Autor Thema: Pflegediagnosensauswahl nach Heuwinkel-Otter usw.  (Gelesen 2205 mal)

Offline Thomas Beßen

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Pflegediagnosensauswahl nach Heuwinkel-Otter usw.
« am: 06. März 2007, 18:06:59 »
1.   A1 Aktivitätsintoleranz, Gefahr; Aktivitätsintoleranz
2.   A2 Allergische Reaktion, Gefahr; Allergische Reaktion
3.   A3 Angst; Furcht
4.   A4 Anpassung beeinträchtigt
5.   A5 Aspirationsgefahr; Aspiration
6.   A6 Atemstörung, Gefahr; Atemstörung

7.   B1 Beschäftigungsdefizit
8.   B2 Bewusstsein gestört

9.   C1 Copingdefizit (Bewältigungsveränderung)

10.   D1 Denkprozesse gestört
11.   D2 Durchblutungsstörung; venöse Abflussstörung
12.   D3 Dysreflexie autonom, Gefahr; Dysreflexie autonom

13.   E1 Elterliche Fürsorge beeinträchtigt, Gefahr; Elterliche Fürsorge beeinträchtigt
14.   E2 Elternrollenkonflikt
15.   E3 Empfinden gestört
16.   E4 Entscheidungskonflikt
17.   E5 Erstickungsgefahr

18.   F1 Familienprozesse beeinträchtigt
19.   F2 Flüssigkeitshaushalt unausgeglichen, Gefahr;
            Flüssigkeitshaushalt unausgeglichen

20.   G1 Gesundheitsverhalten unwirksam
21.   G2 Gesundungsprozess beeinträchtigt
22.   G3 Gewalttätigkeit, Gefahr; Gewalttätig
23.   G4 Glaubenverlust

24.   H1 Haushaltsführung beeinträchtigt
25.   H2 Haut- und Gewebeschädigung, Gefahr; Haut- und Gewebeschädigung
26.   H3 Herzleistung vermindert
27.   H4 Hoffnungslosigkeit

28.   I1 Identität gestört
29.   I2 Infektionsgefahr; Infektion

30.   K1 Kommunikation, beeinträchtigt
31.   K2 Kooperationsbereitschaft fehlend (Noncompliance; Therapieverweigerung)
32.   K3 Körperbildstörung; Neglect
33.   K4 Körperschädigung, Gefahr; Körperschädigung
34.   K5 Körpertemperatur und Schweißproduktion unausgeglichen, Gefahr;
             Körpertemperatur und Schweißproduktion unausgeglichen

35.   L1 Lebensgefahr

36.   M1 Machtlosigkeit, Gefahr; Machtlosigkeit (Kontrollverlust)
37.   M2 Mobilität körperlich beeinträchtigt
38.   M3 Müdigkeit; Erschöpfung
39.   M4 Mundschleimhaut und/oder Mundhöhle beeinträchtigt

40.   N1 Nahrungsaufnahme beeinträchtigt, Gefahr; Nahrungsaufnahme beeinträchtigt

41.   P1 Posttraumatisches Syndrom, Gefahr; Posttraumatisches Syndrom

42.   R1 Rollenverhalten unwirksam

43.   S1 Schlafstörung
44.   S2 Schluckstörung
45.   S3 Schmerzen akut; Schmerzen chronisch
46.   S4 Selbstversorgungsdefizit
47.   S5 Selbstschutz unwirksam
48.   S6 Selbstwertgefühl gestört
49.   S7 Sexualstörung
50.   S8 Sexualverhalten unwirksam
51.   S9 Sinneswahrnehmung beeinträchtigt
52.   S10 Sozialverhalten beeinträchtigt
53.   S11 Stillen beeinträchtigt; Stillen erfolgreich
54.   S12 Stuhlausscheidung beeinträchtigt

55.   T1 Trauern gestört

56.   U1 Urinausscheidung beeinträchtigt

57.   V1 Vergewaltigungssyndrom
58.   V2 Vergiftungsgefahr; Vergiftung

59.   W1 Wachstum und Entwicklung beeinträchtigt
60.   W2 Wissensdefizit


nach "Menschen pflegen", Heidelberg 2006-2007, Springer Verlag


« Letzte Änderung: 30. August 2007, 14:41:24 von Thomas Beßen »
Wer heute krank ist, muss kerngesund sein.

Offline Thomas Beßen

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Re: Pflegediagnosensauswahl nach Heuwinkel-Otter usw.
« Antwort #1 am: 24. April 2017, 15:36:56 »
Ein gutes Beispiel: die Pflegediagnose "K3 Körperbildstörung; Neglect" (aus dem dreibändigen Lehrbuch "Menschen pflegen", Heidelberg 2006-2007, Springer Verlag), ausgearbeitet von uns IKARUS... :wink:
Chapeau, Herr Kollege! :-)

Virtuelle Grüße!
Thomas Beßen

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Offline IKARUS

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Re: Pflegediagnosensauswahl nach Heuwinkel-Otter usw.
« Antwort #2 am: 24. April 2017, 19:54:49 »
Danke für die Blumen Thomas!
Mit diesem Thema (Pflegediagnosen) setze ich mich seit 1999 auseinander. Wie Du ja auch weißt, habe ich früher mich über 10 Jahre mit Brandverletzten auseinandergesetzt. Patienten mit schweren Brandverletzung behalten oft ausgeprägte Narben zurück, die dann in (sehr) viele Operationen behandelt werden müssen. Das Verhältnis von Operationen während der ersten Phase (BV Zentrum) gegenüber der Spätphase (Plastische Chirurgie) geht oft über 1:4 hinaus. Auch weil die Brandverletztenabteilungen von plastisch-chirurgisch und handchirurgisch ausgebildeten Ärzten geführt wird, kann das Pflegepersonal den "Ehemaligen" wieder begegnen und Erfahrungen sammeln, was es bedeutet, wenn Betroffenen Narben zurückbehalten. Wissen tun es viele Pflegende auf den Intensivstationen kaum, was das für die Betroffenen bedeutet.
Ich durfte 2002 in Salzburg im Rahmen eines Internationalen Pflegesymposiums für Spezialisten für die Pflege von Verbrennungspatienten einen Vortrag halten zum Thema "Körperbildstörungen nach schweren Verbrennungen ".
[ eine Art Kongreßband wurd im PABST Verlag aufgelegt = PLEXUS 2-2003; 11. Jahrgang; Seite 11 ff (mein Beitrag ab Seite 46) ] 
Die österreichischen Kollegen waren was das Thema PFLEGEDIAGNOSEN angeht weiter als wir in der BRD. Sachliche Kritik kamen von den Wiener und Salzburger Kolleginnen. Verwünschende Rückmeldungen kamen von den hiesigen Kollegen.
Ich habe die Finger aber nicht vom Thema gelassen und wurde dann angeschrieben, wegen des Vortrags in Salzburg, ob ich nicht Interesse hätte, an diesem Standardwerk für die Pflege mitzuwirken. Die jetzige Aufgabenstellung war aber breiter angelegt. Es ging nicht mehr nur um Brandverletzte sondern um Betroffene aus anderen Bereichen der PFLEGE/MEDIZIN. Die (empfundenen oder auch sichtbaren) Veränderungen der körperlichen Hülle hinterlassen beim Betroffenen sehr unterschiedliche Wirkungen. Nach meinen Erfahrungen haben die Betroffenen, wo man wenig sieht, deutlich mehr Probleme die sie seelisch verarbeiten müssen. 
Hier erinnere ich immer wieder einen männlichen Brandverletzten, wo kaum etwas zu sehen war. Damals (1982) habe ich nicht verstanden, was diesen Betroffen quälte. "Man sah doch kaum etwas, was hätte ins Auge fallen können. Es waren "nur" kleine Farbschattierungen. Für den Betroffenen brach eine Welt zusammen, was ich (noch) nicht verstehen konnte. Es gab auch keine Intensivpflegekraft, die hätte eine fundierte Antwort geben können. Die lapidaren spare ich mir hier!
Einen Psychologen gab es für die Intensivstation nicht, weder für die Betroffenen noch für das Pflegepersonal stand einer zur Verfügung.

Wenn dieses Hervorheben des Beitrags einen positiven Effekt haben soll, dann wünsche ich mir, dass sich SchülerINNEN "infizieren lassen", sich einem Thema in der Pflege intensiv zu widmen. Es lohnt!! Ich meine hier aber nicht das finanzielle!
Eine Einladung ausBarcelona, Wien, Stockholm, ... zu bekommen ist schon prickelnd. Das Problem ist aber, das man einen Menschen benötigt, der einen wach hält.
Gerne vergleich ich das heute mit einer geöffneten Tüte HARIBO. Man hört erst auf, wenn die Tüte leer ist.
Bei mir war ein Ereignis 2004 der Auslöser für eine Korrektur des beruflichen Weges.

Auch wenn es sich pathetisch lesen könnten: "ich würde es wieder tun!" Allerdings heute mit mehr Augenmaß. Und genau dass kann ich heute an unsere Pflegejugend weitergeben. 

Pflegediagnosen stehen ja nicht in Konkurrenz zu den medizinischen Diagnosen (ICD 10). Sie sollen erklären (helfen), warum dieser Patient/Betroffenen einen Pflegebedarf hat. Wo liegt das Selbstpflegedefizit, aus dem sich unser Tun ableiten und begründen lässt.   

Am Wochenende steht die Landesmeisterschaft im Standard  in Hamm auf dem Plan!!

Grüße aus dem Pott nach Hessen, IKARUS

Offline IKARUS

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Re: Pflegediagnosensauswahl nach Heuwinkel-Otter usw.
« Antwort #3 am: 26. April 2017, 15:48:14 »
Thomas, kennst Du auch neben dem 3bändigen Werk auch das Büchlein für die Kitteltasche?
Es trägt einen ähnlichen Namen =  Pflegediagnosen für die Kitteltasche ISBN: 13 978-3-642-01318-8 ebenfalls im Springer Verlag; 2011

Sonnige Grüße aus Essen, IKARUS

Offline Thomas Beßen

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Re: Pflegediagnosensauswahl nach Heuwinkel-Otter usw.
« Antwort #4 am: 26. April 2017, 16:24:34 »
Na klar, Michael, kenne ich das Buch. Eine tolle Sache, hier http://www.springer.com/de/book/9783642013188 kann man es sehen.
Ich frage mich nur, warum sich die Pflegediagnostik bei uns in Deutschland nur so schwer tut, sich nur so zäh entwickelt. ALLE Seiten würden doch von ihrer Anwendung im Alltag profitieren...
Viele Grüße rasch zurück! :-)
Thomas 
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Offline IKARUS

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Re: Pflegediagnosensauswahl nach Heuwinkel-Otter usw.
« Antwort #5 am: 26. April 2017, 18:29:29 »
Thomas, das kann ich dir aus meinem Blickwinkel und bitterer Erfahrung gerne berichten. Als ich vor Jahren mit der Pflegediagnostik begann mich auseinander zu setzen, meinte ein Kollege, es war der 12. September 2001!!, ich könne doch mit meinem Scheiß jetzt in die USA fliegen und sie da anwenden. "Glaube doch nicht, dass du diagnostizieren kannst! Das machen doch die Ärzte!" Dieser Kritiker hat es bis heute(!!) nicht verstanden, worum es hierbei geht.
Es geht um die Feststellung der Pflegebedürftigkeit, nicht um die Erhebung einer Medizinischen Diagnose.
Es werden ja so gar in einer Autowerkstatt Diagnosen erhoben und auch im Wald von einem Förster.

Ich könnte ja annehmen, dass hier Angst vor dem Neuen besteht und intensiv gepflegt wird.
Was ich aus heutiger Stellung für die Einführung und Akzeptanz der Pflegediagnosen tun kann, will ich gerne tun. Aber es ist ein sehr dickes Brett und die Bohrer werden immer dünner. Soll heißen, dass sehr viel Zeit noch benötigt wird. Ich denke es lohnt sich!!
Mir helfen die Pflegediagnosen bei der Begründung einer Pflegebedürftigkeit vor einem Sozialgericht. Meine Argumente erscheinen dem Richter stichhaltiger und ich kann mich auf Fakten beziehen und nicht auf tradiertes Wissen. Nichts gegen das tradierte Wissen von Sr. Hildegard. Sie kann ihr Tun selten begründen. Und hier leiten wir unsere Schüler heute dazu an, dass sie ihr Tun begründen können. Es kann ja auch sein, dass Nichtstun sinnvoll ist, wenn es begründet werden kann, gibt es ja auch keine Folgen für den der sinnvoller Weise nicht gehandelt hat. Oder hat sie/er gehandelt indem sie/er Schaden abgewendet hat.

Abendliche Grüße aus Essen nach Hessen, Michael

Offline dino

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Re: Pflegediagnosensauswahl nach Heuwinkel-Otter usw.
« Antwort #6 am: 26. April 2017, 20:31:43 »
Hey Leute, regt Euch net auf. Wie lange arbeitet Ihr mit PD`s? Um die 20 Jahre. Was sind 20 Jahre in der Geschichte? Peanuts. Und ob es sich gelohnt hat? Auch das wird die Geschichte bringen. Jeder gibt auf seine Art sein Bestes und hofft, dass es das richtige ist. Oder anders ausgedrückt, wir glauben das es das Richtige ist. Und Glauben kann sehr effektiv sein. Jesus ist vor über 2000 Jahren für seinen Glauben ermordet worden, viele folgten ihm nach. Und doch gab es immer wieder Namenlose die weiter Glaubten. Und es gab im Laufe der Geschichte genug Zweifler. Also, was sind die paar Jahre PD dagegen? Entweder man hält durch, oder resigniert. Der Glaube hat durchgehalten, was ist mit Euch?
 :-) :-)