Autor Thema: Fotodokumentation in der Wundversorgung  (Gelesen 688 mal)

Offline Thomas Beßen

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Fotodokumentation in der Wundversorgung
« am: 03. Mai 2018, 06:38:36 »
"Die genaue Dokumentation von Wunden ist die Grundlage einer phasengerechten und effizienten Therapie. Mithilfe einer präzisen und kontinuierlich durchgeführten, adäquaten Dokumentation kann der Verlauf der Wundheilung für alle Beteiligten innerhalb des therapeutischen Teams nachvollziehbar und auch nachweisbar gemacht werden.

Den Wundheilungsprozess mithilfe von Fotos zu dokumentieren, gewährleistet eine konstant transparente Nachverfolgung des Prozesses über einen längeren Zeitraum hinweg und hat sich insbesondere auch als Verlaufskontrolle bei Entlassungs- und Verlegungsbereichten als vorteilhaft erwiesen. Ein weiterer Vorteil ist, dass eine hochwertige Fotodokumentation mit optimalen Aufnahmetechniken und guten Aufnahmegeräten den aktuellen Zustand der Wunde(n) objektiv darstellt. Die reine Beschreibung der Wundverhältnisse ist immer subjektiv und hat einen relativ großen Interpretationsspielraum, auch der damit verbundene Gebrauch von Fachterminologie, was selbst geschulten Mitarbeitern Schwierigkeiten bereitet, dieselben Wundverhältnisse einheitlich wiederzugeben. ..."


Von Barbara E. Tiedke unter https://www.thieme.de/statics/bilder/thieme/final/de/bilder/tw_pflege/Seiten_aus_intensiv_0214_Druckdaten-2.pdf

Guten Morgen!
Thomas Beßen

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Wer heute krank ist, muss kerngesund sein.

Offline IKARUS

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Re: Fotodokumentation in der Wundversorgung
« Antwort #1 am: 03. Mai 2018, 08:05:03 »
Danke Thomas für diesen Artikel. Kommt er doch für ein Diskussion um die Fotodokumentation mir gerade recht.
Eine Schülerin berichtete, dass sie die Fotodoku auf ihrer Station abgeschafft hätten, weil die Fotos so schlecht seien.
Ich halte dagegen, dass ich dem Personal das Fotografieren beibringen würden, anstatt auf die Fotodoku zu verzichten. Der Vorteil ist für mich, dass "ich umschiffe", dass die Mitarbeiter es (noch) nicht gut formulieren können. Das ist ja auch eine "KUNST"! Mit der heutigen Digitaltechnik werden die Patientenakten auch nicht mehr so dick wie vor Jahren (Polaroid-Fotostrecken!!) Du erinnerst auch noch?!

Was mir im Artikel neu ist, ist der Umstand, dass ich eine schriftliche Einverständniserklärung einholen muss. Ich dachte bis heute, dass das nur bei Aufnahmen des Gesichtes erforderlich sei. Da habe ich aber bei meinen Aufnahmen kein Problem.

Grüße aus Essen, Michael

Offline dino

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Re: Fotodokumentation in der Wundversorgung
« Antwort #2 am: 03. Mai 2018, 08:27:02 »
Fotos dienen weniger dazu Formulierungsprobleme zu umgehen als vielmehr zum forensischen Dokumentieren des Status quo. Als gängiges Beispiel klinische Einweisung eines Pat. aus einem Heim. Pat. weist einen nicht in den Aufnahmepapieren vorhandenen Dekubitus, oder halt "nur" ne Rötung, auf. Hier hat man sofort ein belastbares Dokument zur Entlastung zur Hand. Bei entsprechender Technik ist ein Einpflegen der Fotos in das KIS obligat.
Was Fotos angeht gibt es wohl von der EU neue Vorschriften, die in nationales Recht umgesetzt werden.
VG
dino

Offline IKARUS

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Re: Fotodokumentation in der Wundversorgung
« Antwort #3 am: 04. Mai 2018, 08:10:13 »
Ja genau so sehe ich es auch so Dino! Zur forensischen Absicherung! Das bedeutet doch, dass jetzt fachliche Laien eine Bewertung vornehmen müssen, wofür sie nicht grundständig ausgebildet sind. Die Juristen werden dann einen Fach-Gutachter beauftragen, den Sachverhalt zu klären anhand der Aktenlage. Das geht besser mit einem Foto als mit einem verfassten Text. Gibt es doch nicht nur in unserer Berufsgruppen Menschen, die Sachverhalte schwer formulieren können. Das kostet viel Übung. Und wenn man sie kann/beherrscht bleibt die Frage übrig: "verstehen die Leser den Text so, wie ihn der Verfasser gemeint hat. Das kennen wir doch selbst aus unserer eigenen Berufsgruppe. Sich mitzuteilen ist eine hohe Kunst!
Du weist darauf zu recht hin, dass sich auch Gesetze weiterentwickeln. Ist da jeder Leistungserbringer immer auf dem letzten Stand?? Was den Hinweis in dem Artikel anging, war es mir nicht bewusst, dass ich für jedes Foto die schriftliche Erlaubnis vorliegen muss.  Ich denke, mit dem Hinweis: "es sind ja nur pflegerisch/medizinische Fotos" käme ich heute nicht weiter, auch wenn ich die Bilder nur für berufliche Zwecke einsetzen will. Sie anders zu verwenden, käme mir nie in den Sinn.
Beste Grüße, Michael

Offline dino

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Re: Fotodokumentation in der Wundversorgung
« Antwort #4 am: 04. Mai 2018, 09:22:43 »
Also die Gesetzesänderung habe ich zufällig im FB erfahren.  :-D Vieles ist in der Praxis nun eine Grauzone.Ich konstruier jetzt mal: Pat. 85 Jahre, ist exikiert und dement, lebt in einem APH. Aufgrund der Exikose ist er wackelig auf den Beinen, fällt hin und schwupps haben wir einen Oberschenkelhals. In der zuständigen ZNA wird nun festgestellt, dass der Pat. einen im Doku-Bogen des APH eine nicht dokumentierte schwere Rötung mit beginnendem Dekubitus am Steiß hat. Nun ist es aber 02:30 Nachts. Wer soll nun unterschreiben? Was ist rechtskonform. Ich würde es auf meine Kappe nehmen und ein Bild machen. Für die nächste Zukunft setze ich jetzt einfach mal auf unseren Träger das die dortige Rechtsabteilung uns Handlungsanweisungen an die Hand gibt.
VG
dino

Offline IKARUS

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Re: Fotodokumentation in der Wundversorgung
« Antwort #5 am: 04. Mai 2018, 12:08:03 »
Ich verstehe dich Dino! Ich würde auch nachts eine Fotodokumentation fertigen, um mich abzusichern. Ob die Rechtsabteilung meines Arbeitgebers oder bei mir als Freiberufler mein Rechtsbeistand mir im konkreten Fall (erfolgreich!) unter die Arme greifen kann, ist dann einfolgender Fakt. Das hat dann nichts mehr mit unserer Arbeit zu tun, sondern mit der juristischen Würdigung, die nicht mehr in unseren Händen liegt. Hier sind wir abhängig von anderen Akteuren!!!
Ich habe ja bis heute nie Problem bekommen wegen meiner Bilder, die ich angefertigt habe. Habe ich sie doch nur zu beruflichen Zwecken eingesetzt und darauf geachtet, dass keiner außer mir an sie heran kam. Bei den Fort- und Weiterbildungen sollte ja klar sein, dass auch die Zuhörer der Schweigepflicht unterliegen.
Für ein Bild habe ich mal "Prügel" bezogen von einer Co-Referentin. Meine Antwort soll sehr pfiffig gewesen sein, was ich erst abends mitgeteilt bekommen habe. Da war die Diskussion mit der "Kollegin" aber lange vorbei. Das kennst Du ja sicherlich auch: wer einen Vortag hält, sollte auf Gegenwind gefasst sein. Es geht da ja nicht ausschließlich um fachliche Kritik.
Habt in Hessen auch ein tolles Wochenende, Michael 

Offline dino

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Re: Fotodokumentation in der Wundversorgung
« Antwort #6 am: 04. Mai 2018, 14:39:20 »
Ich benutze ja seit jeher Bilder für die Ausbildung. Das hab ich schon damals als Kreisausbilder bei der Feuerwehr so gehandelt. Im RD eh, und dann bei unseren Schülern. Viele Verletzungen sind ja net grade appetitlich, andere wiederum eher selten. Ergo hab ich einen kleinen Fotoatlas erstellt. Ich hab die Fotos allesamt aus dem FB, bin da in verschiedenen Gruppen, u. a. taktische Verwundetenversorgung. Denn wer heute in einer ZNA arbeitet ist was andres als früher. Oder eben zufällig als Ersthelfer dazu kommen. Und ich zeige auch gerne mal Bilder von der Anwendung, wie tactical Tourniqut, Chinosan etc. Das ist was anderes als nur low dose ohne echte Verletzung. Ich frag jetzt einfach mal unseren Norbert hier ob ich noch das Album im Rahmen des Unterrichts verteilen darf. Wer schade wenn nicht. Ansonsten greif ich auf mein Unfallrettung von Lick/Schläfer zurück. Was Verletzungen angeht eh das Beste. Hier fehlen nur die neuen Behandlungsmethoden.
VG
Uwe
« Letzte Änderung: 05. Mai 2018, 10:15:10 von dino »