken ab und bereits nach kurzer Zeit wird der erste Fisch mit einem routinierten Griff des Profianglers aufs Trockene befördert. Wieder und wieder wird die Angel bei herrlichem Sonnenschein ausgeworfen. „Wow, so kann es weitergehen!“ ist zu hören. Der Fang sorgt bei den Anglern für strahlende Gesichter. Zur Stärkung sind Kartoffelsalat und Frikadellen im Angebot. Herr O. verspeist eine Frikadelle und genießt dazu den gewünschten Kakao. Das TV-Team verzichtet großzügig auf das Essen, denn die aufkommende Seekrankheit verdirbt den Appetit und färbt die Gesichter blasser. Nach gut drei Stunden wird die Rückfahrt angetreten.

Gegen 10:30 Uhr haben alle wieder festen Boden unter den Füßen. Das Kriseninterventionsteam wartet bereits in Neuharlingersiel – Hochachtung für die super Organisation, es ist an alles gedacht worden: tolle Leistung!

Herr O. und seine Frau sind sehr ergriffen: „Auf dem Kutter habe ich Freiheit, Freude und Frieden gespürt“, sagt Herr O. „Nie im Leben hätte ich gedacht, das ich das noch erleben darf.“ Leicht erschöpft erreicht Herr O. im Rollstuhl sein Hospizzimmer und spürt nur noch: Glück.

Alle, die diesen besonderen Ausflug mitorganisiert und -erlebt haben, können wirklich stolz sein.

Herr O. weiß in diesem Moment nicht, dass die Makrelen noch am selben Abend geräuchert werden und Mark ihm diese als kulinarische Überraschung in das Hospiz mitbringen wird. Zwei Tage später klopft Mark mit dem geräucherten Fang, schmackhaft auf einem Teller angerichtet, an die Zimmertür. Auf das klare „Ja“ aus dem Zimmer tritt er ein mit den Worten „Zimmerservice“ – und blickt in die leuchtenden Augen eines zufriedenen Menschen, der an Kraft und Lebenslust gewonnen hat.

Es ist ein Wiedersehen wie bei alten Freunden – mit viel Herzlichkeit, aber auch sentimentalen Momenten und einigen Freudentränen.

Verfasst von Mark Castens und Marianne Kay.
http://ein-letzter-wunsch.de/wunsche/

Schönen Abend !
Ivana
« Letzte Änderung: 05. August 2015, 22:43:46 von Ivana »
Es geht nicht darum, dem Leben mehr Tage zu geben, sondern den Tagen mehr Leben.