Autor Thema: "Chemische Gewalt gegen Ältere"  (Gelesen 1227 mal)

Offline Thomas Beßen

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"Chemische Gewalt gegen Ältere"
« am: 10. Juni 2009, 07:10:40 »
"Trotz riskanter Nebenwirkungen bekommen viele Demenzkranke in Deutschland statt einer guten Pflege viele Beruhigungsmittel. Pflege werde so ersetzt, kritisierte der Bremer Gesundheitsforscher Gerd Glaeske. Dies komme "chemischer Gewalt gegen Ältere" gleich, sagte er bei der Vorstellung des Arzneimittel-Reports der Gmünder Ersatzkasse (GEK).
Etwa jeder dritte Demenzkranke - also Altersverwirrte - erhält starke Beruhigungsmittel, und das obwohl damit große Risiken einhergehen - etwa Infektionen, Schlaganfälle oder Probleme mit den Blutgefäßen. Die Folge: Bei Demenzkranken steigt durch die Einnahme von Beruhigungsmitteln, sogenannten Neuroleptika, die Sterblichkeitsrate.

"Medikamente, um mangelnde Pflege auszugleichen"

Für Gerd Glaeske, den Leiter der GEK-Studie, liegt der Grund für den Einsatz auf der Hand: "Neuroleptika sind eben stark dämpfend, Neuroleptika sind beruhigend. Sie lassen sich offensichtlich im Pflegealltag dazu nutzen, einen Mangel an Pflege auszugleichen, indem man Menschen ruhig stellt." Menschen, die sonst im Pflegealltag viel Zeit und Personal binden und damit hohe Kosten verursachen würden.

Neuroleptika zu verschreiben, um zu sparen ist für Glaeske unverantwortlich: "Ich nenne das, um es mal plakativ zu sagen, in vielen Fällen chemische Gewalt gegen Ältere." Und damit soll Schluss sein, fordert er. Ärzte sollten bei der Verschreibungen dieser Präparate radikal umdenken und die Anzahl der Rezepte drastisch reduzieren. Auch die Anzahl anderer Verschreibungen sollte und könnte aus Sicht der Gmündner Ersatzkasse verringert werden.

Massiver Anstieg bei Arzneikosten

Der Arzneimittelreport kommt für das Jahr 2008, so der Chef der GEK, Rolf Ulrich Schlenker, erneut zu dem Ergebnis: "Alles wächst: Es wächst die Menge an abgegebenen Packungen, es wachsen die Rezeptzahlen. Das ist ein Trend, den wir seit vielen Jahren haben." Die Ausgaben für Arzneimittel wachsen ungebremst. Allein die GEK hat im vergangen Jahr 487 Millionen Euro für Medikamente ausgegeben. Im Jahr davor waren es über 60 Millionen Euro weniger.

Ein großer Batzen entfällt auf Spezialpräparate, vor allem gegen Arthritis und Multiple Sklerose. Dabei handelt es sich um sogenannte "Biologicals", biotechnologisch hergestellte Medikamente, für die es keine vergleichbaren Mittel auf dem Markt gibt. Und für die die Hersteller praktisch jeden Preis verlangen können. Denn in solchen speziellen Fällen haben die Kassen keine Möglichkeit, den Preis zu regulieren. Für Glaeske ist die Forderung an die Politik deswegen eindeutig: "Kein Arzneimittel mehr in die Gesetzliche Krankenversicherung ohne Verhandlung über die Preise, die da verlangt werden." Ansonsten würde die Kostenexplosion auf dem Arzneimittelsektor die Krankenkassen immer weiter belasten."


Guten Morgen!
Thomas Beßen

Quelle: http://www.tagesschau.de/inland/neuroleptika100.html (Von Bettina Altenkamp, WDR, ARD-Hauptstadtstudio Berlin)






Wer heute krank ist, muss kerngesund sein.